• Solarenergie und Windkraft bewähren sich an der Börse. Anleger sollten Aktien aber vorher genau prüfen

Wirtschaft : Solarenergie und Windkraft bewähren sich an der Börse. Anleger sollten Aktien aber vorher genau prüfen

Christian Hallerberg

Unternehmen aus dem Bereich erneuerbarer Energie machen nicht nur "Öko-Freaks" Freude. Auch Anleger an der Börse können ihnen gute Seiten abgewinnen. Die Aktien des Solarenergie- und Windkraftbereiches weisen kräftige Kurssteigerungen auf. Die Papiere des in diesem Bereich tätigen Unternehmens Solarworld AG haben sich beispielsweise mit einem Kurs von 53 Euro seit Jahresbeginn verdreifacht. Die Aktien der Solon AG gewannen sogar 330 Prozent auf 16,80 Euro. Steigende Kurse verzeichneten auch der dänische Windanlagenbauer Vestas (auf rund 315 dkr) und NEG Micon (360 dkr): Beide legten seit Januar um etwa 145 Prozent zu. Die Vestas-Aktien werden seit April auch in Deutschland gehandelt.

Die Zeiten, in denen Ökoanlagen nur etwas für Idealisten waren, sind vorbei. Mittlerweile wird damit auch Geld verdient - und die Zukunftsaussichten sind gut. Für den Solarstrommarkt etwa erwartet die Schweizer SAM Sustainable Performance Group ein jährliches Wachstum von 20 bis 25 Prozent. Optimistisch ist auch Gerhard Stryi-Hipp, Geschäftsführer des Deutschen Fachverbandes Solarenergie: "Der Markt wird sich in diesem Jahr gegenüber 1999 vervierfachen."

Die wichtigsten Impulse für den rasanten Aufschwung auf dem deutschen Markt war das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das am 1. April in Kraft getreten ist. Es garantiert den Erzeugern von regenerativem Strom lukrative Preise für die Stromeinspeisung und garantiert die Abnahme. Zusätzlichen Schwung brachte das 100 000-Dächer-Programm der Bundesregierung. In der Branche brummt es jetzt. "Die Konditionen sind so attraktiv, dass der Solarmarkt die Ziele des 100 000-Dächer-Programms von 95 Megawattschon im Jahr 2003 erreichen wird", ist sich Stryi-Hipp sicher. Und danach werde der Markt weiter wachsen.

Solarworld erhöht das Kapital

"Es ist ganz enorm, was derzeit läuft", urteilt auch Andreas Knörzer, Manager des Umweltfonds Oekosar vom Schweizer Bankhaus Sarasin. Deswegen macht er auch die dritte Kapitalerhöhung der Bonner Solarworld AG (Wertpapier-Kennnummer 510 840) "voll mit". Noch bis zum 2. Juni läuft der Handel der Bezugsrechte (WKN 510 840); die insgesamt 750 000 Aktien sollen je 46,72 Euro kosten.

Die Solarworld AG, die neben dem Kraftwerksbau auch den Handel von Solarzellen, Modulen und anderen Komponenten der Solarstromtechnik betreibt, habe durch die letzten Akquisitionen ihre Wertschöpfungskette verlängert, so Knörzer. Die Bonner kauften kürzlich 70 Prozent des schwedischen Solarmodul-Herstellers GPV. "Durch diese Akquisitionen kann nicht nur das Kostenmanagement verbessert werden", sagt der Sarasin-Fondsmanager, "sondern auch die Lieferung von Solarzellen und Solarmodulen wird abgesichert". Seiner Meinung nach wird die Liefertreue in den nächsten zwölf Monaten einen entscheidenden Einfluss auf die Wettbewerbsposition haben.

Im Oekosar-Fonds hat die Schweizer Bank daneben die Aktien des Windkraftanlagenherstellers Vestas - "die Nummer eins in diesem Geschäft". Die Dänen seien interessant, da sie eine gute Auftragslage hätten. Soeben sei ein riesiger Auftrag aus Spanien unter Dach und Fach gebracht worden.

In den amerikanischen Solarzellenhersteller Astropower (WKN 912 953) hat Knörzer schon länger investiert. Astropower profitiere zu einem Großteil auch von der steigenden Nachfrage aus Europa, die Produktionsanlagen seien ausgelastet. Ein weiterer Vorteil ist für den Fondsmanager die Börsenliquidität, "die stimmt hier".

Immer mehr Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energie, darunter insbesondere auch mittelständische Gesellschaften, planen derzeit Kapitalerhöhungen oder Börsengänge. So will im Sommer der Windanlagenhersteller Fuhrländer an die Börse. Am Donnerstag wurden zum ersten Mal die Aktien des Windpark-Projektentwicklers Energiekontor am Neuen Markt in Frankfurt gehandelt und waren zwölffach überzeichnet. Und auch bei Babcock Borsig wird überlegt, ob man die Windradhersteller Nordex und Südwind an die Börse bringt. "Das sind aber bisher nur Gedankenspiele", sagt Sprecher Ralf Peters.

Blindlings drauflos kaufen sollten Anleger nun aber nicht. Jutta Gelbrich von der Ökobank rät, bei Windparkbetreibern zu prüfen, wie sich deren bisherige Projekte rechnen. Zur Vorsicht mahnt Georg Furger von der SAM Sustainable Performance Group bei Firmen, die ökologisch erzeugten Strom vermarkten: "Es gibt noch so viele Unsicherheiten auf diesem Markt." Furger setzt stärker auf Hardware, "der Markt für Windkraftanlagen boomt nach wie vor".

Die Experten betonen zudem einhellig, dass viele der Werte lediglich eine geringe Börsenkapitalisierung haben, also nur in sehr kleinen Stückzahlen gehandelt werden. Große Kursausschläge in beide Richtungen sind damit schnell möglich. Gut beraten ist man ihrer Meinung nach, wenn durch eine Mischung aus Anlagenbauern und Betreibern das Risiko minimiert wird. Ohnehin betrachten die Profis Ökoinvestments als langfristige Anlagen zur Depotbeimischung, durch die Marktchancen genutzt werden können. Wer diese Tipps beim Aktienkauf beachtet, kann sich um so mehr freuen, wenn der Wind weht und die Sonne lacht.

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