Skihersteller : Es läuft bei Völkl

Völkl ist die letzte Skifirma in Deutschland. Sie ist auf dem Weg zur Nummer drei der Branche.

Thomas Magenheim

München - Anfang der 70er Jahre kam es noch sehr bieder daher: Renntiger hieß damals das Spitzenmodell der Firma Völkl. Inzwischen heißt es Racetiger. 2007 gewann die österreichische Skirennläuferin Nicole Hosp den Gesamtweltcup mit einem Racetiger. Seit den 70er Jahren hat sich im Skisport viel getan: Inzwischen sind nicht nur Carvingski und Snowboards populär geworden. Die gesamte Industrie hat sich gewandelt. Die Produktionsstätten für Skier liegen heute im Osten – oft sehr weit im Osten.

Rund zwei Drittel aller in dieser Saison in Europa verkauften Skier kommen aus Werken in Osteuropa oder China, schätzt der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie, Adalbert von der Osten. In Deutschland gibt es sogar nur noch ein einziges Werk. Geschäftsführer von Völkl im niederbayerischen Straubing ist Christoph Bronder. „Es läuft“, sagt der 48-jährige Manager.

Auch das ist eine Neuigkeit. Denn vor wenigen Jahren noch stand auch Völkl vor der Abwanderung nach China. Heute werden dort zwar Kinderski und Einsteigermodelle für die 1923 gegründete Traditionsfirma produziert. Vier Fünftel der Bretter stammen aber aus der modernsten Skifabrik der Welt, wie Bronder das Stammwerk in Straubing stolz bezeichnet. Rund 400 000 Paar Ski habe Völkl im Vorjahr produziert und damit seinen Weltmarktanteil um einen Prozentpunkt auf nun 13 Prozent ausgebaut. Das sei Rang vier hinter Atomic, Rossignol und Head. Es soll noch besser werden. „Wir sind in Richtung Nummer drei unterwegs“, sagt Bronder.

Zu Umsatz und Gewinnen nennt das Unternehmen keine Zahlen. Völkl ist mittlerweile eine Tochter des US-Konsumgüterkonzerns Jarden mit 5,5 Milliarden Dollar Umsatz. Weniger als ein Zehntel ihres Geschäfts machen die Amerikaner mit Wintersport und zu diesem Segment zählt auch noch die Völkl-Schwesterfirma K2. Aber die Eigner seien zufrieden mit dem, was Völkl an Profit abliefert, umschreibt Bronder die komfortable Lage.

Ermöglicht hat sie vor allem auch die rund 400 Personen zählende heimische Belegschaft. Sie verzichtet seit Jahren auf einen Teil ihres Lohns. Statt tariflich 38 Stunden pro Woche, arbeiten die Beschäftigten 39,5 Stunden. Die IG Metall ist zwar der Meinung, dass sich Völkl mittlerweile eine Rückkehr zu tariflichen Verhältnissen leisten könnte. Die Belegschaft hat sich aber soeben noch einmal für drei Jahre zum Verzicht bereit erklärt. Er habe deshalb Produktionsmengen aus China nach Deutschland zurückholen können und Kurzarbeit gebe es auch nicht, sagt Bronder. Über das zurücktransferierte Volumen aber schweigt er.

Darüber, Produktion wieder nach Europa zu verlagern, denken aber auch andere in der Branche nach, sagt Verbandsmanager von der Osten. Das liegt an den Wetterkapriolen, die sich im Zuge des Klimawandels immer mehr verstärken dürften. Weil der Winter 2006/2007 klimatisch so gut wie ausgefallen ist, grassiert in der ganzen Branche mittlerweile eine tiefe Verunsicherung und die Händler bestellen nur noch zögerlich. Schneit dann unverhofft ein guter Winter ins Haus, wie in diesem Jahr, sind die Händler dann schnell ausverkauft. Wer dann nachbestellen will, bekommt die Ware wegen der langen Lieferwege aus Fernost dann oft nicht mehr rechtzeitig ins Geschäft. Wer dagegen wie Völkl noch vor Ort produziert, kann flexibel reagieren und rasch liefern.

Das sei derzeit schon ein Vorteil, sagt Bronder. Sorgen macht ihm aber ein vom Wetter und Produktionsort ganz unabhängiger Trend. Denn immer weniger Skifahrer kaufen eine eigene Ausrüstung. Sie leihen sich Ski und Stöcke vielmehr am Urlaubsort aus. Weit mehr als vier Millionen Paar Ski seien vor drei Jahren weltweit noch verkauft worden. In dieser an sich guten Saison kalkuliert die Branche nur noch mit drei Millionen, also einem Viertel weniger. „Die Branche ist noch nicht gesund“, sagt Bronder mit Blick auf Konkurrenten wie Head, Salomon oder Elan. Aber Völkl werfe auch kein schlechter Winter mehr um.

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