Wirtschaft : So findet man den Richtigen

Welche Fondsgesellschaften die Profis empfehlen / Ausländer liegen auf den Spitzenplätzen

Veronika Czisi

RICHTIG ANLEGEN: WER HAT DIE BESTEN INVESTMENTFONDS?

Die Terroranschläge in der vergangenen Woche haben die Börsen erschüttert, und sie haben gezeigt, wie nervös die Märkte sind. Kleinanleger, die auf die falschen Aktien gesetzt hatten, haben wieder einmal Geld verloren. Nach der vorübergehenden Erholung der letzten Monate tauchen plötzlich wieder Ängste vor dem Absturz auf. Experten raten ohnehin, das Kapital in Fonds zu investieren und damit das Risiko zu streuen. Aber welchen Fonds soll man kaufen?

Unter 8196 Produkten kann man derzeit wählen. Mit großen Unterschieden: Hat ein Anleger am 28. Februar 1999 beispielsweise 10 000 Euro in einen Fonds für deutsche Aktien gesteckt, konnte er fünf Jahre später, am 29. Februar 2004, eine Rendite von 229 Prozent einstreichen, wenn er den Select Invest der Deutsche- Bank-Tochter DWS gewählt hatte. Kärgliche 47 Prozent binnen zehn Jahren lieferte dagegen der Deutschland-Fonds aus dem Hause Gerling Investment ab. Zwischen gut und schlecht klaffen bei allen Fondsarten, ob Aktien-, Renten-, Misch- oder Immobilienfonds, Welten.

Doch wie findet man die Siegertypen? Eine Orientierungshilfe bietet die renommierte Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P), die gerade zusammen mit dem Magazin „DM-Euro“ zum zehnten Mal die besten Fondsgesellschaften und fähigsten Fondsmanager prämiert hat („DM-Euro“ 03/2004). Auch die Stiftung Warentest prüft in ihrer Zeitschrift „Finanztest“ regelmäßig, welche Fonds ihr Geld wirklich wert sind.

99 Siegerfonds haben die Fondsprüfer von S&P diesmal herausgefiltert. Maßstab war nicht nur die nackte Wertentwicklung, die vor allem auf Ein-Jahres-Sicht abbildet, wie gut die Fondsmanager das anvertraute Geld durch das schwierige Börsenjahr 2003 manövriert haben. Eingeflossen in die Bewertung sind zudem erstmals qualitative Kriterien wie die Erfahrung des Fondsmanagers oder die Leistungsstärke seines Teams. „Damit stellen wir sicher, dass gute Leistungen wiederholbar sind“, sagt S&P-Geschäftsführer Matthias Rothe. Und: Alle S & P-Sieger haben den Index geschlagen, an dem sie sich messen – die Benchmark.

In der Kategorie „Deutsche Aktien“ war das der Fonds „DWS Aktien Strategie“, der 2003 mit einem Plus von 51,27 Prozent den Dax (plus 37 Prozent) klar abgehängt hat. Sogar über 60 Prozent hat der beste, weltweit anlegende Fonds erwirtschaftet, der WM Aktien Global von Universal Investment. Insgesamt, so hat S&P festgestellt, scheitern mehr als zwei Drittel aller Fondsmanager bereits an der Benchmark - ein Risiko, das sich am einfachsten durch die Auswahl eines Indexprodukts ausschalten lässt. Diese sind mittlerweile für fast jeden Index erhältlich, kostengünstig und teilweise direkt an der Börse zu kaufen („Exchange Traded Funds“) .

Je länger der Zeitraum, desto größer sind die Unterschiede zwischen guten und schlechten Fonds: So hat der Fonds „Vermögensbildung I“, das DWS-Flaggschiff und Zehn-Jahres-Sieger in der weltweiten Anlage, 206 Prozent abgeworfen, während andere sogar in die roten Zahlen gerutscht sind. Gerade längerfristig orientierte Anleger sollten daher beim Kauf auf eine über Jahre zufriedenstellende Wertentwicklung achten und weniger auf kurzfristige Ausschläge, meint Roland Aulitzky von „Finanztest“.

Außerdem lohne es sich, auch einen Blick auf ausländische Anbieter zu werfen, empfiehlt die Stiftung Warentest. Anleger neigen jedoch zur Markentreue. Sie kaufen am liebsten alles aus einer Hand, statt sich die Top-Fonds verschiedener Fondsgesellschaften herauszupicken. Wer hier zum S& P-Sieger bei den Fondsgesellschaften greift, der DWS, hat jedoch vor allem bei Fonds mit amerikanischem und europäischem Anlagehorizont nur unterdurchschnittliche Wertzuwächse erzielt. Anlegern, die sicher gehen wollen, innerhalb der ganzen Fondspalette keine Niete zu erwischen, empfiehlt „Finanztest“ die britische Fondsgesellschaft Threadneedle oder den US-Anbieter Templeton, die bei überschaubarem Angebot durchweg gute bis sehr gute Erfolge erzielen konnten („Finanztest“ 03/2004).

Ein guter Fonds ist auch ein günstiger Fonds. Denn hohe Ausgabeaufschläge beim Kauf, Managementkosten und Depotgebühren nagen kräftig an den Renditen. Nach Finanztest-Recherchen haben ausländische Anbieter hier erneut die Nase vorn. Während sich sämtliche deutsche Fondsgesellschaften die Depotführung teuer bezahlen lassen, gibt es das Depot unter anderem bei Threadneedle, Templeton, Merrill Lynch, Pioneer, Morgan Stanley, Baring oder Carlson komplett gratis. Auch der Fondswechsel innerhalb der Fondsgesellschaft ist bei der ausländischen Konkurrenz günstiger.

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