Wirtschaft : Sixt will Europcar im Ausland überrunden

Der Autovermieter profitiert von der Reiselust der Deutschen, legt Rekordzahlen vor und würde gerne zukaufen

Nicole Huss

München - Nach drei Rekordjahren in Folge will der größte deutsche Autovermieter Sixt auch 2007 kräftig Tempo machen. Um steigende Fuhrparkkosten zu kompensieren, wird Sixt die Preise bei der Autovermietung wie schon im Vorjahr um rund drei Prozent anheben. Seine Expansion im Ausland will Sixt weiter vorantreiben. Innerhalb der nächsten fünf Jahre wollen die Münchner Europcar als Marktführer in Europa ablösen.

Um das zu erreichen, sieht sich Sixt intensiv nach Zukäufen um. Man suche überall nach Möglichkeiten, sagte Firmenchef Erich Sixt am Dienstag in München. „Wir würden gerne etwas kaufen.“ Dabei liege der Fokus auf kleinen und mittelgroßen Unternehmen in europäischen Ländern. Es gebe aber derzeit nichts Konkretes, da die Angebotslage am Leasingmarkt schwierig sei. Sixt sagte, der Markt sei „ziemlich abgegrast“.

Im Herbst 2005 hatte der Ford-Konzern den Autovermieter Hertz an Finanzinvestoren verkauft. Im vergangenen Jahr gewann der französische Finanzinvestor Eurazeo den Bieterwettkampf um Europcar, an dem sich auch Sixt beteiligt hatte. Der heute größte europäische Autovermieter hatte zuvor zum Volkswagen-Konzern gehört. Auch beim Verkaufspoker um Auto Service-Leasing (ASL) zog Sixt gegenüber Finanzinvestoren den Kürzeren. GE Capital habe eine so hohe Summe für ASL geboten, dass Sixt keine Chance gehabt habe, mitzuhalten, sagte der Konzernchef.

Im Zuge der Konsolidierung am europäischen Autovermietmarkt hat Europcar mit dem jüngsten Zukauf des Europageschäfts des US-Konkurrenten Vanguard seine Stellung als Nummer eins gefestigt. Vanguard ist die Dachgesellschaft für die Marken National Car Rental und Alamo Rent A Car. Hinter Europcar folgen nun Sixt, Hertz und Avis. Die großen vier teilen sich rund 80 Prozent des Marktes. Daneben wetteifern in den europäischen Ländern mehrere hundert kleine, lokal begrenzte Anbieter um Marktanteile.

Weil sich kaum Möglichkeiten zum Zukauf ergeben, will Sixt seinen Konkurrenten Europcar nun durch die kräftige Expansion im Ausland überrunden. Allein im vergangenen Jahr hat Sixt neun Länder über Franchise-Partner neu erschlossen. Darunter sind auch wichtige Wachstumsmärkte wie Indien und Australien. Insgesamt ist Sixt damit inzwischen in 85 Ländern vertreten. Zudem startete Sixt in Spanien, einem der größten europäischen Vermietmärkte, mit eigenen Stationen.

Dank ihrer Kooperation mit der Fluggesellschaft Air Berlin konnten die Münchner im vergangenen Jahr auf Mallorca rund 2000 Fahrzeuge vermieten. In diesem Jahr will Sixt auch auf das spanische Festland – in Städte wie Marbella, Malaga und Barcelona – expandieren und seine Präsenz an Flughäfen ausbauen.

Nach Angaben von Sixt läuft auch das Geschäft in Frankreich und in dem lange Zeit für Sixt problematischen Markt Großbritannien gut. „Wir profitieren davon, dass die Deutschen wieder im großen Stil reisen“, sagte Sixt. Die Nachfrage nach Ferienmietwagen sei 2006 so groß gewesen, dass der Umsatz um mehr als die Hälfte gestiegen sei.

Konzernweit erzielte Sixt im abgelaufenen Jahr das bisher beste Ergebnis der Unternehmensgeschichte: Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 1,44 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) schnellte um 34 Prozent auf 121,6 Millionen Euro nach oben. Der Konzernüberschuss stieg ebenfalls um knapp ein Drittel auf 73,8 Millionen Euro. Sixt kündigte an, die Dividende für die Aktionäre zum dritten Mal in Folge zu erhöhen. Sie soll pro Stammaktie von 0,80 auf 1,05 Euro und je Vorzugsaktie von 0,82 auf 1,07 Euro steigen.

Auch für 2007 gab sich Sixt optimistisch. „Wir wollen erneut Rekorde bei Ergebnis und Umsatz einfahren“, kündigte der Unternehmenschef an, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die Debatte um den Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid wird das Geschäft nach Ansicht von Sixt dabei nicht bremsen. „Unsere Kunden reagieren noch gar nicht auf die Umweltdiskussion“, sagte er. Autos mit starker Motorisierung seien nach wie vor sehr gefragt.

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