Wirtschaft : So finden Sie das „richtige“ Krankenhaus

Cornelia Bürger

Wenn der Blinddarm zwackt, das Herz flattert, die Wunde klafft, haben Patienten nur selten die Möglichkeit, sich das Krankenhaus auszuwählen: Bei akuten Eingriffen ist vor allem Eile geboten. Anders sieht es aus, wenn es sich um eine planbare Operation handelt. Dann bleibt Patienten genügend Zeit, sich ein Krankenhaus auszusuchen, das ihren Bedürfnissen und Wünschen am ehesten entspricht. Wir helfen bei der Suche:

JEDER HAT EIN WAHLRECHT

Freie Krankenhauswahl ist längst nicht mehr nur das Privileg privat versicherter Patienten. Paragraf 73 Absatz 4 Sozialgesetzbuch (SGB) V regelt diese Möglichkeit auch für gesetzlich Versicherte : So soll der behandelnde und überweisende Arzt auf die Einweisung in das Krankenhaus mindestens zwei für den Eingriff geeignete Krankenhäuser schreiben. Doch der Patient kann auch eine ganz andere Klinik wählen, sogar in einer anderen Stadt. Ist das Krankenhaus bereit, ihn aufzunehmen, muss er auch keinen Antrag bei seiner Krankenkasse stellen. Zwar könnte ihm die Kasse später eventuelle Mehrkosten ganz oder teilweise in Rechnung stellen (Paragraf 39 Absatz 2 SGB V). In der Praxis kommt dies aber kaum noch vor.

Der Grund ist das seit Anfang 2004 geltende Fallpauschalengesetz. Krankenhäuser rechnen ihre Leistungen nicht mehr danach ab, wie viele Tage der Patient dort gelegen hat. Maßstab sind vielmehr Fallgruppen, die so genannten DRG (Diagnosis Related Groups). In einem Katalog mit insgesamt 878 Abrechnungspositionen ( Fallgruppen ) ist der „Preis“ für eine Hüftoperation ebenso klar bestimmt wie der für eine bestimmte Herzoperation. Preisunterschiede zwischen Krankenhäusern und eventuelle Mehrkosten für Patienten gibt es also nicht mehr.

DAS SOLLTEN SIE BEACHTEN

Wer sich nicht in das nächste verfügbare Krankenhaus einweisen lassen will, muss selbst aktiv werden und sich überlegen, was ihm wichtig ist. Wichtige Kriterien sind dabei zunächst die Nähe zum Wohnort , die Größe der Klinik (je größer, desto anonymer), der Träger (staatlich, kirchlich oder privat) oder die räumliche Ausstattung . All das können Patienten durch gezielte Suche oder einen Besuch in verschiedenen Einrichtungen relativ leicht in Erfahrung bringen. Dort können sie sich auch gleich einen Eindruck über die Atmosphäre verschaffen: Wie man mit ihnen spricht, Fragen beantwortet oder Informationen weitergibt.

Schwieriger ist die fachliche Einschätzung . Denn je seltener und spezifischer der Eingriff, desto wichtiger ist die Kompetenz und die Ausrichtung des Krankenhauses. Ein wichtiger Ansprechpartner ist deshalb der behandelnde Arzt . Er weiß, welche Kliniken worauf spezialisiert sind, kennt den Ruf der Krankenhäuser aus dem Kontakt mit anderen Patienten und kann gezielt empfehlen.

Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis sollte man ebenfalls nicht unterschätzen. Hinweise von Freunden oder Verwandten auf ein „gutes Krankenhaus“ sind Informationen aus Patientensicht. Sie können im Gespräch mit dem überweisenden Arzt nachgeprüft werden.

HILFE IM INTERNET

Seit dem 1. August ist auch die gezielte Suche nach Krankenhäusern über das Internet möglich. Eine spezielle Suchmaschine auf einer gemeinsamen Homepage (www.g-qb.de) bieten der Verband der privaten Krankenversicherung und die Kassenverbände – mit Ausnahme des AOK Bundesverbandes, der mit der Klinik-Kette Helios ein eigenes Projekt verfolgt und eine Qualitäts-Rangliste von Krankenhäusern plant.

Hintergrund: Die über 2000 Kliniken in Deutschland sind im Rahmen der DRG zum strengen Qualitätsmanagement verpflichtet. Um bestimmte Operationen anbieten zu dürfen, müssen Krankenhäuser Mindestmengen nachweisen. Außerdem müssen sie alle zwei Jahre Qualitätsberichte frei zugänglich im Internet veröffentlichen.

Interessierte können deshalb nun gezielt die Informationen eines Hauses abrufen oder per Stichwort wie „Hüftoperation“ die Kliniken herausfiltern, die solche Eingriffe oft vornehmen. So erhalten sie Angaben über die Größe der Abteilungen, die Zahl der Operationen und die zehn am häufigsten erbrachten Leistungen als wichtige Orientierungshilfen .

Mehr als 90 Qualitätsberichte von Kliniken gibt es bereits auf der Homepage der Kassen. Es werden noch mehr: Bis Ende August müssen alle Kliniken ihre Daten veröffentlichen.

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