Wirtschaft : Smart fordert die Großen heraus

Kleinwagen finden in den USA reißenden Absatz – hohe Spritpreise und Klimaschutz machen es möglich

Matthias B. Krause

New York - Vereinzelt sieht man ihn schon, vor allem in den größten Küstenstädten wie New York und Los Angeles. Da steht der Smart dann im Schatten seiner zu groß geratenen Kollegen wie ein kleines Spielzeugauto und zieht alle Blicke auf sich. Nach den Plänen der Daimler AG soll der Kleine nun auch im Land der Pickup-Laster ganz groß rauskommen. Am heutigen Sonntag wird er auf der Automesse „Detroit Motor Show“ groß präsentiert. 30 000 Vorbestellungen liegen nach Angaben des US-Importeurs Penske bereits vor, mehr als die für den US-Markt bislang eingeplanten Produktionskapazitäten hergeben. Die hohen Benzinpreise und das dank Ex-Vizepräsident Al Gore frisch sensibilisierte Umweltgewissen lässt viele Amerikaner derzeit darüber nachdenken, ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht.

Im abgelaufenen Jahr waren die so genannten „Subcompact“-Autos vom Schlage eines Toyota „Yaris“, Honda „Fit“ oder Kia „Spectra“ das am schnellsten wachsende Segment im US-Automarkt. Von Januar bis November 2007 schnellten die Verkäufe in dieser Wagenklasse um 21,8 Prozent nach oben, insgesamt wurden nach Angaben des Branchendienstes Autodata Corp. 322 699 solcher Neuwagen verkauft. Die nur wenig größeren Autos der „Compact“-Kategorie, wie etwa ein Honda „Accord“, gingen dagegen deutlich schlechter weg. Ihr Umsatz schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr um 3,3 Prozent auf 1,64 Millionen.

Während sich vor allem bei den Händlern amerikanischer Hersteller im Augenblick eine Halbjahresproduktion von Pickup-Lastern stapelt, reißen die Leute den Händlern die Kleinwagen förmlich aus den Händen. Der Honda „Fit“ steht durchschnittlich gerade einmal 22 Tage im Schaufenster, der „Versa“ 69 Tage. Der Hersteller könnte spielend mehr von seinen Bestsellern in den USA verkaufen, doch der Nachschub lässt zu Wünschen übrig. „Die Produktionskapazitäten in Japan sind für uns der limitierende Faktor“, sagt Honda USA-Sprecher David Iida. Von solchen Zuständen können die drei großen US-Hersteller nur träumen. Chrysler und Ford sind in dem Segment der Subcompacts bislang überhaupt nicht vertreten. Sie sehen keine Möglichkeit, ein Auto in dieser Klasse in den USA profitabel zu produzieren. General Motors bietet lediglich den Chevrolet „Aveo“ seiner südkoreanischen Tochter Daewoo an.

Während Toyota und Honda davon ausgehen, dass sie trotz der US-Immobilienkrise, den höchsten Benzinkosten seit den 70er Jahren und schwindendem Vertrauen der Konsumenten auch 2008 ihren US-Umsatz geringfügig steigern, rechnet die amerikanische Konkurrenz mit weiteren Verlusten. Die meisten Prognosen besagen, dass in diesem Jahr in den USA insgesamt zwischen 15,5 Millionen und 15,9 Millionen Neufahrzeuge verkauft werden, das wären die schlechtesten Umsätze der Autoindustrie seit 1998. Besonders stark betroffen von dem Rückgang sind die Kleinlaster. Der Ford F-150, ein Pickup-Truck verteidigt bislang seinen Rang als Amerikas meistverkauftes Fahrzeug mit knapp einer Million Stück jährlich.

In diesem Umfeld buhlen der Smart und die anderen Kleinautos um dieselbe Kundschaft. Das ist zum einen die städtische Elite, die sich einen Vorteil im täglichen Kampf um die Parkplätze erhofft und nicht mehr Transportkapazität als die für einen Bierkasten braucht. Zum anderen zielen sie schon wegen ihres verhältnismäßig niedrigen Einstiegspreises auf die Erstkäufer. Schließlich ist da noch die breite Schicht der Baby-Boomer, die auf ein großes Auto verzichten kann, weil ihre Kinder inzwischen flügge sind. Oder sie leisten sich einen Smart als Zweit- oder gar Drittwagen für die schnelle Spritztour zwischendurch.

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