So war der Tag : Europa macht die USA nervös

Triste Aussichten für die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft haben den New Yorker Aktienmarkt am Donnerstag auf Talfahrt geschickt – und mit ihm die europäischen Handelsplätze. Der Dow Jones Industrial sackte zeitweise um mehr als 4,3 Prozent auf unter 10 900 Zähler ab. Der Dax verlor zeitweise knapp sieben Prozent. Zum Handelsschluss notierte er noch 5,8 Prozent im Minus bei 5602 Punkten. Der M-Dax verlor 6,1 Prozent auf 8532 Punkte, der Tec-Dax brach um 4,9 Prozent auf 686 Zähler ein.

Neben schwächer als erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten lieferte die US-Bank Morgan Stanley mit ihrer gesenkten Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum einen weiteren Belastungsfaktor. Ein wichtiger Konjunkturindikator – der Philadelphia-Index – brach im August regelrecht ein: Das Geschäftsklima-Barometer sei von plus 3,2 Punkten im Vormonat auf minus 30,7 Punkte gefallen, teilte die regionale Notenbank von Philadelphia mit. Damit stand der sogenannte Philly-Fed-Index auf dem niedrigsten Niveau seit März 2009. Volkswirte hatten hingegen mit plus 2,0 Punkten gerechnet. Ein Wert über null Punkten deutet auf eine Expansion der Wirtschaftsaktivität hin, ein Wert unter Null signalisiert einen Rückgang.

Höhere Energie- und Lebensmittelpreise haben zugleich die Verbraucherpreise in den USA in die Höhe katapultiert. Im Vergleich zum Vormonat stiegen sie im Juli um 0,5 Prozent, teilte das US-Arbeitsministerium am Donnerstag mit. Das ist der stärkste Anstieg seit vier Monaten. Volkswirte hatten lediglich mit einer Zunahme von 0,2 Prozent gerechnet. Im Jahresvergleich legten die Preise um 3,6 Prozent zu.

Der Einbruch der Börsen in Europa steigere die Nervosität der Marktteilnehmer, sagten Marktbeobachter in New York. Als Grund für die Talfahrt in Europa wurde ein Einbruch beim Dax-Future und in der Folge auch bei den europäischen Indizes genannt. Grund für den Sturz sei eine ganze Serie von automatischen Verkäufen zur Begrenzung von Verlusten gewesen, die womöglich durch eine versehentlich zu umfangreiche Verkaufsorder ausgelöst worden seien, hieß es am Markt. Die US-Notenbank Fed ist derweil einem Pressebericht zufolge in Sorge vor einem Überschwappen der Euro-Schuldenkrise auf das amerikanische Bankensystem. Die Zentralbank nehme insbesondere die Ableger europäischer Geldinstitute genauer unter die Lupe, meldete das „Wall Street Journal“.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere deutlich auf 1,93 (Vortag: 2,04) Prozent. Der Rentenindex Rex stieg um 0,64 Prozent auf 129,07 Punkte. Der Bund Future gewann 0,95 Prozent auf 135,19 Punkte.

Der Kurs des Euro sank. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,4369 (Mittwoch: 1,4477) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,6959 (0,6908) Euro. Tsp

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