Wirtschaft : So schafft die Allianz kein Vertrauen

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Von Heike Jahberg

Er ist nicht zu beneiden, der designierte Allianz-Chef Michael Diekmann. Ende April übernimmt der neue Mann den Vorstandsvorsitz von Henning Schulte-Noelle – und eine Menge Probleme dazu. Allen voran das Sorgenkind Dresdner Bank, das der Mutter im vergangenen Jahr knapp 1,4 Milliarden Euro Miese einbrockte. Hinzu kommt der Kollaps der Finanzmärkte. Über fünf Milliarden Euro musste Europas größter Versicherer für Kursverluste in seiner Bilanz abschreiben. Das zehrt. Kein Wunder, dass die Allianz frisches Kapital braucht. Zudem sitzen dem Allfinanzkonzern die Rating-Agenturen im Nacken. Die hatten damit gedroht, die Allianz herabzustufen, falls sich der Konzern nicht schnell neues Kapital besorgt.

Das soll jetzt geschehen. Mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung und einer zusätzlichen Anleihe will sich die Allianz fünf Milliarden Euro verschaffen. Doch so lange die strukturellen Probleme nicht gelöst sind, könnte diese Maßnahme schnell verpuffen. Über zwei Milliarden Euro Risikovorsorge hat die Dresdner Bank für faule Firmenkredite und wackelige Lateinamerika-Geschäfte bilden müssen. Noch ein weiteres Bankenjahr wie dieses, und ein erheblicher Teil der Kapitalerhöhung wäre vernichtet.

Leidtragende sind die Aktionäre. Sie haben bereits einen tiefen Kurssturz hinnehmen müssen. Jetzt dürfte es weiter bergab gehen, denn die Kapitalerhöhung verwässert den Kurs. Dabei hätte es Alternativen gegeben, etwa den Verkauf der Beiersdorf-Beteiligung. Stattdessen werfen die Münchener Manager lieber neue, eigene Aktien auf den Markt. Vertrauen schafft das nicht.

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