Wirtschaft : Skeptische Finanzprofis drücken Dax

Düsseldorf - Der Optimismus der Finanzmarktexperten für die deutsche Wirtschaft hat sich im Juni abgekühlt. Das signalisiert das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), das auf Umfragen unter rund 300 Analysten und institutionellen Anlegern beruht. Der Index sank nach sechs Anstiegen in Folge auf 20,3 Zähler – 3,7 Punkte unter den Wert für Mai. Dies lag vor allem daran, dass deutlich weniger Befragte eine weitere Verbesserung der Wirtschaftslage erwarten.

Konjunkturexperten hatten zuvor mit einem deutlichen Anstieg des Barometers gerechnet. Die Anleger an der Börse reagierten besorgt. Der Dax beendete seine Jagd auf ein Rekordhoch und brach innerhalb weniger Minuten um 0,8 Prozent ein.

ZEW-Präsident Wolfgang Franz relativierte allerdings den nachlassenden Optimismus der Finanzmarktprofis. Insgesamt zeugten sowohl die Einschätzung der Lage als auch der Erwartungen dennoch „von guten konjunkturellen Perspektiven“, sagte Franz. Die Lagebeurteilung sei „nach wie vor hervorragend“. Auch, wenn sich die konjunkturelle Dynamik nach Ansicht der befragten Finanzmarktexperten nicht weiter beschleunigen werde, gehe er in den nächsten Monaten von einer stabilen Entwicklung aus, sagte Franz, der auch dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung angehört.

Es gebe keinen Grund, nervös zu sein, sagte auch Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America. Das hohe Niveau der Beurteilung der gegenwärtigen Lage habe möglicherweise den Befragten „die Phantasie für eine weitere Verbesserung“ geraubt, vermutet die Deka-Bank. doh (HB)/Tsp

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