Solarkraft : Sichere Energie für fünf Milliarden Jahre

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) über das jüngste Buch des Solarworld-Gründers Frank H. Asbeck

Frank Asbeck hat ein Gespür für Trends und die richtigen Ideen. Er selbst verweist dabei meist auf seinen Bauch, der ihn bei Entscheidungen leitet – quasi Form gewordene Intuition. Sein Buch „Eine solare Welt“ gibt dabei weit mehr Aufschluss. Das rechtzeitig zu seinem 50. Geburtstag erscheinende Buch liefert nicht nur Einblicke in Asbecks unternehmerisches Handeln, sondern beschreibt gut verständlich die Misere unseres Wirtschaftssystems – und den Weg, dort wieder herauszukommen.

Frank Asbeck belebt hierbei die von dem russischen Ökonomen Nikolai Kondratjew 1926 aufgestellte These der langen Wellen, die die unsere Politik oft prägenden, kurzfristigen Konjunkturzyklen überlagern. Zentrale Aussage der These ist, dass die Ökonomie sich in 40 bis 60 Jahre langen Wellen entwickelt und diese vor allem von Knappheiten bestimmt werden: Knappheit an Rohstoffen, Knappheit an Transportmöglichkeiten, Knappheit an Kommunikations- und Handlungsmöglichkeiten, immer wieder Knappheit an Energie. Wenn eine Knappheit beseitigt wird, kann die Produktivität gesteigert, Kapital investiert und Beschäftigung geschaffen werden. Stößt die Produktion erneut an Grenzen, ebbt das Wachstum ab und das Kapital geht in die Spekulation statt in die Investition.

Basis-Innovationen überwinden diese Knappheiten. Als Beispiele aus der Vergangenheit nennt Asbeck Bergbau und Dampfmaschine, Eisenbahn und Stahl, das Automobil, Elektrizität, Chemie und die Informationstechnik.

Aktuell befinden wir uns nach seiner Ansicht in einer wirtschaftlichen Talsohle, aus der ohne neue Innovation kein nachhaltiger Aufschwung möglich ist. Tatsächlich sind die heutigen Knappheiten ziemlich klar: Die Energieträger, auf die wir bisher weltweit unser wirtschaftliches Handeln aufbauen, sind endlich. Der Klimawandel zwingt uns dazu, die Emission von Treibhausgasen massiv zu reduzieren. Und die Atomenergie ist angesichts von Risiken, Entsorgung und Kosten keine Alternative.

Die neuen Basis-Innovationen sind Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Solarenergie unterliegt tatsächlich keiner Knappheit. Fünf Milliarden Jahre Energiesicherheit sind ein Wort, wenn es gelingt, die Technologie überall wirtschaftlich einsetzbar zu machen. Und da verspricht Asbeck viel. Er kündigt an, spätestens 2013 den Punkt erreicht zu haben, dass der Solarstrom vom Dach billiger ist als der Haushaltsstrom aus der Steckdose. Eine durchaus realistische Perspektive.

Asbeck sieht dabei auch den Beitrag der Politik. Die jährliche Absenkung der Vergütung für den eingespeisten Strom aus Solarstromanlagen hat die Industrie zu massiven Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen gezwungen. Zuletzt haben wir diese Degression auf jährlich neun Prozent erhöht. Mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz, das 2000 in Kraft getreten ist, konnte der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch in wenigen Jahren auf heute 15 Prozent mehr als verdoppelt werden. 280 000 Arbeitsplätze sind in dieser Branche entstanden. Das sind Jobs, die nicht nur heute den Beschäftigten ein gesichertes Einkommen geben, sondern auch eine zukunftsfeste Perspektive bieten.

Asbeck hat frühzeitig die Zeichen erkannt. Die von ihm vertretene Solarenergie selbst macht heute noch einen verhältnismäßig geringen Teil aus. Aber es ist offensichtlich gelungen, eine Branche aufzubauen, die mit 75 000 Beschäftigten erfolgreich auf dem Weltmarkt ist und das Ziel erreichen kann, das Asbeck beschreibt: eine solare Welt bauen.

Frank H. Asbeck, Eine solare Welt, Der Solarworld-Chef über die Zukunft unserer Energieversorgung. Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2009.

215 Seiten, 14,95 Euro.

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