So war der Tag : Erholung vom Absturz

Mit Erleichterung haben Europas Aktienanleger auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu den Griechenland-Hilfen und der deutschen Beteiligung am Euro-Rettungsschirm EFSF reagiert. Der Dax stieg um 3,4 Prozent auf 5370 Punkte, nachdem er am Vortag auf dem tiefsten Stand seit Juli 2009 geschlossen hatte. Der M-Dax rückte um 4,2 Prozent auf 8682 Punkte vor, der Tec-Dax gewann drei Prozent auf 712 Punkte.

„Viel verändert hat sich durch das Urteil zwar nicht, aber immerhin ist die Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone zumindest kurzfristig verflogen“, sagte ein Händler. „Vor allem US-Investoren könnten nun zurückkommen, da ein Scheitern der EU-Hilfen bei diesen die größte Sorge war“, sagte ein anderer Börsianer. Andere Analysten zeigten sich skeptisch. Mit dem Urteil sei lediglich das totale Chaos vermieden worden, Anlass zur Euphorie gebe es nicht, fasste ING-Analyst Carsten Brzeski zusammen. „Eine stärkere Mitbestimmung des deutschen Parlaments bei künftigen Rettungspaketen könnte leicht in anderen Euro-Zonen-Ländern Nachahmer finden und damit die Schlagkraft des aufgestockten EFSF und später des ESM unterlaufen“, warnte der Experte. Viele Fragen seien noch offen, hieß es auch bei Devisenexperten.

Unterstützt wurde der Dax auch von dem überraschend deutlichen Anstieg der deutschen Industrieproduktion im Juli um vier Prozent. „Von Rezession und ähnlichem ist weit und breit nichts zu sehen“, erklärten die Analysten der NordLB.

Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank legten um drei bis vier Prozent zu – allerdings ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn beide Werte haben allein an den vergangenen fünf Handelstagen je mehr als 14 Prozent an Wert eingebüßt.

Die am Vortag noch sehr schwachen Infineon-Aktien gehörten mit plus 6,9 Prozent zu den größten Gewinnern. Händler sprachen von großem Erholungspotenzial bei den Aktien des Halbleiterunternehmens, die am Vorabend wegen der Umsatz- und Gewinnwarnung eines US-Wettbewerbers auf ein neues Jahrestief gefallen waren. Ebenfalls gefragt im Zuge der allgemeinen Erholung waren Autowerte. Die Aktien von Daimler und BMW gewannen 5,1 und 4,9 Prozent. Volkswagen-Aktien legten fünf Prozent zu.

Im M-Dax kletterten die Aktien von Klöckner & Co um 6,2 Prozent nach oben, nachdem der Stahlhändler ein Sparpaket beschlossen hat und sich von Geschäftsteilen trennen will.

Am deutschen Rentenmarkt lag die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere unverändert bei 1,72 Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,02 Prozent auf 130,07 Punkte. Der Bund Future verlor 0,33 Prozent auf 138,15 Punkte. Der Kurs des Euro ist gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4036 (Dienstag: 1,4099) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7125 (0,7093) Euro.Tsp

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