Wirtschaft : "So tut doch etwas!"

Unvorstellbar, was für ein Blutbad und welche Zerstörung Hurrikan "Mitch" in Mittelamerika angerichtet hat.Nach Schätzungen sind rund 10 000 Menschen gestorben, mehr als 13 000 werden noch immer vermißt.Die Überlebenden stehen vor dem Nichts.Viele Farmer haben ihre Tiere verloren und damit eine wichtige Einkommens- und Stabilitätsquelle; sauberes Wasser und Nahrung sind rar.

Überall auf der Welt kommen Menschen in Naturkatastrophen ums Leben.Doch sind die zahlreichen Opfer des Hurrikans größtenteils auf die extreme Armut zurückzuführen, die eigentlich im heutigen Amerika unvorstellbar ist.In den USA fallen nicht Tausende von Menschen Wirbelstürmen und Überschwemmungen zum Opfer wie in den Entwicklungsländern Nicaragua oder Honduras, weil man sich dort dank vorhandener Infrastruktur davor schützen kann.Warum Ende des 20.Jahrhunderts noch immer so viele Länder der amerikanischen Hemisphäre Naturkatastrophen so hilflos ausgesetzt sind, ist nicht zu verstehen.Der Durchschnittsbürger, der die Verwüstungen im Fernsehen mit ansieht, ruft instinktiv aus: "So tut doch etwas!" Im Laufe der vergangenen Jahre wurde vom Ausland bereits einiges unternommen, um die Armut in diesen Ländern zu lindern.Offensichtlich haben diese Maßnahmen aber ihre Wirkungen verfehlt.Darüber hinaus können sich verantwortungslose Politiker solcher Problemregionen aus der Pflicht stehlen - dank der Hilfsaktionen aus dem Ausland, auch wenn dies unbeabsichtigt ist.Die Folge: Die Armut bleibt weiterhin bestehen.

Wenn die USA, Großbritannien, Frankreich und andere reiche Länder es ernst meinten, dann nähmen sie den Wirbelsturm Mitch als Anlaß, ihre bisherigen Hilfsprogramme für Mittelamerika zu überdenken.Als Reaktion auf Mitch den betroffenen Staaten ihre Schulden zu erlassen, schafft diesen zwar unmittelbar Erleichterung.Es erhöht aber nicht die Einkommen der Menschen, die sich auf unseren Bildschirmen im Schlamm winden und gegen den Ruin kämpfen, und beschützt sie auch nicht vor dem nächsten Sturm.

Ein sinnvollerer Schritt wäre, diese Länder in das System des Freihandels einzubinden.Zum Beispiel hat Mittelamerika gefordert, den Mitgliedsländern des Nordamerikanischen Freihandelsabkommen gleichgestellt zu werden.Damit ständen die US-amerikanischen Märkte den mittelamerikanischen Exporten offen, gleichzeitig wären die Länder Mittelamerikas gezwungen, ihren eigenen Protektionismus aufzugeben.Das würde den Ländern wirtschaftliches Wachstum bescheren und sie weniger anfällig machen.

Nicht nur, daß die Länder von dem unbeschränkten Handel mit ihren ausländischen Kunden profitierten.Dies hätte auch positive Auswirkungen auf andere Bereiche.Somit würden endlich die notwendigen Institutionen geschaffen, die erst das Wachstum eines Landes ermöglichen.

Die vom Hurrikan betroffenen Länder erhalten nun finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau.Keine Frage, es werden damit bestimmt eine Vielzahl sinnvoller Projekte durchgeführt.Dennoch, sobald die Bilder von den Verwüstungen in Mittelamerika von den Bildschirmen verschwinden, wird auch das Interesse an den Ländern schwinden.Was aber nicht bedeutet, daß Mittelamerika plötzlich weniger anfällig für Naturkatastrophen wäre.

Nur eine schnelle Integration in die Weltwirtschaft könnte Mittelamerika aus der mißlichen Lage retten.Aber wenn der US-Kongreß und die führenden Institutionen, Kirchen eingeschlossen, nicht bereit sind, die Öffnung der Märkte für die Menschen in diesen Regionen voranzutreiben, dann würden Amerikaner und Europäer besser daran tun, sich an die Abendnachrichten zu gewöhnen, die Mitch den Fernsehzuschauern beschert.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben