Solarthermie : Industrie wittert Großaufträge

Solarstrom aus der Wüste könnte nicht nur Deutschlands Energieprobleme lösen, sondern auch einen Milliardenmarkt öffnen, frohlocken die Befürworter des Desertec-Konzepts. Noch ist das eine Vision. Doch deutsche Unternehmen bringen sich bereits in Stellung für das erhoffte Jahrhundertgeschäft.

Andreas Menn

So hat Siemens kürzlich 28 Prozent der Anteile an der italienischen Firma Archimede Solar Energy gekauft, einem Hersteller von Solar-Receivern. Sie gelten als die technologisch aufwendigste Komponente von Solarthermiekraftwerken. „Der Markt für solarthermische Kraftwerke wird stark wachsen“, sagt Siemens-Sprecher Alfons Benzinger. „Wir wollen einer der führenden technischen Anbieter auf dem Gebiet werden.“ Der Konzern hat bereits Dampfturbinen für rund 50 Solar-Kraftwerke gefertigt und ist auch Anbieter jener Stromleitungen, die für die Übertragung des Stroms nach Europa verlegt werden müssten.

Mehr als 40 Prozent des Weltmarkts für Solarthermiekraftwerke könnten in Zukunft in den Händen deutscher Unternehmen liegen, prophezeit das Wuppertal Institut in einer Studie. Vor allem den Spezialisten wie dem Nürnberger Glasveredler Flabeg und dem Mainzer Spezialglashersteller Schott gibt die Studie gute Chancen. Flabeg hat für nahezu alle bestehenden und im Bau befindlichen Parabolrinnenkraftwerke die Spiegel produziert. Schott ist Weltmarktführer für Solar-Receiver in Parabolrinnenkraftwerken. „Wir haben unsere Fertigungskapazitäten für die Solar-Receiver in den vergangenen drei Jahren verfünffacht“, sagt Schott-Chef Udo Ungeheuer. „Und unsere Auftragsbücher sind schon bis Ende 2010 gefüllt.“ Seit Jahren wirbt Ungeheuer in der Politik für Desertec. „Was Europa als Stromabnehmer hilft, hilft doch auch Nordafrika beim Ausbau seiner Energieinfrastruktur“, sagt er. Der Wüstenstrom stelle auch keine Gefahr für die erneuerbaren Energien in Deutschland dar, wie oft kritisiert wird: „Wir sind überzeugt, dass sich Sahara-Strom und heimische Stromquellen hervorragend ergänzen können.“

Den Hinweis auf politische Risiken bei der Kooperation mit diesen Staaten kontern die Hersteller mit ihren guten Geschäftsbeziehungen dorthin. „Deutsche Partner werden in diesen Ländern sehr geschätzt“, sagt Daniel Reinhardt von MAN Ferrostaal. Der Mischkonzern ist seit Jahrzehnten in der Region vertreten. 2007 ist das Unternehmen über ein Joint Venture mit dem Erlanger Projektentwickler Solar Millennium ins Solarthermiegeschäft eingestiegen. Solar Millennium hat Kraftwerke mit einer Leistung von insgesamt mehr als 2000 Megawatt in Planung. Andreas Menn

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