Smartphones : Nicht alle können Alleskönner

Das Internet wird mobil. Apple hat den Mark gründlich aufgemischt. Smartphones treiben die Entwicklung an. Heute zählt vor allem die richtige Software.

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Das Begehrte: Das iPhone von Apple ist ein echtes Kultobjekt.
Das Begehrte: Das iPhone von Apple ist ein echtes Kultobjekt.Foto: dpa

Es ist ein wahrer Alleskönner. Mit ihm kann man ein virtuelles Bierchen trinken, die Gitarre stimmen, navigieren oder jetzt auch den Luftdruck der Autoreifen messen. Wer will, kann mit seinem Smartphone nicht nur E-Mails bearbeiten, sondern es auch als Wasserwaage oder Laserschwert einsetzen. Seit die Handynetze immer leistungsfähiger werden, Mobiltelefone moderne Betriebssysteme und einen Zugang zum Internet haben, wächst die Zahl der Zusatzprogramme ständig. Apple hat den Markt bereitet – mit seinem iPhone und der Idee, eine Plattform zu schaffen, auf der Entwickler weltweit neue Anwendungen basteln können. Jetzt wächst er rasant. „Der Markt für Smartphones steht kurz davor, zum Massenmarkt zu werden“, sagt Technologie-Analyst Uwe Neumann von Credit Suisse. „Wir gehen davon aus, dass bereits 2013 die Hälfte aller verkauften Mobiltelefone Smartphones sein werden.“

Das Smartphone ist im Prinzip ein kleiner mobiler Computer, mit dem man telefonieren und im Internet surfen kann. Über viele Jahre hinweg war Nokia der unangefochtene Marktführer bei Mobiltelefonen. Das Handyherstellen beherrschen die Finnen. Doch Nokias Softwareplattform Symbian hinkt hinterher. „Die Software ist komplizierter“, sagt Neumann von Credit Suisse. „Deshalb fällt es Ingenieuren schwerer, neue Programme zu entwickeln.“ Die Attraktivität eines Smartphones hängt jedoch maßgeblich vom jeweiligen Funktionsumfang ab und davon, wie einfach es zu bedienen ist. Das beeinflusst den Preis, den ein Hersteller verlangen kann. „Der Erfolgsfaktor für die Zukunft ist aber eher die Software-Plattform als die Hardware“, sagt Dieter Gerdemann von der Beratungsfirma A. T. Kearney. Und Neumann meint: „Das iPhone ist der Gold-Standard, daran müssen sich alle anderen orientieren.“

Nicht nur Nokia hat seit dem kometenhaften Aufstieg Apples im Smartphone- Markt Anteile abgeben müssen. So erging es auch Herstellern wie Samsung, Sony-Ericsson oder Motorola. Zugleich ist Apple nicht der einzige Seiteneinsteiger. Der Internetkonzern Google hat erfolgreich das offene Betriebssystem Android initiiert. Weil jeder Hersteller Android einsetzen kann, wächst die Zahl der Geräte und Anwendungen schnell. „An Android hängen alle Verlierer dran“, sagt Neumann. Das sind die, die selbst keine eigene erfolgreiche Plattform haben.

Anders als im Computermarkt, wo im wesentlichen die beiden Betriebssysteme von Microsoft und Apple den Markt beherrschen, sieht Neumann im Mobilfunk Platz für mehr Anbieter. „Der mobile Internetzugangsmarkt ist bei Weitem größer als der mit dem PC über das Festnetz“, sagt der Analyst. Weltweit seien derzeit etwa 1,3 Milliarden Computer in Betrieb, in den Mobilfunknetzen gebe es aber 3,5 Milliarden Geräte. „Ich denke, dass der Markt langfristig groß genug ist für vier Betriebssysteme.“ Derzeit gebe es noch mehr als zehn. Nokia arbeitet gerade mit dem Chiphersteller Intel an einem zweiten Betriebssystem Meego. Auch Research in Motion oder Samsung haben eigene Plattformen. „Große Software-Entwickler unterstützen mit ihren Programmen maximal fünf verschiedene Software-Plattformen, kleinere Entwickler noch weniger. Deshalb wird sich die Plattformvielfalt über kurz oder lang auf wenige verschiedene reduzieren“, sagt auch A. T. Kearney-Berater Gerdemann. Seiner Meinung ist es noch lange nicht ausgemacht, ob geschlossene Plattformen wie die des iPhone oder offene Systeme wie Googles Android das Rennen machen werden. Bei geschlossenen Plattformen können außenstehende Entwickler lediglich Anwendungen bauen, aber nicht die Plattform an sich mitentwickeln. Der Vorteil hingegen ist, dass Software und Hardware optimal aufeinander abgestimmt sind.

Offene Systeme wie Android haben den Vorteil, dass viele die Entwicklung gemeinsam vorantreiben – Netzbetreiber, Hersteller und Anwendungsentwickler. „Es entsteht eine ganz andere Preisdynamik“, sagt Neumann von Credit Suisse. „So kann man Handys mit den gleichen Funktionen herstellen, wie sie das wesentlich teurere iPhone hat.“ Der Hersteller HTC aus Taiwan, reiner Hardware- Produzent, profitiert enorm davon. Gerade stellte auch der Computerbauer Dell ein neues Smartphone vor. Das auf Android basierende Aero wird in den USA 300 Dollar kosten und damit nur halb so teuer sein wie das iPhone. Doch Nokia dürfe man nicht abschreiben, sagt Neumann. Als weltgrößter Handyhersteller habe das Unternehmen große Verhandlungsmacht – und eine gut gefüllte Kasse.

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