So war der Tag : Weiter abwärts

Belastet von wieder anziehenden Renditen der hochverschuldeten Euro-Staaten haben die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Dienstag ihren Erholungsversuch abgebrochen. Der Dax fiel am Abend mit 1,2 Prozent ins Minus auf 5537 Punkte. Zum Wochenstart hatte der Leitindex bereits 3,35 Prozent verloren. Der M-Dax gab 1,1 Prozent auf 8208 Punkte ab, der Tec-Dax verlor 0,7 Prozent auf 642 Punkte. „Es sieht im Moment so aus, als wäre jedenfalls die Jahresendrally abgesagt – das gibt dieses Jahr nichts mehr“, sagte ein Händler. Der Dax liegt derzeit 19 Prozent niedriger als zum Jahreswechsel.

Die Nervosität bleibt hoch. Aktien drehten nach anfänglichen Gewinnen ins Minus und folgten damit erneut dem Rentenmarkt, an dem die Renditen insbesondere der hochverschuldeten Staaten der Eurozone deutlich anzogen. Von der Bundesregierung war zuvor zu hören, dass sie „keine neue Bazooka in der Tasche“ habe, um die Krise zu lösen. Zudem sollte die Europäische Zentralbank langfristig nicht die Rolle des Feuerwehrmanns in der Eurozone übernehmen, sagte CDU-Finanzexperte Michael Meister. Zu den Kursverlusten trug ein unerwartet schwaches Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal bei. Das Bruttoinlandsprodukt hatte von Juli bis Oktober nach einer zweiten Schätzung nur zwei Prozent zugelegt. In der ersten Schätzung war das Handelsministerium noch von einem annualisierten Plus von 2,5 Prozent ausgegangen.

Aktien der Commerzbank brachen am Dax-Ende nach Spekulationen um einen höheren Kapitalbedarf um 15,1 Prozent ein. Allianz-Papiere rutschten laut Händlern wegen der steigenden Renditen der Anleihen der Piigs-Staaten ebenfalls ins Minus mit 1,7 Prozent. Zuvor hatten sie dank einer Kurszielerhöhung durch Morgan Stanley deutlich zugelegt. Infineon-Aktien setzten ihre Talfahrt im Sog des vorige Woche gegebenen skeptischen Ausblicks fort und verloren 3,9 Prozent. Favorisiert wurden am Dienstag Chemiewerte, was Linde-Titel mit plus 1,2 Prozent auf den dritten Platz im Dax hievte.

Für Aufsehen sorgte zudem der Kurssturz des britisch-deutschen Reiseveranstalters Thomas Cook an der Londoner Börse um mehr als 75 Prozent. Dies zog auch die Papiere der Konkurrenten Tui-Travel und Tui um 9,2 beziehungsweise um 12,7 Prozent in den Keller. Dem Branchendruck konnten sich auch die Aktien der Lufthansa nicht entziehen: Sie verloren 3,1 Prozent. Südzucker-Aktien legten an der M-Dax-Spitze um 8,1 Prozent zu.

Am deutschen Rentenmarkt stieg die durchschnittliche Rendite börsennotierter Bundeswertpapiere auf 1,65 (Vortag: 1,61) Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,09 Prozent auf 130,73 Punkte. Der Bund Future aber stieg um 0,04 Prozent auf 137,20 Punkte. Der Euro gab nach. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 1,3535 (1,3458) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,7388 (0,7431) Euro. Tsp

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