Wirtschaft : Skandal erschüttert Brasiliens Börse

SAO PAULO (rey).Die wichtigsten Börsen Lateinamerikas haben am Dienstag die vor einigen Tagen begonnene Talfahrt fortgesetzt.Von einer wahren Verkaufswut wurde erneut der größte Wertpapiermarkt des Subkontinents in Brasiliens Finanzmetropole Sao Paulo erfaßt.Die Kurse fielen dort um durchschnittlich 4,94 Prozent, nachdem sie schon am Montag um 4,88 Prozent nachgegeben hatten.Der Bovespa-Index verlor diesmal 552 Punkte und schloß bei 10 602 Zählern.Das ist der tiefste Stand seit Ende April.

Für Unruhe bei den Anlegern sorgte unter anderem die Enthüllung eines angeblichen Korruptionsskandals um Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso durch die seriöse Zeitung "Folha".Cardoso hat offenbar bei der Privatisierung des Fernmeldegiganten Telebras im Juli 1998 eine der interessierten Unternehmergruppen begünstigt.Das geht aus den Aufzeichnungen von Telefongesprächen hervor, die von der Zeitung veröffentlicht wurden.

Das staatliche Telebras-Monopol war im vergangenen Jahr geknackt und bei der Versteigerung in 13 Unternehmen aufgeteilt worden.Die Auktion brachte rund 19 Mrd.Dollar in die Kasse des Fiskus und war die größte Privatisierung in der Geschichte ganz Lateinamerikas.Fernando Henrique Cardoso und das leitende Personal der Nationalen Entwicklungsbank BNDES versuchten damals zu verhindern, daß die Tele Norte Leste, eines der 13 Teilunternehmen, in die Hände eines Konsortiums von brasilianischen Firmen (der sogenannten Telemar-Gruppe) fiel.Sie zweifelten an deren Fähigkeit, das Fernmeldegeschäft im Norden und Nordosten erfolgreich führen zu können.Stattdessen wollten sie eine von der italienischen Stet angeführte Unternehmergruppe favorisieren.Erste Indizien einer irregulären Beeinflussung der Auktion waren schon im letzten November an die Öffentlichkeit gedrungen und hatten zur Entlassung des seinerzeitigen Fernmeldeministers Luiz Carlos Mendonça de Barros sowie des BNDES-Präsidenten Andre Lara Resende geführt.Die linke Opposition will die neuen Enthüllungen zum Anlaß nehmen, um einen politischen Prozeß gegen den Präsidenten anzustrengen.

Auch in Mexiko-Stadt machten die Börsianer am Dienstag traurige Gesichter, die Verluste hielten sich dort aber in Grenzen.Der IPC-Index fiel um 1,05 Prozent.Während die Börse in Argentinien wegen des Nationalfeiertags von der allgemeinen Mißstimmung verschont blieb, schlossen alle anderen kleineren Börsen Lateinamerikas ebenfalls im Minus.

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