Wirtschaft : So läuft es rund im Büro

Mit den Kollegen verbringt man oft mehr Zeit als mit der Familie. Grund genug, sich um ein gutes Klima am Arbeitsplatz zu bemühen. Oft reicht es, ein paar einfache Etikette-Regeln einzuhalten

Marc Herwig

Es gibt so manche Fallgrube zwischen Büroküche, Konferenzraum und Feierabend-Kneipe: Ein allzu tiefes Dekolleté, Lästern über Kollegen oder voreiliges Duzen sind perfekte Mittel, um im Betrieb einen zweifelhaften Ruf zu bekommen.

Wer in netter Atmosphäre arbeiten will, sollte deshalb auf die Umgangsformen im Job achten. Die wichtigsten Regeln im Überblick:

IM TEAM SPIELEN

„Ganz wichtig ist, dass man Solidarität mit seinen Kollegen zeigt“, rät Susanne Helbach-Grosser, Trainerin für Business-Etikette in Schwäbisch-Gmünd. „Man darf niemanden ins offene Messer laufen lassen, sondern muss einen Kollegen warnen, wenn man weiß, dass ihm ein unangenehmes Gespräch mit dem Chef bevorsteht.“

Auch bei Klatsch und Tratsch ist Zurückhaltung angesagt. „Ich bin immer ganz hellhörig, wenn sich jemand über die Schwächen anderer lustig macht. Dann denke ich: Das erzählt der über mich genauso“, sagt Helbach-Grosser.

FENSTER AUF ODER ZU

Ein klassischer Konflikt. Den Männern ist es zu heiß, den Frauen zu kalt. „Wenn ein Kollege einfach das Fenster aufreißt oder die Klimaanlage kälter stellt, gibt es oft Krach“, hat Helbach-Grosser beobachtet. Eine einfache Lösung gibt es für dieses Problem nicht: „Man muss darüber miteinander reden. Anders geht's nicht“, sagt die Expertin.

VERBINDLICH SEIN

„Die meisten Menschen reagieren sehr verärgert, wenn man ihre Zeit verschwendet“, sagt Helbach-Grosser. Wer merkt, dass er sein Arbeitspensum nicht schafft, sollte frühzeitig um Hilfe bitten oder auch mal „Nein“ sagen, wenn er noch mehr Arbeit übernehmen soll. „Wenn man Grenzen setzt, wird man für die Kollegen besser einschätzbar.“ Allerdings gilt auch: Wer ständig über Stress jammert, der fällt den Kollegen damit schnell auf die Nerven.

ESSEN AM ARBEITSPLATZ

Nebenbei einen Apfel am Schreibtisch zu essen, sei völlig in Ordnung, findet Agnes Jarosch vom Deutschen Knigge-Rat in Bonn. „Aber wenn ich am Schreibtisch ein dampfendes Schnitzel auspacke und sich die Gerüche im ganzen Büro verbreiten, dann ist das für alle anderen unangenehm.“ Mit solchen Speisen sollte man besser in einen Aufenthaltsraum gehen. Oder man verbringt die Mittagspause draußen – das ist ohnehin gesünder.

DAS DU ANBIETEN

Oft druckst man rum, wenn man nicht so recht weiß, ob man sein Gegenüber duzen oder siezen soll. Im Privatleben bietet immer der Ältere dem Jüngeren das Du an - im Büro gibt es eigene Regeln. „Der Rang toppt Alter und Geschlecht“, erklärt Helbach-Grosser. Auch wenn der Chef jünger ist, darf nur er das Du anbieten. Bei Kollegen auf der gleichen Hierarchiestufe ist entscheidend, wer schon länger im Betrieb arbeitet.

BÜRO-MODE FÜR HERREN

Männer haben es im Büro einfacher als Frauen, erklärt Farb- und Stilberaterin Renate Sperber aus Leinburg bei Nürnberg. In vielen Branchen müsse es nicht immer der Business-Anzug sein. „Wichtig ist, dass es gepflegt aussieht. Ein Polo-Shirt wirkt durch den Kragen gleich ganz anders als ein einfaches T-Shirt.“ Gerade in Kreativ-Branchen sei auch ein Hauch Extravaganz erlaubt. „Aber wer einfach ein zerknittertes T-Shirt anzieht, signalisiert den Kollegen und dem Chef: Es ist mir egal, wie ich auf euch wirke. Das ist wenig wertschätzend.“

BÜRO-MODE FÜR DAMEN

„Damen sollten sich unbedingt an den Business-Kodex halten“, rät Sperber. „Wenn sich eine Frau zu sexy kleidet, entsteht schnell der Eindruck, dass sie vor allem mit körperlichen Vorzügen die Karriereleiter erklimmen will.“ Zwar dürfe eine Frau heute auch mal knallige Farben tragen. „Aber der Trend geht in die adrette Richtung. Man sollte sich öfters auch mal einfarbig anziehen.“ Eines dürfe dabei nie fehlen, mahnt die Stilberaterin: „Unbedingt ein dezentes Make-up auflegen! Sonst hat man leicht einen zu legeren Touch.“

WENN DAS HANDY KLINGELT

Solang nicht ständig private Gespräche im Büro geführt werden, gebe es meist keine Probleme, sagt Helbach-Grosser. Aber gerade beim Klingelton sollte man aufpassen – und sich besser für eine wenig Aufmerksamkeit erregende als für eine auffällige Version entscheiden: „Lass mich Deinen Klingelton hören, und ich sage dir, wer Du bist. Das Quäken eines Babys oder Vogelgezwitscher wirken als Klingelton einfach unprofessionell“, warnt die Expertin.

LADIES FIRST

„Gewisse Kavaliersgesten kommen nach wie vor sehr gut an. Und auch die Damen dürfen höflich sein“, sagt Knigge-Expertin Jarosch. Wenn ein männlicher Kollege gerade einen riesigen Aktenstapel trägt, sollte ihm die Kollegin in jedem Fall die Tür aufhalten. dpa

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