Solartechnik : Solon zeigt wieder Zuversicht

2008 war schwächer als erwartet – aber der Ausblick begeistert die Börse. Das Unternehmen Solon verspricht sich vor allem dadurch Geschäftsimpulse, dass immer mehr Länder in die Förderung von Solarstrom einsteigen.

Kevin P. Hoffmann

Berlin - Thomas Krupke scheint heute in sich zu ruhen, so wie ein Mönch, der gebeichtet hat. Jetzt ist alles raus. Jetzt könnte er theoretisch entspannt nach vorne schauen...

Der Chef des Berliner Solarmodulherstellers Solon hatte im vergangenen Sommer gesagt, dass sein Unternehmen im Jahr 2008 rund eine Milliarde Euro Umsatz schaffen könnte – nach 515 Millionen Euro im Jahr 2007. Das war kühn, das war frech – und die Börse freute sich. Es gab auch andere Manager in der jungen Solarbranche, die den Anlegern das Blaue vom Himmel versprachen. Doch im Herbst kam dann die Wende. Thomas Krupke sagte: „Auch wir sind Finanzkrise.“ Die Märkte straften die Solon-Aktie ab. „Wir waren mit die Ersten, die von Problemen gesprochen haben. Vielleicht wurden wir bestraft, weil wir so ehrlich waren“, sagte Krupke jetzt rückblickend dem Tagesspiegel.

Am Donnerstag legte sein Unternehmen die endgültige Bilanz für 2008 vor: Der Umsatz stieg von 515 Millionen nicht auf eine Milliarde, sondern nur auf 815 Millionen Euro – das waren immerhin noch 62 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Überschuss stieg um 50 Prozent auf 32 Millionen. In der Größenordnung war das schon bekannt, jetzt ist es amtlich.

Bleibt die Frage, wie es mit Solon und der Branche weitergeht. Eine konkrete Prognose wolle man erst im Verlauf des Jahres abgeben, hieß es in der offiziellen Mitteilung. Krupke wurde dann aber doch deutlicher und sprach für das erste Quartal von einer möglichen „roten Null“. Hintergrund ist, dass das Solargeschäft im Frühjahr traditionell schlecht läuft. „Der Winter war besonders lang und kalt“, sagte er. Dann aber soll es aufwärts gehen. Für 2009 stellte er ein moderates Umsatzplus und einen im Vergleich dazu geringeren Anstieg des bereinigten Konzernergebnisses in Aussicht.

Das Unternehmen verspricht sich vor allem dadurch Geschäftsimpulse, dass immer mehr Länder in die Förderung von Solarstrom einsteigen. Dies könne die Einbrüche in Spanien kompensieren, sagte Krupke. Solon hatte vor einem Jahr über 40 Prozent der Erlöse in Spanien erwirtschaftet. Vor allem die großzügige Förderpolitik hatte das Land zum weltweit zweitgrößten Markt für Sonnenenergie gemacht. Die Regierung kappte die Förderung allerdings zum Oktober. Dies würgte zusammen mit der Wirtschaftskrise die bis dahin enorme Nachfrage ab.

Inzwischen tun sich aber mit den USA und China neue vielversprechende Märkte auf. Solon selbst betreibt ein Werk im US-Bundesstaat Arizona und ist in insgesamt 20 Ländern aktiv. „Wir merken, dass es dort gut ankommt, wenn man vor Ort produziert. ’Buy american’ wird wieder ein Thema“, sagte Krupke. Auch die Türkei signalisierte jüngst, erneuerbare Energien fördern zu wollen.

Die Mitarbeiterzahl stieg im vergangenen Jahr konzernweit von 706 auf 943. Vereinzelte Einstellungen sind für das laufende Jahr geplant. Kurzarbeit werde geprüft, „steht aktuell aber nicht an“.

An der Börse sorgte der ehrliche und leicht positive Ausblick für Hochstimmung. Die im Technologieindex Tec-Dax notierten Solon-Papiere schnellten nach oben und notierten auch bei Börsenschluss noch 13,16 Prozent im plus bei 10,75 Euro. Kevin P. Hoffmann

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