Wirtschaft : Softwareproduzent SAP verfehlt Ergebnisziel deutlich

WALLDORF (rtr).Der Softwareproduzent SAP hat im Geschäftsjahr 1998 sein Ergebnisziel verfehlt.Mit einem Anstieg von rund 15 Prozent bleibe das Vorsteuerergebnis "weiter hinter den Erwartungen zurück" hieß es im Unternehmen.Grund der negativen Entwicklung sei der "starke Einbruch im Japangeschäft" gewesen, der sich im vierten Quartal 1998 unerwartet beschleunigt habe.So sei das Ergebnis in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres um etwa 200 Mio.DM durch Software-Umsatzausfälle in Japan belastet worden.

Der Konzernumsatz sei dagegen um 40 Prozent auf 8,4 Mrd.DM gewachsen.1997 hatte SAP im Konzern einen Umsatz von etwas mehr als sechs Mrd.DM erzielt, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit belief sich auf rund 1,67 Mrd.DM.Analysten der Bankgesellschaft Berlin haben nach Vorlage der Unternehmensnachrichten die SAP-Aktie auf "gleichgewichten" von "übergewichten" herabgestuft.Die Abschwächung des Umsatzwachstums sahen sie als Zeichen für einen nachlassenden "Jahr 2000 Druck" bei SAP.Es werde nun mit einem Ergebnis von 4,8 Euro (vorher 6,04) je Aktie für 1998 gerechnet, für 1999 von 6,8 (7,7) Euro und für 2000 von 8,8 (10,6) Euro.Dennoch bewerteten die Analysten SAP weiterhin als führend auf dem Markt für Unternehmenssoftware.Von dem langfristig wieder steigenden Bedarf, zeigten sich die Banker überzeugt, werde SAP profitieren.

Die Aktien von SAP sind am Dienstag zum Auftakt des Xetra-Handels um mehr als 18 Prozent eingebrochen."Das ist der Hammer" kommentierte ein Händler die SAP-Zahlen vor Beginn des Handels.Der Softwarekonzern SAP selbst erwartet, daß der Umsatz des Unternehmens ab dem Jahr 2000 wieder stärker steigt als im jetzt angebrochenen Jahr 1999."Wir gehen davon aus, daß 1999 eher ein etwas schwächeres Jahr wird mit 20 bis 25 Prozent Wachstum, und wenn das eintrifft, glauben wir, daß es in den Jahren danach wieder leicht anzieht", sagte SAP-Chef Henning Kagermann am Dienstag.Angepeilt sei eine Verdoppelung beim Umsatz in den kommenden drei Jahren.Grundsätzlich sehe er nicht, daß der Trend zum starken Wachstum bei SAP jetzt durchbrochen sei.Es sei aber zu bedenken, daß SAP in den letzten zwei Jahren exorbitant hohe Wachstumszahlen gehabt habe."Die waren natürlich auf dem Niveau, auf dem wir jetzt sind, das war jedermann bewußt, nicht fortzuschreiben", sagte Kagermann.

Probleme habe es jetzt gegeben, weil SAP auf seinem drittgrößten Markt Japan durch seinen Marktanteil von 70 Prozent stärker als andere Unternehmen von der dortigen Krise betroffen sei."Ein signifikanter Rückgang durch eine Krise in einem solchen Markt trifft uns schon, das steckt man nicht einfach so weg".Wenn dieses weggerechnet werden würde, hätte SAP ein "wirklich tolles" Ergebnis gehabt."Insofern ist hier schon eine außergewöhnliche Situation gewesen".

Die Situation für SAP habe sich in dieser Form erst kurz vor Jahresende gezeigt."Das war auch für uns überraschend, insbesondere Japan hat sich in der Schärfe erst in den letzten Tagen ergeben", sagte Kagermann.Bis dahin habe SAP noch geglaubt, die Ausfälle in Japan durch andere Regionen abdecken zu können.Insgesamt werde das Unternehmen in Japan im vierten Quartal wohl einen geringen Verlust ausweisen.In Japan seien etwa zwei Drittel der SAP-Geschäfte verschoben worden."Das heißt, das sind nicht Dinge, die verlorengegangen sind, sondern die einfach verschoben sind, wo keine Entscheidung gefallen ist.Von daher gesehen ist die Pipeline sehr stark für dieses Jahr", sagte Kagermann.Trotzdem müsse SAP sehr vorsichtig sein, weil die Entscheidungsfreude des japanischen Managements extrem nachgelassen habe.Eine kurzfristige Verbesserung der Situation in Japan sehe er nicht.

Es gebe aber auch keinen Grund, neue Krisenherde auszumachen.Eine SAP-Schwäche in den USA oder Europa gebe es nicht."Das ist Asien, und hier ist es im wesentlichen Japan", sagte Kagermann.Die Regionen USA mit 50 Prozent Umsatzwachstum und Europa mit einem Zuwachs von 40 Prozent hätten gute Wachstumsraten gehabt."Auch, was die Ergebnisziele betrifft, sind diese beiden Regionen im Rahmen unserer Erwartungen".Zudem sei die Nachfrage nach SAP-Produkten nach wie vor sehr stark.

Die jetzt aufgetretene deutliche Differenz zwischen Prognose und tatsächlichen Zahlen beim Ergebnis vor Steuern ergebe sich vor allem dadurch, daß die internen Ziele für das Umsatzwachstum bei Software um etwa vier Prozent verfehlt worden seien."Wenn sie die vier Prozent auf das Vorsteuerergebnis runterrechnen, haben sie in etwa einen Faktor vier und dann sind das 16 Prozentpunkte", sagte Kagermann.Vor allem dadurch ergebe sich die Differenz zwischen der Prognose von 30 bis 35 Prozent und den jetzt genannten etwa 15 Prozent.Das jetzt genannte Vorsteuerwachstum von 15 Prozent werde durch das Mitarbeiter-Bonusprogramm Star nicht mehr belastet.

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