Solarbranche : Sonnenfreunde in der Glaubenskrise

Fotovoltaik oder Solarthermie – welche Technik hat mehr Zukunft? Unternehmen beider Branchen haben Zahlen vorgelegt.

von und Thomas Magenheim
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Nicht alles Gold, was glänzt. Mit dieser Messingsonne aus dem Schlosspark Sanssouci ist es wie mit mancher Solarfirma. -Foto: ddp

Berlin/München - Wer als Aktionär oder Hausbesitzer grundsätzlich zu der Überzeugung gelangt ist, dass man die Sonne als unerschöpfliche und saubere Energiequelle nutzen sollte, steht früher oder später vor der Kernfrage: Wem glauben? Gerade in der noch relativ jungen Solarbranche gibt es verschiedenste Technologien und Manager, die mit einem Charisma gesegnet sind, dass man ihnen sofort glauben möchte, wenn sie sagen: Amen, ich sage euch, mit unserer Technik wird die Welt ein besserer Ort.

„Die Zeit ist reif für eine globale solare Energiewirtschaft“ – ein Satz wie in Stein gemeißelt, er fiel erst gestern in München. Urheber war Utz Claassen, der ehemalige Chef des Atomkonzerns EnBW. Seit Januar leitet er das Erlangener Unternehmen Solar Millennium, das solarthermische Anlagen produziert. Das sind Kollektoren, die Sonnenstrahlen auf einen Punkt bündeln, um eine Flüssigkeit zu erhitzen, deren Dampf eine Turbine antreibt, mit der man Strom erzeugen kann. Klingt umständlich, aber immerhin in Spanien klappte es schon mal: Dort brachte Solar Millennium mit dem Kraftwerk Andasol den ersten kommerziellen Meiler ans Netz, der Sonnenhitze speichert und damit Tag und Nacht einen Stromgenerator antreibt. Derzeit konzentriert sich die Firma auf neue Anlagen in Ägypten, Spanien und den USA.

Im laufenden Geschäftsjahr, das Anfang Oktober endet, sollen sich die Umsätze, bereinigt um Sondereffekte, auf 350 Millionen Euro mehr als verdoppeln und der operative Gewinn um die Hälfte auf 45 Millionen Euro steigen. Im Vorjahr hatte das Unternehmen den Umsatz versechsfacht und den Gewinn vervierfacht. Zumindest Claassen ist sich daher sicher, dass das so oder ähnlich weitergeht. „Sonnenenergie ist der logische Nachfolger der Kernenergie“, sagte er.

Solche Sätze hörte man vor wenigen Jahren auch oft aus der Branche der Fotovoltaik – bevor sie sich gegen Hersteller aus Asien behaupten mussten. Fotovoltaik ist die Technologie, bei der die Sonnenstrahlung direkt in Strom gewandelt wird. Auch Thomas Krupke, Chef des Berliner Fotovoltaikmodulherstellers Solon, klang einst wie Claassen. Krupke verlor vor wenigen Wochen seinen Job. Am Dienstag legte Solon vorläufige Zahlen für 2009 vor und die waren schlecht: Das Unternehmen rutschte tief in die roten Zahlen. Vor Zinsen und Steuern wurden 195 Millionen Euro Verlust verzeichnet. Im Vorjahr war noch ein Gewinn von 58 Millionen Euro ausgewiesen worden. Unter dem Strich stand nun ein Minus von 276 Millionen Euro nach plus 33 Millionen Euro 2008. Der Umsatz sank um sagenhafte 57 Prozent auf nur noch 354 Millionen Euro. Immerhin das letzte Quartal lief wieder ganz gut, was den hunderten Berliner Beschäftigten Hoffnung geben dürfte.

Auch Q-Cells aus Sachsen-Anhalt, Deutschlands größte Firma der Branche, zog Jahresbilanz: Für 2009 verbucht das Unternehmen einen Rekordverlust in Milliardenhöhe: Nach Steuern blieb ein Minus von 1,36 Milliarden Euro. 952 Millionen Euro entfielen allerdings auf Buchverluste sowie Abschreibungen auf Beteiligungen. Q-Cells-Chef Anton Milner begründete das Ergebnis mit der Wirtschaftskrise und dem weltweiten Preisbverfall für Module.

Kurzum: Die Fotovoltaikbranche ist in der Weltwirtschaft angekommen und muss sich mehr als die Unternehmen der Solarthermiebranche auch mit den heimischen Förderbedingungen rumschlagen (siehe Infokasten). Solarthermische Großkraftwerke spielen in Deutschland nämlich praktisch keine Rolle. Insofern dürften Anleger die Aktivitäten von Millennium Solar und den Wettbewerbern mit Interesse verfolgen, sollten sie mit Blick auf den Absturz in der Fotovoltaik aber nicht überbewerten.

Interessant ist in dem Zusammenhang auch das Jahresergebnis des Solartechnikunternehmens SMA Solar, das quasi über den Technologien steht, weil es Komponenten liefert. SMA schloss das für die Solarbranche schwierige Jahr mit einem Rekordergebnis ab. Die in der zweiten Jahreshälfte sprunghaft gestiegene Nachfrage ließ Umsatz und Gewinn höher schnellen als geplant, wie das hessische Unternehmen am Dienstag mitteilte. Auch für das laufende Jahr zeigte sich der Vorstand zuversichtlich: Deutschland werde trotz drastischer Förderkürzungen der mit Abstand größte Fotovoltaikmarkt weltweit bleiben. Maßgebliche Impulse würden aber auch aus dem Ausland kommen. SMA setzte 2009 nach ersten Berechnungen etwa 934 Millionen Euro um (Vorjahr: 682) und kratzte damit an der symbolisch wichtigen Milliarden- Euro-Grenze, von der Utz Claassen trotz aller Euphorie noch weit entfernt ist.

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