Smart-City Berlin : Senatorin Yzer reist in die Zukunft

Cornelia Yzer sucht die intelligente Stadt – mitten in Berlin. Hier entwickeln Forscher Hightech für morgen.

Franziska Klauke
Für den Durchblick. Cornelia Yzer geht mit 3-D-Brille auf virtuelle Erfahrungstour.
Für den Durchblick. Cornelia Yzer geht mit 3-D-Brille auf virtuelle Erfahrungstour.Foto: dpa

Der Bus, in dem Cornelia Yzer (CDU) am Mittwoch durch Berlin fährt, muss an roten Ampeln halten. Das findet die Wirtschaftssenatorin eigentlich ganz passend, denn rote Ampeln müssen nicht sein. Zumindest nicht in einer schlauen Stadt, in der es fast nur grüne Ampeln gibt, über die Autos ohne Fahrer sausen und in der es keine Staus gibt. Eine solche Stadt wird Berlin eines Tages werden, hofft die Politikern. Weil das auf Englisch noch besser klingt, hat Yzer, 52, am Mittwoch zu einer „Smart-City-Tour“ geladen. Es geht um Hightech aus der Hauptstadt, die die Luft sauberer, das Leben einfacher und sicherer macht. Dass zugleich gerade Wahlkampf ist, stört Yzer dabei natürlich nicht.

An der Vision arbeiten vier Fraunhofer Institute mit, die Yzers Bus an diesem Tag ansteuert. In Sachen Smart City seien sie die „Leuchttürme der Forschungslandschaft Berlins“, schwärmt sie. „Hier suchen wir nach Lösungen für die Zukunft im urbanen Raum.“ Die Institute sehen sich als Brücke zwischen Forschung und Industrie. Viele Mitarbeiter haben Lehrstühle an Universitäten, die Studenten wiederum arbeiten in den Instituten.

Forscher entwickeln fahrerlose Autos

Sie zerbrechen sich zum Beispiel den Kopf darüber, wie Städte mit den steigenden Einwohnerzahlen umgehen sollen. „Bereits heute lebt die Hälfte der Menschen in Städten,“ sagt Alexander Kurz, Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft, „diese Menschen brauchen technische Sicherheit, Energieeffizienz und Mobilität.“ Auch Berlin wächst, wenngleich nicht so rasch wie Tokio oder Rio de Janeiro. Das bedeutet mehr Verkehr, mehr Müll, es braucht Wohnraum, Jobs, Kliniken. „Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind Stadtwachstum und nachhaltige Entwicklung“, sagt Radu Popescu-Zeletin, Leiter des Fraunhofer Instituts für offene Kommunikationssyteme, kurz Fokus.

Es ist das erste Institut an diesem Tag. Die Forscher entwickeln fahrerlose Autos, die auch miteinander kommunizieren können. Sie warnen einander, wenn das Ende eines Staus hinter einer Kurve liegt. Viele Lösungen gibt es bereits, die Technik ist aber oft nicht nicht zugelassen. Denn es geht um Sicherheit. So ähnlich wie bei der nächsten Demonstration, bei der ein heftiges Unwetter über Berlin aufzieht – und die Technik mit einer zentralen Steuerung dafür sorgt, dass die Bevölkerung gewarnt wird und Helfer zu ihren Einsatzorten geschickt werden. Oder beim Gesundheitskonzept „Meine Reha“, bei dem Therapeuthen ihren Patienten online Pläne für ihre Übungen schicken, die diese zu Hause vorm Fernseher machen können. Sensoren überprüfen dabei den Genesungsforschritt.

Getestet werden Produkte, die es noch gar nicht gibt

Weiter geht es, die Senatorin mahnt zur Eile. Schließlich gilt es auch, Berlin mit einem Fortschritts-Image zu versehen, die Stadt will nicht nur die Party-Destination für Touristen sein. Im Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut für Nachrichtentechnik geht es darum, Daten mit Lichtsignalen über handelsübliche LED-Leuchten zu übertragen. Die Lichtwellen einer Straßenlaterne, hoffen die Forscher, sollen demnächst genügen, um im Internet surfen zu können – W-Lan wird überflüssig.

Yzer staunt. Wie auch im Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK), der nächsten Station. Hier streift sie in einem Kasten aus Licht, Cave genannt, eine 3-D-Brille über und sieht plötzlich sehr futuristisch aus. In ihrem Blickfeld erscheint ein virtuelles Pedelec, eine Mischung aus Fahrrad und Auto. „Das sieht wirklich aus, als könne man sich daraufsetzen“, ruft sie.

Im IPK werden Produkte getestet, die es noch gar nicht gibt. Denn die Produktlebenszyklen werden immer kürzer, in immer rascherer Folge kommt Neues auf den Markt. Dank nur noch virtueller Modelle werden Prototypen überflüssig. Es gibt auch Dinge zum Anfassen: Produktionsroboter, die genauer als ein Mensch bohren, schleifen oder fräsen.

Die letzte Station auf Yzers Zukunftstour führt ins Fraunhofer Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM). Hier arbeiten die Wissenschaftler daran, Elektronik zu verkleinern. Auf der Fahrt zum IZM zeigen sie das erste Handy, einen riesigen Kasten, fast ein Kilo schwer. Im IZM entwickeln sie Elektronik, die in eine Schuhsohle passt und Fehlstellungen des Fußes findet. Oder Kameras für die innere Medizin, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. „Die kleinste Struktur in der Elektronik ist so groß wie ein 3000stel von Ihrem Haar,“ sagt IZM-Chef Klaus-Dieter Jung. Deshalb muss sich Cornelia Yzer bei der Besichtigung auch einen grünen Kittel anziehen und eine Haube aufsetzen. In Zukunft, wenn es die Smart City gibt, wird das wohl nicht mehr nötig sein.

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