Wirtschaft : Solarstrom wird teurer

Branche erwartet Ausbau der Sonnenenergie – Verbraucher bezahlen mit

Berlin - Die Solarenergie in Deutschland wird in den kommenden Jahren nach Einschätzung von Branchenexperten voraussichtlich deutlich stärker ausgebaut als vom Bundesumweltministerium prognostiziert. Mit dem Zuwachs steigen auch die Umlagen für den Ökostrom deutlich an, die die Stromverbraucher zu tragen haben.

Das Umweltministerium geht in seiner „Leitstudie 2007 – Ausbaustrategien Erneuerbare Energien“ davon aus, dass von 2007 bis 2010 jährlich 560 bis 660 Megawatt Solarstromkapazität neu installiert werden. „Diese Annahme liegt deutlich zu niedrig“, glaubt dagegen Robert Schramm, Analyst für Solaraktien bei der Commerzbank. „Nach unseren Erkenntnissen sind bereits im vergangenen Jahr mindestens 900 Megawatt neu installiert worden.“ Nichts deute darauf hin, dass die Entwicklung im laufenden Jahr rückläufig sein werde. Das Solarstrom-Fachmagazin „Photon“ geht für 2007 sogar von bis zu 2000 Megawatt neu installierter Leistung aus.

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie nennt in ihrem Positionspapier zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die vom Umweltministerium genannten Zahlen „politisch motiviert und von der Wirklichkeit längst überholt“. Brancheninsider vermuten, dass mit den konservativen Schätzungen die Debatte über die Höhe der Solarförderung auf kleiner Flamme gehalten werden soll. Dieser Verdacht wird noch genährt, weil das Umweltministerium in seinem im Juli veröffentlichten „Erfahrungsbericht 2007 zum Erneuerbare-Energien-Gesetz“ selbst etwas optimistischer ist als in der zitierten Leitstudie. Im „Erfahrungsbericht“ geht das Ministerium davon aus, dass bereits im vergangenen Jahr 950 Megawatt neu installiert wurden. Verbindliche Zahlen für 2006 liegen derzeit noch nicht vor.

Der Umfang des Zubaus steht in direktem Zusammenhang mit der Höhe der Umlage, die die Stromverbraucher laut EEG zu tragen haben. Das Gesetz honoriert die Produktion von Strom aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse. Die Anlagenbetreiber erhalten für Ökostrom, den sie ins Netz einspeisen, Vergütungen, die zum Teil erheblich über den Marktpreisen für konventionell erzeugten Strom liegen. Die Zusatzkosten werden auf die Verbraucher umgelegt.

Nach „Photon“-Berechnungen, die auf dem angenommenen weitaus stärkeren Neubau von Anlagen fußen, werden für alle bis zum Jahr 2010 in Deutschland installierten Solarstromanlagen insgesamt Einspeisevergütungen in Höhe von nominal 119 Milliarden Euro anfallen. Demnach wird bereits im Jahr 2010 jeder Einwohner monatlich gut drei Euro für die Solarstromförderung bezahlen. str (HB)

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