Solarindustrie : Q-Cells bereitet sich auf Schuldenschnitt vor

Wer angesichts der tiefen Krise des Solarunternehmens Q-Cells mit einer hitzigen und turbulenten Debatte gerechnet hatte, wurde am Freitag enttäuscht. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung in Leipzig ging es angesichts von Schuldenberg, großen Verlusten und Kapitalschnitt erstaunlich sachlich zu.

Und das Interesse über die weiteren Geschicke des Unternehmens aus Bitterfeld-Wolfen war auch eher gering. Gerade einmal 202 Aktionäre, die einen Anteil von 1,2 Prozent der Aktien des Unternehmens halten, hatten den Weg in das Leipziger Kongress-Zentrum auf der Neuen Messe gefunden.

Beobachter hatten vor allem wegen der vom Q-Cells-Vorstand angestrebten Einigung mit den Gläubigern für Zündstoff auf der Hauptversammlung gerechnet. Denn das Unternehmen steht vor einem Schulden- und Kapitalschnitt. Die Gläubiger sollen am Ende des Restrukturierungsprozesses 95 Prozent der Unternehmensaktien innehaben, für die Aktionäre sollen nur noch fünf Prozent bleiben. Anders ausgedrückt: Wer heute 20 Aktien hat, hat dann nur noch eine.

„Das ist schmerzlich für die Aktionäre, doch eine Alternative gibt es wohl nicht“, sagte Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz in Düsseldorf. „Sie haben die Wahl zwischen Pest und Cholera.“ Fünf Prozent an einem halbwegs gesunden Unternehmen zu halten sei immer noch besser, als wenn Q-Cells in die Insolvenz getrieben würde.

Den jüngsten Zahlen zufolge war Q-Cells im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Nettoverlust war fast so hoch wie der gesamte Umsatz. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 846 Millionen Euro. Als Konsequenz aus dem Werteverfall an der Börse fliegt das Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten – einst sogar als Kandidat für den Dax gehandelt – am 19. März aus dem Tec-Dax.

„Dies war ein schwarzer Tag für die einst so stolze Q-Cells“, sagte ein Aktionär, der seinen Namen nicht nennen wollte. Wie die meisten Aktionäre plädierte er jedoch für die harten Pläne zur Sanierung. „Nur schnell muss es jetzt gehen.“ Er werde diesen Prozess genau verfolgen. Schließlich sollen die Aktionäre auf der nächsten außerordentlichen Hauptversammlung Anfang Juni in Leipzig über die Pläne des Unternehmens abstimmen. dpa

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