So war der Tag : Berlusconi enttäuscht Börse

Das Warten an den Finanzmärkten auf mehr Klarheit über die Zukunft Italiens – und damit auch der Euro-Zone – ging zunächst am Dienstag weiter: Zwar kündigte Ministerpräsident Silvio Berlusconi nach dem Verlust seiner Regierungsmehrheit im Parlament seinen Rücktritt an. Doch hatten einige Anleger sogar schon auf eine sofortige Ablösung des umstrittenen Regierungschefs gewettet. Somit gab der Dax nach der Abstimmung in Rom seine Gewinne weitgehend ab und ging mit einem relativ mageren Plus von 0,6 Prozent auf 5961 Punkten aus dem Handel. Auch in Mailand grenzte der Leitindex seine Gewinne auf noch 0,7 Prozent ein. Zuvor hatten beide Indizes je rund drei Prozent im Plus notiert.

„Bei dieser hohen Abhängigkeit der Börsen von politischen Nachrichten ist die Meldung, dass Berlusconi nicht zurücktritt, einfach nur negativ für die Märkte“, fasst ein Börsianer zusammen. Das wachsende Misstrauen in die Regierung Berlusconi ließ sich auch an den weiter steigenden Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen ablesen, die bei 6,7 Prozent und damit so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr notierten. Die Zitterpartie um eine neue Regierung in Athen wurde dagegen kaum beachtet. „Das hat der Markt im Moment ad acta gelegt, Rom ist wichtiger als Athen“, sagte ein Händler.

Neben dem politischen Tauziehen in Europa galt es für die Anleger, eine Vielzahl von Quartalsberichten zu bewerten. So lenkten etwa die Zahlen der Munich Re, der Aareal Bank und der Comdirect Bank den Fokus auf die Finanzbranche. Die Aktien des Rückversicherers Munich Re sanken um 0,6 Prozent. Der Konzern hatte die Gewinnerwartungen verfehlt. Entgegengesetzt das Bild bei der Aareal Bank: Die Papiere des Immobilienfinanzierers verteuerten sich nach etwas besser als erwartet ausgefallenen Zahlen an der M-Dax-Spitze um 11,8 Prozent. Auch der Immobilienkonzern Gagfah konnte seinen Gewinn im dritten Quartal stärker als von Analysten erwartet steigern. Dies bescherte den Papieren ein Plus von 1,2 Prozent.

Zu den Verlierern im M-Dax gehörten die Aktien von Heidelberger Druck. Nach vierjähriger Verlustserie und massivem Stellenabbau droht beim weltgrößten Druckmaschinenbauer der nächste Kahlschlag. Das Unternehmen mit noch knapp 16 000 Mitarbeitern soll erneut nach Einsparmöglichkeiten durchsucht werden. „Wir schließen nichts aus“, sagte Vorstandschef Bernhard Schreier, der seit 2008 bereits jede fünfte Stelle gestrichen hat.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,59 (Vortag: 1,55) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,18 Prozent auf 131,17 Punkte. Der Bund Future aber rückte um 0,04 Prozent vor auf 137,96 Punkte. Der Euro stieg: Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3788 (Montag: 1,3742) US-Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7253 (0,7277) Euro. Tsp

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben