So war der Tag : Warten auf den Trend

Unerwartet schwache deutsche Konjunkturdaten und Sorgen um einen höheren Kapitalbedarf der europäischen Banken haben den Dax am Dienstag belastet. Der deutsche Leitindex lag zum Handelsschluss 0,6 Prozent im Minus bei 6 117 Zählern. „Am Aktienmarkt macht sich eine gewisse Grundskepsis und Ratlosigkeit breit“, sagte ein Händler. „Viele fragen sich, ob es wirklich eine weitere Erholung gibt oder ob wir in ein düsteres Szenario einer Rezession oder gar Deflation stürzen.“ Auf die Stimmung drückte der unerwartete Auftragseinbruch der deutschen Industrie im Juli. Insbesondere aus dem Ausland kamen weniger Bestellungen an. „Das ist eher ein leichter Dämpfer“, kommentierte HSBC-Trinkaus-Volkswirt Stefan Schilbe. „Er zeigt, dass wir die Dynamik der vergangenen Monate so nicht halten können. Das hängt mit der Konjunkturabkühlung bei wichtigen Handelspartnern zusammen, von den USA bis nach Asien.“

Unter Druck standen insbesondere Bankaktien. Auslöser war laut Händlern die Diskussion der unter dem Schlagwort Basel III diskutierten schärferen Eigenkapitalvorschriften für die Branche. „Die Verunsicherung wegen des neuen Regelwerks ist groß“, sagte ein Händler. Der Baseler Ausschuss berät, wie viel und welche Art von Kapital Banken vorhalten müssen, um Finanzkrisen künftig besser zu überstehen. Der Bundesverband deutscher Banken hatte am Montag gewarnt, dass die zehn größten deutschen Banken wegen der verschärften Regulierung rund 105 Milliarden Euro zusätzliches Kapital bräuchten. „Die Finanzwerte hatten zuletzt einen guten Zwischenspurt, jetzt tauchen viele Fragen wieder auf“, sagte ein Händler. „Wie sieht es wirklich in den Bilanzen aus? Und wie sollen die Banken angesichts der niedrigen Zinsen ihre Gewinnmargen erzielen?“ Im Deutschen Aktienindex gehörten die Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank mit Kursverlusten von 1,7 beziehungsweise 2,1 Prozent zu den größten Verlierern. In Paris verloren die Aktien von Société Générale, in London von Barclays und in Amsterdam von ING ebenfalls.

Spekulationen über eine Senkung der Jahresprognose belasteten Händlern zufolge die Papiere des Salz- und Düngemittelkonzerns K+S. Nachdem das Kasseler Unternehmen seine Prognose bestätigt hatte, grenzten die Titel ihre Verluste allerdings auf ein Minus von zwei Prozent ein. Gegen den Trend notierten am die Aktien des Fresenius-Konzerns an der Dax-Spitze. Sie gewannen leicht um 0,7 Prozent.

Am deutschen Rentenmarkt sank die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,95 (Vortag: 2,00) Prozent. Der Rentenindex Rex sank um 0,20 Prozent auf 128,55 Punkte. Der Bund Future stieg indes um 0,70 Prozent auf 133,09 Punkte. Der Referenzkurs des Euro fiel. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte ihn auf 1,2744 (Montag: 1,2874) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,7847 (0,7768) Euro. Tsp

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