Wirtschaft : Smartes Banking

Die Berliner Volksbank stellt ab Oktober ihr Online-Banking um. Die Kunden müssen das bezahlen

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Sicherheit kostet Geld. Die Banken wollen, dass auch die Kunden zahlen. Foto: p-a/gms
Sicherheit kostet Geld. Die Banken wollen, dass auch die Kunden zahlen. Foto: p-a/gmsFoto: picture-alliance/ gms

Berlin - Online Banking ist einfach, bequem und günstig. Bis jetzt. Doch bei der Berliner Volksbank und einigen anderen Banken wird es in Zukunft teurer werden. Ab dem 12. Oktober 2011 wird die Berliner Volksbank ein neues Sicherheitsverfahren für Überweisungen einführen. Für das notwendige Lesegerät muss der Kunde zahlen. Verbraucherschützer sehen das kritisch.

Bisher konnten die Kunden zwischen zwei Verfahren wählen: dem i-Tan und dem Mobile-Tan-Verfahren. I-Tans, das waren Listen mit den Transaktionsnummern, wobei man für jede Transaktion eine Nummer nutzen musste. Die Liste erhielt der Kunde von seiner Bank per Post. Dieses Verfahren war kostenlos. Doch das Verfahren sei nicht sicher genug, meint die Berliner Volksbank. Sie setzt auf das Rechensystem der Fiducia IT AG. Volksbanken, die von diesem IT-Dienstleister betreut werden, müssen bis Ende des Jahres von i- auf die so genannte Smart-Tan umstellen. Rund 700 von 1138 Volksbanken sind davon betroffen.

Bei der Berliner Volksbank wird es ab dem 12. Oktober demnach nur noch das Smart-Tan- und das Mobile-Tan-Verfahren geben. Beides sind Zwei-Schritt- Tan-Verfahren. Beim Mobile-Tan-Verfahren wird die Transaktionsnummer via SMS aufs Handy geschickt, das kostet den Kunden der Berliner Volksbank neun Cent. Für das Smart-Tan-Verfahren braucht der Kunde hingegen ein spezielles Lesegerät. Zwei Modelle bietet das Institut an, eines für einmalig 9,90 Euro, das andere für zehn Euro. Eine kostenlose Alternative gibt es nicht: Denn nur fünf Papierüberweisungen pro Monat sind kostenfrei, jede weitere kostet 1,50 Euro extra.

Dass die Kunden das versprochene Mehr an Sicherheit bezahlen sollen, sorgt bei vielen für Unmut. „Sicherheit geht vor“, heißt es von Seiten der Berliner Volksbank. „Die Kosten, die für uns entstehen, geben wir an die Kunden weiter.“ Einziges Entgegenkommen: Das Lesegerät kann der Kunde seit neuestem in einer der Filialen abholen, dort können Kunden dann auf einen Rabatt von ein bis zwei Euro hoffen.

„Einerseits ist es zumindest ein Versuch, die Sicherheit zu erhöhen“, sagt Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin. „Andererseits ist es ärgerlich, weil die Kunden auf den Kosten sitzen bleiben." Dazu komme, dass auch das Smart-Tan-Verfahren keine hundertprozentige Sicherheit garantieren könne.

Direktbanken wie Norisbank, DKB oder IngDiba sehen das ähnlich: Sie halten es nicht für notwendig, auf das Smart-Tan-Verfahren umzustellen. Das sei noch nicht vorgesehen, sagt ein Sprecher der Norisbank. „Wir werden bei i-Tan und Mobile-Tan bleiben.“ Kunden der IngDiba können via i-Tan oder Mobile-Tan überweisen. Die Bank hält beides für sichere Verfahren. Auch die DKB plane in den nächsten Monaten keine Umstellung auf das neue Smart-Tan-Verfahren, sagt eine Sprecherin der Bank. Die Targo-Bank bietet ausschließlich das i-Tan-Verfahren an, mit einer Einschränkung: Für Beträge von mehr als 1000 Euro und alle Auslandsüberweisungen kann die i-Tan-Liste nicht eingesetzt werden.

Auch die Kunden der Berliner Sparkasse werden ab dem 16. Januar 2012 nur noch per Mobile-Tan- oder SmartTan-Verfahren Geld überweisen können, das SMS-Verfahren ist allerdings kostenlos. Für das Lesegerät muss der Kunde auch hier bezahlen: zwölf Euro plus 3,90 Euro Versand, eine Abholung in einer der Filialen ist nicht möglich. Wer für sein Girokonto zwei Euro monatlich zahlt, muss pro Papierüberweisung 1,90 Euro bezahlen. Kunden, die ihre Überweisung lieber auf Papier tätigen, sollten das Girokonto Comfort in Anspruch nehmen. Das kostet vier Euro pro Monat, ab einer Papierüberweisung monatlich lohnt sich also die Comfort-Variante.

Es gibt auch Banken, die zwar auf das Smart-Tan-Verfahren umstellen, dem Kunden jedoch nicht den vollen Preis für das Gerät berechnen – die Vereinigte Genossenschafts- und Raiffeisenbank Westpfalz zum Beispiel. Sie stellt ihren Kunden nur fünf Euro in Rechnung. „Die Kunden können ja nichts dafür, also versuchen wir, ihnen entgegenzukommen“, sagt ein Sprecher. Acht Euro brutto soll das Lesegerät in der Anschaffung kosten, dazu kommen die Versandgebühren. „Wir bleiben auf 3,50 Euro pro Gerät sitzen.“

Der technische Standard geht zu i-, Mobile- und Smart-Tan-Verfahren. Der Kunde muss selbst entscheiden, ob er sich ein entsprechendes Lesegerät anschaffen möchte oder nicht. Wie viel er für so ein Gerät bezahlen muss, ist Sache des jeweiligen Kreditinstituts. Peter Lischke von der Verbraucherzentrale Berlin rät: „Die Kunden sollten prüfen und vergleichen – und gegebenenfalls die Bank wechseln.“

Egal, welches Tan-Verfahren man künftig verwendet: Die Geheimnummern für das Online-Banking im Netz muss man weiterhin sorgfältig hüten.

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