Solartechnik : Es bleibt zu wenig Sonne hängen

Die Solar-Branche klagt über volle Lager und fallende Preise. Doch seit Beginn des Frühlings boomt das Geschäft. Einige Experten sagen bereits für Mitte des Jahres einen Mangel an Solarmodulen voraus.

Heiko Schwarzburger
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Unter Druck. Die Preise von Modulen, im Bild die Conergy- Fabrik in Frankfurt an der Oder, fallen. Es gibt neue Technologien, und...

Berlin - Noch nie war Solarstrom so billig: Aufgrund der geringeren Einspeisevergütung, der Finanzkrise und vor allem des langen Winters lief das Geschäft mit Solarmodulen im ersten Quartal 2009 so schwach, dass bundesweit kaum 250 Megawatt auf deutschen Dächern installiert wurden. Auf einem Branchentreffen in Berlin-Adlershof in der vergangenen Woche gab es Klagen über volle Lager und fallende Preise.

Traditionell stützt sich die Branche auf Solarmodule aus kristallinem Silizium, die eine Energieausbeute von bis zu 17 Prozent des einfallenden Sonnenlichts erlauben. Vor Jahresfrist kostete ein Watt installierter Solarstromleistung aus dieser Technologie noch 3,50 Euro; derzeit sind es 2,40 Euro, und chinesische Hersteller drängen mit zwei Euro ins Geschäft. Außerdem gibt es neue Technologien. Produzenten von Solarmodulen aus besonders dünnen Schichten treten mit 1,40 Euro je Watt auf.

Dünnschichtmodule sind deutlich billiger in der Herstellung, setzen aber weniger Energie um. Ihr Wirkungsgrad liegt zwischen fünf und elf Prozent. Fieberhaft arbeiten die Ingenieure daran, die Energieausbeute der Zellen zu steigern. Dieter Bonnet, der Erfinder der Dünnschichtzelle aus Kadmiumtellurid, kündigte auf der Berliner Konferenz an, den Wirkungsgrad bis 2012 auf zwölf Prozent zu steigern. Solarmodule aus Verbindungshalbleitern mit Kupfer, Indium, Gallium, Selen und Schwefel erreichen derzeit knapp acht Prozent. „In fünf Jahren werden wir den Wirkungsgrad auf 14 Prozent treiben“, stellte Nikolaus Meyer in Aussicht, Chef des Berliner Solarherstellers Sulfurcell. Das Unternehmen baut gerade in Adlershof eine Fabrik. Jährlich sollen dort Solarmodule mit einer Leistung von 75 Megawatt vom Band laufen.

An der Konferenz nahmen mehr als 400 Wissenschaftler, Ingenieure und Industrievertreter teil. Im Zentrum stand die Dünnschichttechnologie mit Silizium. Solarmodule aus kristallinem Silizium werden aus Wafern gefertigt, mit relativ starken Halbleiterplatten. Dünnschichtmodule hingegen bestehen aus großen Glasflächen, auf die hauchfeine Schichten des solaraktiven Materials aufgedampft werden. Die Abscheidung erfordert nur wenige hundert Grad Celsius, bei äußerst geringem Materialeinsatz. Aber: Der Halbleiter scheidet sich lediglich ungeordnet (amorph) ab. Dadurch setzt er weniger Licht in Strom um. Der Wirkungsgrad solcher Module liegt bei rund fünf Prozent. Manche Hersteller kombinieren deshalb die amorphe Schicht im Tandem mit einer dickeren Schicht aus mikrokristallinem Silizium, schichten also zwei Zellen übereinander. Inventux in Marzahn nutzt diese Technologie. Im Herbst wurde die Fabrik angefahren, die volle Auslastung wird im Jahresverlauf erreicht.

Amorphes Silizium hat einen weiteren Nachteil: Nach der Installation auf dem Dach zersetzt sich die dünne Schicht unter dem Einfall von Licht. Das Solarmodul verliert bis zu einem Viertel seines anfänglichen Wirkungsgrades. Erst nach ungefähr tausend Stunden ist das Material stabil. Die Forschungslabors arbeiten unter Hochdruck daran, diesen Effekt zu vermindern und zugleich den stabilisierten Wirkungsgrad der Zellen auf über neun Prozent zu steigern.

Auf dem Treffen in Adlershof wurde deutlich: Künftig werden die Dünnschichtmodule den Preis wesentlich bestimmen, ungeachtet der geringeren Energieausbeute. Und noch etwas wurde klar: Deutschland wird seine Rolle als Leitmarkt in der Fotovoltaik verlieren. Bruce Sohn, Chef des Solarproduzenten First Solar, kündigte etliche Mammutprojekte in Nordamerika an. Dort entstehen derzeit gewaltige Solarkraftwerke mit je 200 oder 300 Megawatt Leistung. Lange im Tiefschlaf, hebt der US-Markt zu einer gewaltigen Aufholjagd an: Bis Ende des Jahres, prophezeite Sohn, werde der Preis für ein Watt Modulleistung in den USA auf unter einen Dollar fallen. Diese Angabe bezieht sich auf Solarmodule aus Kadmiumtellurid, bei denen First Solar den Weltmarkt anführt. Das Unternehmen will seine Kapazitäten auf ein Gigawatt ausbauen. Heiko Schwarzburger

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