Solarenergie : Siemens kauft ein Stück Sonne

Der Konzern schluckt eine israelische Firma und will Weltmarktführer in der Solarbranche werden. Siemens sieht das Geschäft als strategischen Wurf.

Thomas Magenheim
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Die Kraft der Wüste. Mit dem Kauf des Unternehmens verfügt Siemens über das Know-how, solche solarthermischen Kraftwerke zu bauen....http

MünchenMünchen - Der Technologiekonzern Siemens setzt verstärkt auf Umwelttechnik und baut das lange vernachlässigte Solargeschäft aus. Dazu kaufen die Münchner die israelische Solarthermiefirma Solel Solar Systems. „Bei Siemens scheint nun die Sonne“, kommentierte Konzernchef Peter Löscher die Übernahme am Donnerstag. Die Israelis sind hinter der deutschen Schott Solar weltweit die Nummer zwei bei Solar-Receivern, einer Schlüsselkomponente zum Bau von Solarthermie-Kraftwerken. Diese Art von Anlagen soll auch beim Wüstenstromprojekt Desertec in der Sahara in großen Stil aufgestellt werden. Löscher prognostizierte, dass der Markt bis zum Jahr 2020 jährlich zweistellig auf 20 Milliarden Euro wachsen wird. Siemens sei nun der technologisch führende Komplettanbieter.

Der Kaufpreis für Solel Solar mit rund 61 Millionen Euro Halbjahresumsatz beträgt 284 Millionen Euro. Siemens sieht das Geschäft als strategischen Wurf; der Konzern hatte in letzter Zeit einige kleine Zukäufe in diesem Sektor getätigt. „Unser Puzzle in der Solarthermie ist damit perfekt“, sagte Löscher. Mit dieser Variante des Sonnenstroms wolle Siemens die eigene Erfolgsgeschichte des Geschäfts mit Windenergie kopieren, kündigte er an. Das zielt auf eine Vervielfachung des Geschäfts in wenigen Jahren.

Der Einstieg in diese Technologie komme zur rechten Zeit, auch mit Blick auf das mutmaßliche Milliardengeschäft Desertec, machte Löscher klar. Bei diesem „Apollo-Projekt des 21. Jahrhunderts werden wir der führende Technologiepartner sein“, versprach der Siemens-Chef selbstbewusst. Insgesamt wolle der Konzern binnen zwei Jahren den eigenen Umsatz mit grüner Technologie von zuletzt 19 auf 25 Milliarden Euro steigern, das wären immerhin rund ein Viertel aller Erlöse.

Anders als die auch in unseren Breitengraden einsetzbare Fotovoltaik mit Solarzellen auf vielen Dächern zielt Solarthermie auf großindustriellen Einsatz im Sonnengürtel der Erde. Auf diese Form der Sonnenenergie wollen sich die Münchner konzentrieren. Erste solarthermische Kraftwerke, die möglichst wolkenlosen Himmel benötigen, wurden bereits vor 20 Jahren in den USA gebaut. Dazu kamen vor kurzem neue Anlagen in Spanien und das Großprojekt Desertec, dessen Planungsfirma in zwei bis drei Wochen gegründet werden soll. Erste Desertec-Solarkraftwerke, die in der Sahara Strom erzeugen sollen, auch um ihn nach Europa zu lenken, sieht Siemens bereits in sechs bis acht Jahren am Netz. Skeptiker gehen eher vom Jahr 2050 aus.

Der profitabel arbeitende Neuerwerb Solel Solar soll Siemens dabei gute Geschäfte sichern helfen und ist schon in Spanien und den USA aktiv. Wie viel Geld Siemens selbst aktuell mit Solarthermie umsetzt, wollte Löscher nicht sagen. Er will in diesem Zukunftsmarkt global die Nummer eins werden. Dazu braucht er die Israelis, mit denen Siemens die zum Bau von Solarthermiekraftwerken nötige Produktpalette entscheidend erweitert. Bei Spezialturbinen für die Solarthermie sind die Münchner bereits heute weltweit führend.

Solel Solar steuert die High-Tech-Röhren bei, die über ein spezielles Wärmeleitmedium die Sonnenenergie zu diesen Turbinen bringen. „Damit können wir künftig die wichtigsten Elemente für den Bau von Parabolrinnen-Kraftwerken aus einer Hand anbieten“, betonte der für erneuerbare Energien zuständige Siemens- Bereichschef Rene Umlauft. Solel verfüge auch über jahrzehntelanges Know- how beim Bau kompletter Solarfelder und ergänze sich perfekt mit Siemens. Die Übername will Siemens noch in diesem Jahr abschließen.

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