Wirtschaft : Smax: Hier kann der Anleger das finden, was er sucht

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Die kleinen Aktienwerte führten lange Zeit vergessen ein Schattendasein. Nach dem jähen Ende der Euphorie für so genannte Wachstumstitel etwa des Neuen Marktes erinnern sich Anleger nun daran, dass es noch etwas anderes gibt: ein relativ stabiles Börsensegment mit zahlreichen kleineren, soliden Firmen, den Smax. Die Substanztitel, die in diesem Index enthalten sind, versprechen den Investoren mitunter ordentliche Dividenden, auf die Anleger in Zeiten stark schwankender Börsenkurse wieder achten. Im Smax fänden Anleger genau die Dinge vor, die ihnen am Neuen Markt fehlten, erläutert Karl Fickel, Fondsmanager und Partner der neuen Fondsgesellschaft Lupus Alpha: Etablierte Firmen, deren Geschäftskonzept sich seit Jahren bewährt habe und Unternehmen, die Prognosen abgäben und diese auch einhielten.

Nur führende Unternehmen interessant

Nach den bitteren Börsenerfahrungen des vergangenen Jahres erwartet Fickel, dass auch Analysten und professionelle Anleger die kleinen Titel stärker beobachten und dann rationaler bewerten. Langfristig kann sich Fickel sogar vorstellen, dass die Smax-Titel den Dax schlagen. "Zehn bis 14 Prozent Kurssteigerung gegenüber acht bis elf Prozent bei Standardaktien sind pro Jahr drin", schätzt er. Der Grund: Die stark konjunkturabhängigen Unternehmen könnten sich wegen ihrer schlanken Struktur flexibler auf neue Rahmenbedingungen einstellen als die großen Konzernen.

Wenn die Konjunktur anziehe, dürften Anleger wieder in Dax-Werte investieren, erwartet dagegen Jürgen Graf, Analyst von der Landesbank Baden-Württemberg. Der Smax ziehe höchstens nach. Auch Frank Hansen, Fondsmanager des Deutschen Investment Trust (DIT), kann sich vorstellen, dass kleineren Werte wieder größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Allerdings dürften es weniger als die Hälfte der 124 im Smax gelisteten Firmen schaffen, langfristig Kursphantasie aufzubauen, sagt er. Nur solche Unternehmen, die eine führende Marktstellung in einer wachstumsstarken Nische haben, seien attraktiv.

Das Manko bei den Smax-Titeln ist, dass sie relativ klein sind: Alle Unternehmen zusammen weisen nur eine Marktkapitalisierung von rund 19 Milliarden Euro (rund 37,16 Milliarden Mark) auf. Bei einem durchschnittlichen Streubesitz von 30 Prozent ergibt sich nur eine freie Marktkapitalisierung von etwa 6,3 Milliarden Euro. Das mache bei der gesamten Kapitalisierung aller in Deutschland gehandelten Aktien gerade mal einen Anteil von weniger als einem Prozent aus, hat Jochen Mathée von Invesco Asset Management errechnet.

Nur fünf Prozent des deutschen Handelsvolumens entfallen auf den M-Dax, der die 70 stärksten Nebenwerte repräsentiert. Beim Smax sind es gerade einmal 0,4 Prozent. Diese Marktenge berge aber die Gefahr, dass ein Investor nicht immer dann zu einem bestimmten Kurs kaufen oder verkaufen kann, wann er will, warnen die Fachleute.

Aus diesen Gründen nehmen die Fondsmanager von Union Investment weiterhin eine vorsichtige Haltung gegenüber Smax-Werten ein. "Es gibt dort gute Werte", meint Sprecher Rolf Drees. "Aber es könnte ein Problem geben, Titel, die heute attraktiv erscheinen, morgen wieder zu verkaufen". Gerade große Fonds müssten auf Liquidität achten.

Michael Foeller, Händler bei Concord-Effekten, weist in diesem Zusammenhang auf eine weitere Gefahr hin. "Zwar sind die Titel im Smax vom Kurs-Gewinn-Verhältnis her günstiger bewertet als die Papiere im Dax. Dennoch darf es nicht zur Mode werden, zuviel Geld in dieses Segment zu stecken - sonst tappen wir in die gleiche Falle wie im Neuen Markt", warnt er. Schon leicht steigende Umsätze bei den marktengen Titeln führten zu größeren Kursausschlägen als bei marktbreiteren und häufiger gehandelten Werten. "Steigen die Smax-Werte zu stark, kommt es zur Überbewertung. Und das kann uns dann in ein bis zwei Jahren wieder richtig Geld kosten". Damit es beim Smax nicht zu einem zweiten Hype à la Neuer Markt und einem anschließenden Platzen der Blase kommt, sollten die Anleger besonders behutsam agieren, sind sich die Experten einig.

Fickel ist daher mit seinen Smax-Fonds breit aufgestellt und hält gegenwärtig etwa 70 Aktien im Portfolio. Ihm gefallen etwa Titel aus Branchen wie Automatisierung oder Digitalisierung. Als Beispiel für solide, wendige Firmen nennt er König & Bauer oder Böwe Systec.

Beimischung zu den Standardaktien

Auch ein Konglomerat wie Pfleiderer überzeuge durch seine Marktposition bei Bau- und Dämmstoffen und seine Sendeanlagen für die Telekommunikation. Ferner gebe es neuere Firmen mit Wachstumspotenzial wie Masterflex oder P.A. Power. Wieder andere Unternehmen hätten ihre Investor-Relations-Politik verbessert, was den Kursen helfen dürfte. Zu den Top-Picks des DIT zählen unter anderem der Zulieferer für Dieselmotoren, Beru, der eine starke Marktstellung vorweise. Auch die Venture-Capital-Firma TFG verfüge über stille Reserven, da sie diverse Börsenkandidaten zu Buchwerten in ihrer Bilanz habe.

Einig sind sich die Experten, dass Smax-Titel keine Alternative zu Standardaktien bieten. Wie andere spezielle Investments sollten Anleger Smax-Titel höchstens ihrem Depot beimischen. Sinnvoll sei ein Anteil von bis zu 15 Prozent der Aktienquote.

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