Wirtschaft : So bewerten Analysten BMW, DaimlerChrysler, Volkswagen und Porsche

Birga Böcker

Übernahmen, Kooperationen, Kostenreduzierungen - der Automarkt gerät in Bewegung. Die Analysten der Bankhäuser werten die Strategien der Fahrzeugkonzerne jedoch unterschiedlich.

Grundsätzlich wird die vereinbarte Beteiligung von DaimlerChrysler am viertgrößten Autohersteller Japans, Mitsubishi Motors, durchweg positiv gewertet. Allerdings reicht diese Strategie vielen Wertpapierexperten noch nicht für eine bessere Bewertung aus. BHF-Bank-Spezialist Erik Burgold etwa sieht die Aussichten für DaimlerChrysler neutral. Die Einigung mit Mitsubishi werde sich kurzfristig noch nicht positiv auswirken. Auf lange Sicht, etwa ab dem Jahr 2002, werde sich die Initiative auf dem asiatischen Markt jedoch lohnen. Burgolds Kollegin Alice Kytka von der DG-Bank rät Anlegern sogar, die angeschlagene Aktie des deutsch-amerikanischen Autokonzerns zu verkaufen. Sie hält keine großen Ertragssteigerungen für möglich. Trotz des Konjunkturhochs in den USA habe Chrysler dort im vergangenen Jahr nicht so gut abgeschnitten. Stattdessen habe der Konzern den Kunden hohe Preisnachlässe zugestanden, was die Gewinne drücke. Christian Breitsprecher, Autoanalyst der Deutschen Bank, lobt den Einstieg ins Japan-Geschäft, "allerdings sind die Investitionen in Mitsubishi im Verhältnis zum Gesamtwert des Unternehmens zu gering", kritisiert er.

Die Einschätzung der Wertpapierexperten zu BMW gehen weit auseinander. Das Ende der finanziellen Verluste durch das Rover-Geschäft wird begrüßt. Deutsche-Bank-Spezialist Breitsprecher glaubt nun an eine durchschnittliche Marktentwicklung bei BMW. Vor dem Rover-Verkauf hatte er das Unternehmen als unterdurchschnittlich bewertet. Christine Berg von der DG-Bank empfielt, BMW-Aktien zu kaufen, da der Konzern im Luxuswagenbereich hohe Gewinne erziele. Außerdem sieht sie Chancen für das Unternehmen, wenn BMW in Zukunft selbst Kleinwagen produziert. Die geplante eigene Produktion von Kleinwagen ist dagegen für Albrecht Denninghoff, Auto-Analyst der Bankgesellschaft Berlin, kein Pluspunkt für die Bayern. Diese neue Strategie sei "völlig unglaubwürdig". Er glaube nicht, dass sich BMW auf dem Markt für kleinere Fahrzeuge durchsetzen könne.

Volkswagen ist nach Ansicht der WGZ-Bank im Vergleich zum Dax jetzt wieder ein durchschnittlicher Wert. Die Situation des Autoherstellers stelle sich dank der Bemühungen zur internen Kostensenkung und geringerer Verluste in Südamerika besser dar als erwartet. Außerdem werde die Steuerquote voraussichtlich niedriger ausfallen als bisher. Auch Christian Breitsprecher prognostiziert für VW eine durchschnittliche Marktentwicklung. Der Preis, den VW für seinen Einstieg bei dem schwedischen Fahrzeugbauer Scania gezahlt hat, sei sehr hoch gewesen. Das schmälere den Gewinn der Aktionäre. Mit einer Kapitalerhöhung von VW rechnet er jedoch nicht. "Eine Kapitalerhöhung wäre nötig, wenn VW mehr als 40 Prozent der Scania-Anteile übernehmen wollte", sagt er. Denn dann müssten die Wolfsburger nach schwedischem Recht ein Angebot zur Übernahme Scanias machen. Damit sei jedoch nicht zu rechnen. DG-Bank-Analystin Alice Kytka rechnet in den kommenden zwei Jahren zwar mit weniger Verlusten und geringeren Steuerzahlungen. "Das ist aber kein operativer Fortschritt", relativiert sie die Aussichten. Der Preisdruck in Westeuropa werde sich noch verstärken. Auch die Beteiligung an Scania beurteilt sie eher skeptisch.

Porsche steht in der Gunst der Analysten ganz oben. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler rät seinen Anlegern zum Kauf: "Porsche ist derzeit der rentabelste Autohersteller der Welt", sagt Pieper. "Vor allem bietet der Wert noch Fantasien durch den neuen 911 Turbo und den neuen Geländewagen, die bald auf den Markt kommen werden." Auch Albrecht Denninghoff von der Bankgesellschaft bezeichnet Porsche als sehr attraktiven Wert. Obwohl die Ergebnisse sich in der Vergangenheit stark verbessert hätten, sei nun jedoch mit sinkenden Gewinnen zu rechnen, denn bei Porsche stünden jetzt hohe Investitionen an. Erst ab dem Jahr 2003 kann laut Denninghoff deshalb wieder mit hohem Wachstum bei den Stuttgartern gerechnet werden.

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