Wirtschaft : Solar Millennium ist pleite

Berlin - Eine Woche nachdem der Berliner Solarmodulhersteller Solon Insolvenzantrag stellen musste, ist am Mittwoch eine zweite Firma in die Pleite gerutscht, die Pionierarbeit für die Solarindustrie geleistet hat: Solar Millennium aus Erlangen, Entwickler und Bauer solarthermischer Großkraftwerke, reichte den Antrag beim Amtsgericht Fürth ein. Die Aktie brach bis zum Börsenschluss um fast 60 Prozent auf 0,45 Euro ein. Vor gut vier Jahren war das Papier noch fast 50 Euro wert.

Das Unternehmen war Anfang 2010 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, als der Aufsichtsrat den Ex-Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, zum Chef des fränkischen Mittelständlers berief. Claassen legte nach nur 74 Tagen das Amt nieder, bestand aber auf der vertraglich vereinbarten Zahlung in Höhe von neun Millionen Euro. Solar Millennium forderte das Geld zurück, Claassen aber gab vor Gericht an, unter anderem mit Fantasie-Businessplänen gelockt worden zu sein. Er fordert Schadenersatz in Millionenhöhe wegen Rufschädigung. Die Urteile stehen aus.

Den juristischen Scharmützeln folgten Rückschläge im Geschäft: Ein milliardenschweres Großprojekt in Kalifornien und ein Kraftwerksbau in Spanien gerieten ins Stocken. Das Unternehmen teilte zwar am Mittwoch mit, dass man beim Verkauf des US-Projektes vor einer Einigung gestanden habe. Es sei aber offen geblieben, wann und zu welchem Preis es vollzogen werden kann. Daher habe man sich gezwungen gesehen, Insolvenzantrag zu stellen. 235 Mitarbeiter bangen jetzt um ihre Jobs. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Fürth den Rechtsanwalt Volker Böhm. kph

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