Wirtschaft : So finden Sie den Richtigen

Anwälte gibt es wie Sand am Meer. Das Angebot reicht von hochkarätigen Experten bis hin zu Telefon-Hotlines

Fritz Niemann

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) will das Rechtsberatungsgesetz lockern (siehe unten) . Dennoch bleibt der Anwalt auch künftig der wichtigste Ansprechpartner für Menschen, die Hilfe in Rechtsfragen brauchen. Aber wie findet man den richtigen?

Bekannte fragen. „Zunächst sollte man eine Umfrage im Bekannten- und Verwandtenkreis machen, ob jemand gute Erfahrungen mit einem bestimmten Anwalt gemacht hat“, sagt Stephan Göcken, Geschäftsführer der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK).

Gelbe Seiten lesen. Hilft das nicht weiter, kann man auch in die Gelben Seiten schauen. Zwar umfasst die Rubrik „Rechtsberatung“ in Berlin fast hundert Seiten, aber jeder Anwalt darf bis zu fünf Schwerpunkte seiner Arbeit herausstellen. Hier gibt es drei Varianten: Ein Interessenschwerpunkt bedeutet nur, dass der Rechtsanwalt sich für ein Rechtsgebiet interessiert, sagt aber nichts über seine Kompetenz. Gibt ein Rechtsanwalt dagegen einen Tätigkeitsschwerpunkt an, so muss er zwei Jahre lang in diesem Bereich intensiv tätig gewesen sein. Die Steigerung ist der Fachanwalt: Er muss Lehrgänge besucht, eine bestimmte Zahl von Fällen bearbeitet sowie Prüfungen abgelegt haben. Der Titel kann nur in bestimmten Rechtsgebieten erworben werden: im Arbeits-, Familien-, Sozial, Steuer-, Straf-, Verwaltungs- und Insolvenzrecht sowie im Versicherungsrecht. „Ist jemand Fachanwalt auf einem Rechtsgebiet, kann man sicher sein, kompetent beraten zu werden“, sagt Göcken von der BRAK.

Gewerkschaften fragen. Suchen Sie einen Arbeitsrechtsspezialisten, ist es sinnvoll, sich an die Gewerkschaften zu wenden – diese haben Listen mit empfehlenswerten Anwälten parat. Auch die meisten regionalen Rechtsanwaltskammern führen Listen. Suchen kann man aber auch über das Internet und per Telefon: Die größte Informationsstelle ist die Anwaltsauskunft des Deutschen Anwaltvereins (DAV): Im Internet unter www.anwaltauskunft.de sind alle rund 60000 Mitglieder des Berufsverbands zu finden. Unter der Telefonnummer 01805/181805 steht der Dienst für 12 Cent pro Minute auch telefonisch zur Verfügung. Als seriös gilt auch der Anwaltssuchservice des juristischen Fachverlags Dr. Otto Schmidt – im Internet unter www.anwalt-suchservice.de zu finden. Telefonisch können sich Ratsuchende unter der Rufnummer 01805/254555 für 12 Cent pro Minute drei Rechtsexperten für ihr Rechtsproblem nennen lassen. Insgesamt besteht Zugriff auf 8000 Adressen.

Suchdienste können Ihnen zwar Auskunft über Qualifikationen geben, aber ebenso wichtig wie die juristische Kompetenz eines Anwalts sind seine menschlichen Eigenschaften: „Die Chemie muss stimmen“, sagt Ulrich Schellenberg, Vorsitzender des Berliner Anwaltsvereins (BAV). Nimmt der Anwalt sich ausreichend Zeit für Sie oder wickelt er die Angelegenheit routinemäßig ab?

Gespräch vereinbaren. Hat ein Ratsuchender einen Anwalt ausgewählt, sollte er deshalb einen Termin für ein Erstgespräch ausmachen: „Der Kunde sollte sich ein Bild von Anwalt und Kanzlei machen“, rät Schellenberg. Das Erstgespräch kostet Geld – bis zu 190 Euro. Allerdings sieht Göcken bei den Preisen grundsätzlich Verhandlungsspielraum. „Man kann verhandeln“, sagt er, „die Kunden sollten den internen Wettbewerb der Rechtsanwälte ausnützen.“

Preislich gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Kanzleien: neben dem Einzelanwalt, der auf vielen Rechtsgebieten weiterhilft und die preiswerteste Alternative darstellt, größeren Kanzleien, die sich auf die Betreuung mittlerer Unternehmen spezialisiert haben, drängen auch die nach US-Vorbild organisierten Law Firms auf den deutschen Markt.

Law Firms. Eine Law Firm ist eine internationale Sozietät mit mehreren Standorten, die üblicherweise vor allem große Firmen betreut. „Für den Bürger mit einem normalen Rechtsproblem ist eine Law Firm sicher nicht geeignet“, sagt Göcken. Die Gebühren sind hoch, und für den „kleinen Mandanten“ ist eine kleinere Kanzlei meist die bessere Wahl.

Kanzleiketten. Der Markt der Rechtsberatung ist kräftig in Bewegung: Seitdem auch Rechtsanwälte Werbung machen dürfen, versuchen sich Kanzleiketten wie die Dortmunder Firma Juraxx auf dem Markt zu etablieren: Das Unternehmen wirbt mit Niedrigpreisen ab 20 Euro für rechtlichen Rat in ihren bislang zehn Filialen – eine davon am Berliner Wittenbergplatz - und sieht sich dafür Anfeindungen ausgesetzt: von einer Aldisierung der Rechtsberatung oder juristischem Junk-Food ist die Rede. Zu Unrecht, wie Lutz Wilde von der Zeitschrift „Finanztest“ der Stiftung Warentest meint: „Die Rechtsberatung bei Juraxx ist so gut oder schlecht wie anderswo auch“. Vorreiterin war die Müller-Dieckert GmbH, die Rechtsberatung in Einkaufspassagen und Warenhäusern anbot, so etwa bei Karstadt am Berliner Hermannplatz. Abgerechnet wurde im Minutentakt (pro Minute ein Euro). Das Konzept ging jedoch nicht auf – der Betrieb musste eingestellt werden.

Hotlines. Zahllose Möglichkeiten gibt es, sich telefonisch gegen Gebühr anwaltlichen Rat zu holen. „Für leichte Fälle kann das eine Alternative sein“, sagt Wilde. Dennoch sieht er diese Angebote skeptisch. Nicht jeder Fall sei für eine Beratung am Telefon geeignet, und bei einer falschen Beratung gebe es keine Geld-zurück-Garantie. Zudem seien die Hotlines in vielen Fällen sogar teurer als ein persönliches Erstberatungsgespräch bei einem Rechtsanwalt.

Die Rechtsanwaltskammer Berlin bietet unter 030/30693119 einen Anwaltssuchservice an. Anwaltshotlines: unter anderem Infogenie-Hotline, 0190/73240, 1,86 Euro/ Min., Telerechtsanwalt: 0190/808808801 und Teleanwalt: 01908/144012

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