Solarkonzern : Q-Cells hakt die Krise ab – vorsichtig

Q-Cells ist im vergangenen Jahr in die Gewinnzone zurückgekehrt. Für Vorstandschef Nedim Cen ist die Krise damit abgehakt, in die der Konzern gerutscht war. Deutschlands größter Solarmodulhersteller blickt verstärkt nach Amerika, Asien und Australien.

Martin Murphy
Tatort Thalheim. Der neue Q-Cells-Chef Cen hat Konzernteile abgetrennt.
Tatort Thalheim. Der neue Q-Cells-Chef Cen hat Konzernteile abgetrennt.Foto: dpa

Düsseldorf - Q-Cells war in der Boomphase bis 2008 massiv gewachsen, allerdings hielt die interne Struktur mit der Entwicklung nicht Schritt. Dem Management entglitt zusehends die Kontrolle über das Unternehmen. Mit einer Rosskur stutzte ein neuer Vorstand um Cen die Gesellschaft zurecht. Sparten wurden abgegeben, eine Beteiligung ging sogar insolvent.

Teil der Strategie ist eine Stärkung der Produktionstiefe sowie ein höherer Auslandsanteil. Neben Europa bezeichnete Cen Nordamerika, Asien und Australien als wichtige Zielmärkte.

Dass Q-Cells den richtigen Weg eingeschlagen habe, habe sich am Verlauf des vergangenen Geschäftsjahres gezeigt. Mit einem Plus von 70 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro wurde beim Umsatz ein Rekordwert erreicht. Operativ kehrte das Unternehmen aus Thalheim in Sachsen-Anhalt in die Gewinnzone zurück. Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) sprang auf 82,3 Millionen Euro – nach einem Verlust von 362,5 Millionen Euro im Vorjahr.

Mit dem Ergebnis übertraf Q-Cells die eigene Prognose und erfüllte auch die Erwartungen der Analysten. Die Aktie des Solarkonzerns gab dennoch bis zum Nachmittag um fast fünf Prozent zum Vortag auf 3,15 Euro nach, da Investoren einen Ausblick auf das laufende Jahr vermissten. Vor gut drei Jahren noch, Ende 2007, hatte ein Q-Cells-Papier übrigens mehr als 80 Euro gekostet.

Cen verzichtete mit Verweis auf die ungewisse Marktlage auf eine Prognose für das laufende Jahr. Die Bundesregierung will die Förderung von Solarstrom zur Jahresmitte um bis zu 15 Prozent kürzen, was die Preise für Solaranlagen unter Druck setzen würde. Der Markt dürfte hierzulande stagnieren. Cen äußerte sich dennoch zuversichtlich für die Branche. Der Weltmarkt dürfte um zehn bis zwanzig Prozent zulegen, sagte Cen.

Die Krise bei Q-Cells war auch eine Krise beim Großinvestor Good Energies. Die von der C&A-Eigentümerfamilie Brenninkmeijer kontrollierte Firma galt zeitweilig als Großaktionär von Q-Cells, REC sowie einige Beteiligungen an chinesischen Solarfirmen als wichtigster Investor im Bereich Solarenergie. Brenninkmeijer machte gutes Geld mit dem Investment – bis zum Absturz von Q-Cells.

Das Interesse von Good Energies, mit 27 Prozent noch immer größter Aktionär, scheint sich aber abzukühlen. Marcel Brenninkmeijer gab zunächst im Juni vergangenen Jahres den Vorsitz des Aufsichtsrats ab, Mitte Januar zog er sich ganz aus dem Gremium zurück. Vorstandschef Cen wollte sich nicht dazu äußern. Martin Murphy (HB)

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