So war der Tag : Merkel enttäuscht die Börse

Der deutsche Aktienindex Dax ist am Donnerstag als Reaktion auf die unverändert harte Haltung Deutschlands zu Eurobonds ins Minus gerutscht. Kurzzeitig fiel der Dax um mehr als ein Prozent, nachdem er zuvor zeitweise mit fast zwei Prozent im Plus lag. Zuletzt gab er um 0,5 Prozent auf 5428 Punkte nach. Damit verbuchte der Leitindex den neunten Verlusttag in Folge. Der M-Dax gewann hingegen 1,4 Prozent auf 8222 Punkte, der Tec-Dax stieg um 1,7 Prozent auf 647 Punkte.

Aussagen von Bundeskanzlerin Angela Merkel trübten am Nachmittag die Hoffnung auf eine Einführung von Eurobonds, nachdem die Spekulation über die Einführung gemeinsamer europäischer Anleihen zunächst die Kurse beflügelt hatte. „Viele haben die Hoffnung, dass die Eurobonds zur Lösung der Euro-Krise irgendwann kommen – doch sobald Merkel dagegen redet, fallen diese Hoffnungen wieder in sich zusammen“, sagte ein Händler. Auch nach ihrem Treffen mit Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Mario Monti bei dem „Mini-Gipfel“ in Straßburg blieb die Kanzlerin bei ihrem Nein zu Eurobonds. Wegen des Feiertags in den USA seien die Umsätze am Aktienmarkt aber gering, erklärten Händler. Dies habe in der Regel schwankungsanfällige Kurse zur Folge.

Ein überraschend guter Ifo-Geschäftsklimaindex hatte die frühe Erholungstendenz der Börsen am Vormittag verstärkt. Der Anstieg im November kam der Landesbank Hessen-Thüringen zufolge „völlig überraschend“, eine Abschwächung der Wirtschaft im Verlauf des vierten Quartals sei aber dennoch zu erwarten. Bereits zum Handelsstart hatten Börsianer die Spekulation um Eurobonds als positiven Impuls genutzt – die Renditen der Anleihen hochverschuldeter Staaten wie Italien und Spanien fielen. Spitzenwert im Dax waren Commerzbank-Aktien mit plus 4,5 Prozent. Börsianern zufolge werden die Bankaktien, aber auch Versicherer weiterhin vor allem durch die Entwicklung an den Staatsanleihenmärkten der Euro-Zone bewegt. Schwächste Werte waren Fresenius (minus 2,6 Prozent) und Fresenius Medical Care (minus 1,9 Prozent).

Im M-Dax sprangen die Aktien von Heidelberger Druck nach negativen Nachrichten zu Manroland kräftig mit zeitweise mehr als elf Prozent an die Spitze. Händler spekulieren auf eine mögliche Insolvenz des Wettbewerbers. Wenn der Konkurrent aus dem hart umkämpften Markt ausscheiden würde, sagte ein Händler, wäre das wohl positiv für Heideldruck .

Am deutschen Rentenmarkt sprang die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,84 (Vortag: 1,67) Prozent.Der Rentenindex Rex fiel um 0,82 Prozent auf 129,45 Punkte. Der Bund Future verlor 0,47 Prozent auf 135,17 Punkte. Der Euro fiel etwas. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,3373 (1,3387) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7478 (0,7470) Euro. Tsp

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