Sky weiter in Not : TV-Fußball: Aufregung vor dem Saisonstart

Kurz vor Beginn der neuen Fußball-Bundesligasaison werden die Geldsorgen des Abosenders Sky offenbar. Mancheiner denkt deshalb schon über Alternativen nach.

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Anpfiff. Ab Freitag gibt es wieder Bundesliga live bei Sky.
Anpfiff. Ab Freitag gibt es wieder Bundesliga live bei Sky.Foto: dpa

Berlin - Während sich die Fans auf den Beginn der Fußballbundesliga am Freitag freuen, machen sich die Vereine Sorgen ums Geld. Denn der Abosender Sky, der für die Fernsehrechte rund 250 Millionen Euro pro Saison bezahlt und damit eine wichtige Einnahmequelle für die Liga ist, kommt aus den roten Zahlen nicht heraus. Einige Manager spekulierten am Wochenende bereits darüber, dass man die Liga besser vermarkten müsse und dabei auch ohne Sky auskommen könne. Doch die Deutsche Fußball Liga (DFL) selbst gibt sich gelassen – und will am bisherigen Partner festhalten. Sky habe bis jetzt alle seine finanziellen Verpflichtungen erfüllt, sagte ein Sprecher. Es gebe keinen Grund, daran zu zweifeln, dass das auch in der Zukunft der Fall sein werde.

Der Medienunternehmer Rupert Murdoch, Hauptaktionär von Sky, will dem Abosender noch einmal 340 Millionen Euro zufließen lassen. Für ihn sei Deutschland nach wie vor ein interessanter Markt, sagt er. Allerdings ist es auch ein sehr schwieriger. Auf gerade einmal 2,5 Millionen Abonnenten kommt Sky. Die Deutsche Telekom, die ebenfalls ein eigenes Fernsehabo vermarktet, hat 1,3 Millionen Abonnenten. Gerade einmal 100 000 von ihnen haben das Fußballangebot „Liga total!“ gebucht. Für die kompletten Fernseh- und Internetrechte an den Spielen der Fußballbundesliga kassiert die DFL mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die TV-Rechte der englischen Premiere League bringen den Vereinen etwa eine Milliarde Euro.

„Deutschland hat einen komplett anderen Fernsehmarkt als der Rest der Welt“, sagte Thomas Fuggenthaler von der Unternehmensberatung Ernst & Young. Das liege an der starken Stellung der öffentlich-rechtlichen Sender und an der Politik. Die sei vielfach der Meinung, Spitzenfußball sei eine Art öffentliches Gut, zu dem alle Zugang haben müssten. „Das ist eine Besonderheit“, sagt Fuggenthaler. Daher geht er nicht davon aus, dass die DFL mit einem anderen Partner große Sprünge bei den Abonnentenzahlen und damit bei den Einnahmen machen würde.

So sieht das auch Hartmut Zastrow, Vorstand bei der Sponsoringberatung Sport + Markt. „Es liegt nicht daran, dass es andere Sender besser machen würden als Sky“, sagt Zastrow. „Es ist den deutschen Fernsehzuschauern einfach nur sehr schwer zu vermitteln, dass sie für exklusive Inhalte Geld bezahlen sollen.“ Zastrow ist überzeugt, dass die Liga, die bereits heute über ihre Tochter Sportcast die Fernsehbilder für Sky und andere Fernsehanstalten produziert, auch selbst einen Sender betreiben könnte. „Sicher könnte die DFL das allein stemmen“, sagt der Experte. Allerdings sei es riskant, und es gebe international kein nachhaltiges Vorbild dafür.

Dass die Vereine ein eigenes Bundesliga-Fernsehen auf die Beine stellen, sieht jedenfalls der VfL Wolfsburg als einen möglichen Plan B, falls Sky als Partner ausfallen sollte. „Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten“, forderte VfL-Geschäftsführer Thomas Röttgermann am Wochenende im „Handelsblatt“. VfL-Sprecher Gerd Voss betonte jedoch am Montag, dass man ein großes Interesse daran habe, die Zusammenarbeit mit Sky fortzusetzen, die für die Vereine bisher gut gelaufen sei. Auch andere Bundesligavereine wollen Sky noch nicht aufgeben. „Es gibt kurzfristig keinen Handlungsbedarf“, sagte Rolf Dittrich, Sprecher des FC Schalke 04. Und Tino Polster, Sprecher von Werder Bremen, meinte, Werder sei daran gelegen, dass es Sky gut gehe. vis/rtr

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