Smart : Von Elefanten und Verlusten

Henrik Mortsiefer gratuliert Daimler zu zehn Jahren Smart.

Henrik Mortsiefer

Daimler-Aktionäre hatten nicht immer so starke Nerven, wenn in der Vergangenheit vom Smart die Rede war. „Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn erfinden“, rief Daimler-Chef Dieter Zetsche im April auf der Hauptversammlung in Berlin – und kein Protest erhob sich. Stattdessen Beifall. 2008, zehn Jahre nach seiner Markteinführung, ist der Kleine angekommen in den Herzen und Garagen der Verbraucher. Spritpreisen und Klimadebatte sei Dank. Hinter ihm liegt ein Weg voller Schlaglöcher, Umwege und Unfälle.

Davon freilich wollte am Mittwoch im Produktionswerk im französischen Hambach niemand etwas wissen. Zetsche war angereist, um das millionste Modell vom Band abzuholen. Mit einem lässigen Hüftschwung entstieg er außerdem einem neuen Prototypen der geplanten Elektroversion. Ab Ende 2009 soll der Smart Fortwo „mit Lithium-Ionen-Batterie in Kleinserie“ produziert werden. An diesem Freitag wird sich die Zukunft schon mal anfassen lassen. In Berlin startet Daimler mit RWE das Großprojekt „e-mobility“. Viel Beifall gab es für den elektrifizierten Smart in Hambach. Natürlich. Denn von Elektroautos können Automobilisten derzeit nicht genug kriegen.

Dass ausgerechnet Mercedes in Sachen Klimaschutz groß rauskommt, darauf hätte in den 90er Jahren niemand gewettet. Der Smart war bestenfalls eine Lachnummer. Ferdinand Piëch bezeichnete das Auto als „Elefantenrollschuh“. Und tatsächlich schien die Vision des Smart-Erfinders Nicolas Hayek ein Hirngespinst auf vier Rädern zu bleiben. Entnervt gab Hayek schon 1998 auf, weil Daimler auf Benzin- statt Stromantrieb setzte. Es folgten viele Jahre, in denen Daimler verlässlich seine Absatzziele nach unten korrigierte. Ein Viersitzer und ein Roadster kamen auf den Markt – und verschwanden. Der Sparkurs führte erst 2007 zum Ziel: schwarze Zahlen. Dieses Jahr sollen 130 000 Smarts verkauft werden. Die Amis sind ganz verrückt danach. Daimler kann endlich Gas geben. Geschätzte acht Milliarden Euro hat der Konzern inklusive Anlaufkosten für den Smart in den Straßengraben gefahren. Herzlichen Glückwunsch!

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