Wirtschaft : Software-Unternehmen: FJA schreibt Programme für die Riester-Rente

Susanne Schmitt

Bundesarbeitsminister Walter Riester bringt nicht nur die Versicherungsgesellschaften auf Trab. Experten brüten über den Policen, mit denen die neue Privatrente vom kommenden Jahr an unters Volk gebracht werden kann. Doch die Software, die bisher für solche Rechenaufgaben eingesetzt wurde, kann die neuen komplizierteren Regeln nicht verarbeiten. Damit entsteht ein riesiger Markt für Datenverarbeitungs-Unternehmen, die sich auf Versicherungssoftware spezialisiert haben - wie die Münchner FJA AG.

Die FJA AG entwickelt und vertreibt Software-Produkte für Versicherungen, Finanzdienstleister und Bausparkassen. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Beratungsleistungen an. Im Bereich Software für Lebensversicherungen zählt FJA jetzt schon zu den Marktführern. Versicherer erhalten mit der FJA-Software ein Paket für die Entwicklung von neuen Produkten, den Vertrieb und die Verwaltung. Die Software muss so flexibel sein, dass sie an die jeweiligen Bedürfnisse der Kunden angepasst werden kann.

Zwei Finanzmathematiker haben sich vor mehr als 20 Jahren mit dieser Geschäftsidee selbstständig gemacht. 1980 gründeten Manfred Feilmeier und Michael Junker die Feilmeier & Junker Institut für Wirtschafts- und Versicherungsmathematik GmbH. Manfred Feilmeier war bis 1985 Professor für Rechentechnik an der Technischen Universität Braunschweig, der Wirtschaftsingenieur Michael Junker kam bei der Allianz mit den Finessen der Versicherungsmathematik in Berührung und wechselte dann ebenfalls nach Braunschweig in die Forschung. Begonnen hat alles mit zwei Angestellten in einem Münchner Dachstuhl.

Das Jonglieren mit komplizierten Formeln hat sich für Feilmeier und Junker ausgezahlt. Das Unternehmen ist in den Jahren kontinuierlich gewachsen und arbeitet seit langem mit Gewinn. 1999 wurde es in eine AG umgewandelt, im Februar 2000 - 20 Jahre nach der Gründung - ging die Gesellschaft an den Neuen Markt. Die Emission war bei einem Preis von 48 Euro je Aktie 35-fach überzeichnet. In 18 Monaten stieg das Papier auf mehr als 70 Euro, blieb aber zuletzt vom Crash am Neuen Markt nicht verschont. In der vergangenen Woche fiel die Aktie erneut unter den Ausgabepreis.

"Mit den fundamentalen Unternehmensdaten hat das nichts zu tun", sagt Hans-Peter Kuhlmann von der BW-Bank. Die FJA-Aktie gehört seiner Meinung nach zu einem der attraktivsten Titel am Neuen Markt. Anlegern und Analysten hat das Unternehmen in der Vergangenheit Freude bereitet. Prognosen wurden stets erfüllt. In den zurückliegenden vier Jahren ist die FJA-Gruppe mit Niederlassungen in den USA, der Schweiz und Österreich sowie einer Beteiligungsgesellschaft in Slowenien stark gewachsen. Im ersten Halbjahr 2001 legten Gewinn und Umsatz noch mehr als 30 Prozent zu. Die Umsatzrendite lag bei mehr als 15 Prozent.

Dank Walter Riester soll es auch so weiter gehen. FJA hat deshalb erheblich in die Entwicklung einer Software für die "Riester-Produkte" investiert. Aber auch in anderen Segmenten wie der betrieblichen Altersversorgung und der Krankenversicherung werden neue Felder beackert. Die Analysten von Morgan Stanley Dean Witter schätzen diese Investitionen als kritisch für den künftigen Erfolg des Unternehmens ein. Auch für Sonja Rabussier von Sal. Oppenheim in Frankfurt ist das neue Produkt, das den Versicherungen die Verwaltung des Lebensversicherungsbestands abnimmt, ein neuer Wachstumsfaktor für FJA. Gelinge es den Münchnern, diese "Outsourcing-Projekte" am Markt zu etablieren, werden sie nach ihrer Schätzung mit bis zu zwei Prozent an den Prämien-Einnahmen beteiligt.

Ganz so weit aus dem Fenster lehnen will sich Gründer Michael Junker nicht: "Wir werden sehen, wie sich der Markt entwickelt." Doch auch er sieht einen "immensen Bedarf". Bisher trägt das etablierte Programm "Life Factory" für Lebensversicherungen etwa die Hälfte zum Umsatz bei, der in diesem Jahr auf 107 Millionen Euro steigen soll. "Bisher liegen wir auch voll im Plan", sagt Michael Junker.

Schon im vergangenen Sommer hat das Unternehmen begonnen, sich auf die Riester-Reform vorzubereiten und ist deshalb schnell in der Lage gewesen, entsprechende Progamme anzubieten. Mit dem Parion-Versicherungsverbund ist der erste Großkunde bereits gewonnen.

Morgan Stanley und Sal. Oppenheim stufen die FJA-Aktie als "Outperformer" ein. Obwohl die Aktie nach den klassischen Kriterien als hoch bewertet gilt, sehen die Analysten von Morgan Stanley ein Kursziel von 72 Euro. Sal. Oppenheim setzt sogar 82 Euro an. In die Waagschale werfen die Anlaysten hier die zu erwartenden hohen Wachstumsraten. Durch die Riester-Produkte angetrieben erwartet Sal. Oppenheim ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 25 Prozent in den kommenden zwei Jahren, der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) soll sogar jährlich um 40 Prozent zulegen. Auch Junker sieht ein Wachstum im zweistelligen Bereich, genaue Zahlen veröffentlicht das Unternehmen jedoch nicht.

Für weitere Übernahmen ist FJA gut gerüstet. Geld ist genug in der Kasse, Schulden gibt es keine. Dennoch sieht Junker keinen Druck, international weiter zu expandieren und will die Mittel vornehmlich dazu einsetzen, neue Produkte zu entwickeln. Denn im Augenblick wird das Geschäft im Inland stärker wachsen - dank Walter Riester.

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