Solarenergie : Sonnenkönige in der Defensive

Die Solarwirtschaft will sich nicht als Kostentreiber abstempeln lassen und wehrt sich gegen Obergrenzen für den Bau neuer Anlagen.

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Die Sonne scheint nicht mehr über Solon, das Unternehmen stoppt die Produktion in Berlin. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen wird seit etwa vier Wochen nicht mehr produziert.Weitere Bilder anzeigen
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14.12.2011 17:01Die Sonne scheint nicht mehr über Solon, das Unternehmen stoppt die Produktion in Berlin. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen...

Philipp Rösler ist Bundeswirtschaftsminister und Chef einer Partei, die derzeit laut Umfragen nur einer von 50 Deutschen wählen würde. Aber mit einer speziellen Forderung könnte er zumindest im Bundestag wohl eine Mehrheit finden – über Parteigrenzen hinweg: Der FDP-Minister und Vizekanzler fordert seit Wochen eine drastische Kürzung der Subventionen für Solarstrom. Sein Argument: Gerade mal drei Prozent des Strombedarfs hierzulande würden durch Sonnenenergie gedeckt, dafür kassieren Solarstromerzeuger aber die Hälfte der Energiesubventionen, die Verbraucher aufbringen müssen.

Konkret fordert Rösler Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) auf, das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) dahingehend zu ändern, dass jährlich nur noch neu installierte Module mit einer Gesamtleistung von 1000 Megawatt gefördert werden. Im vergangenen Jahr waren es laut einer ersten Schätzung fast 7500 Megawatt, 3000 davon wurden allein im Dezember zum Anschluss angemeldet.

„Wir können nicht behaupten, dass wir traurig über diesen Erfolg sind“, sagte Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BSW Solar, am Donnerstag in Berlin. Anlass war die Präsentation eines Gutachtens, das sein Verband bei dem kommerziellen Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos in Auftrag gegeben hatte. Das soll belegen, dass ein weiterer Solarstromausbau die Preise kaum noch erhöht. Ein sogenannter „Förderdeckel“ wie Rösler ihn fordert, würde dazu führen, dass in den kommenden vier Jahren zwar 75 Prozent weniger Solaranlagen installiert werden. Der Haushaltsstrompreis würde aber lediglich um 1,4 Prozent sinken. Statt durchschnittlich 28,2 Cent je Kilowattstunde würden Verbraucher 27,9 Cent zahlen müssen. Das sei kein Erfolg, wenn man bedenke, dass er mit „drastischen Verlusten bei Arbeitsplätzen, Anlageinvestitionen, Branchenumsatz, Technologievorsprung und Steuereinnahmen“ verkauft werden würde, sagte Körnig. In den kommenden zwei Wochen dürfte er zu dem unter Handlungsdruck stehenden Umweltminister geladen werden, um über den Rösler-Vorstoß zu beraten, hört man.

Einige Solarfirmen konnten sich Donnerstag immerhin an der Börse leicht erholen. Nach einem Analystenbericht, wonach der Preisverfall für Bauteile zu Ende gehe, stiegen die Aktien von Solarworld, Q-Cells und Centrotherm um bis zu elf Prozent gegenüber dem Vortag an. Das Papier der insolventen Berliner Solon verlor indes weiter – um 6,5 Prozent auf 0,37 Euro.

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