Softwarekonzern : SAP streicht 3000 Stellen weltweit

SAP wagt keine Prognose für 2009. Zum ersten Mal seit dem Börsengang im Jahr 1988 streicht Europas größtes Softwareunternehmen Tausende Stellen.

Corinna Visser

Berlin -  „Die globale Wirtschaftskrise zwingt uns zu weitergehenden Maßnahmen, damit SAP die aktuellen Herausforderungen erfolgreich übersteht“, schrieben die beiden Vorstandschefs Henning Kagermann und Léo Apotheker an die weltweit rund 51 500 Mitarbeiter. Ihre Zahl soll „unter konsequenter Ausnutzung der natürlichen Fluktuation“ bis zum Jahresende auf 48 500 sinken. In Deutschland seien maximal vier Prozent der rund 15 500 Arbeitsplätze betroffen. Apotheker, der im Mai nach dem Ausscheiden Kagermanns alleiniger Chef von SAP werden soll, schloss aber auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Ab dem Jahr 2010 erwartet das Unternehmen durch den Abbau jährliche Einsparungen von etwa 300 Millionen bis 350 Millionen Euro.

Bereits im Oktober hatte SAP ein Programm zur Kostensenkung eingeleitet. Für SAP sind das ungewohnte Schritte. Das Walldorfer Unternehmen galt als wahre Jobmaschine. Jedes Jahr entstanden Tausende neue Stellen. Auch der Ausblick für 2009 unterscheide sich grundlegend von denen vergangener Jahre, die von zweistelligen Wachstumsraten geprägt gewesen seien, schrieben die Vorstandschefs nun an ihre Mitarbeiter. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat SAP seinen Umsatz noch um 15 Prozent auf 11,7 Milliarden Euro gesteigert, unterm Strich blieb ein Gewinn von 2,2 Milliarden Euro, nach 1,96 Milliarden im Jahr 2007.

Wegen des anhaltend unsicheren wirtschaftlichen Umfelds hat SAP entschieden, für 2009 keine spezifische Prognose für die Erlöse zu geben. Nur eines hat sich der Weltmarktführer für Firmensoftware vorgenommen: Die operative Marge soll zwischen 24,5 und 25,5 Prozent liegen. 2008 hatte die Relation zwischen Betriebsergebnis und Umsatzerlösen noch 28,2 Prozent betragen.

SAP versorgt Unternehmen mit Software zur Steuerung der Betriebsabläufe. Seine wichtigsten Erlöse zieht der Konzern aus dem Verkauf von Software-Lizenzen und der Wartung. Konkurrenten sind die US-Unternehmen Oracle und Microsoft. SAP hat einen weltweiten Marktanteil von 32,8 Prozent, der zuletzt leicht schrumpfte. In Krisenzeiten halten sich die Unternehmenskunden zwar mit Investitionen zurück, gleichzeitig bieten die Softwarelösungen von SAP aber auch Rationalisierungsmöglichkeiten.

Die Börse reagierte positiv auf die Ergebnisse und die angekündigten Sparpläne. Die Quartalszahlen von SAP hätten dank der Kosteneinsparungen über den eigenen und den Erwartungen des Marktes gelegen, sagte LBBW-Analyst Stephan Wittwer. Die Aktie legte in der Spitze fast acht Prozent zu. Einige Börsianer äußerten sich aber skeptisch, weil SAP keine detaillierte Prognose abgeben wollte. Corinna Visser

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