Solon-Chef Säuberlich : „Wir sind besser als die Asiaten“

Stefan Säuberlich, Chef des Berliner Solarmodulherstellers Solon, über die Kappung der Fördersätze, Staatsbürgschaften und die Konkurrenz aus China.

Die Kürzung der Solarförderung nutzt den Asiaten, meint Stefan Säuberlich. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Die Kürzung der Solarförderung nutzt den Asiaten, meint Stefan Säuberlich. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Herr Säuberlich, Sie kommen aus dem Transportgewerbe, waren bei DB Cargo und den Wadan Werften. Warum haben Sie jetzt in die Solarbranche gewechselt?

Ich habe mitgeholfen, zwei Werften zusammenzuführen, was nicht einfach war. Es ging darum, Prozesse zu harmonisieren, aus zwei Verwaltungen und zwei Produktionslinien eine zu machen – und zwar so, dass am Ende etwas Besseres dabei rauskommt. Auch Solon hatte Schwierigkeiten und stand vor der Frage: Wie richtet man sich auf die Zukunft aus? Da kommt jemand aus der alten Industrie vielleicht einen Tick besser zurecht, als jemand, der vor allem einen aufwärtsgerichteten Markt erlebt hat.

Was steht jetzt an?

Wir müssen unsere Anzahl an laufenden Projekten deutlich erhöhen, um nach Möglichkeit immer einen Ausgleich zu haben, wenn irgendwo mal ein Projekt ins Schwanken kommt. Wir werden den Vertrieb ausbauen, da sind wir mitten drin, und wir werden auch künftig weiter wachsen.

Sie haben als Privatmann 10 000 Aktien von Solon gekauft. Ein großes Risiko.

Die Analyseinstitute legen bei unserer Branche besonders großen Wert darauf, dass der Vorstandschef so ein Signal gibt. Und das habe ich gern getan. Unser Aktienkurs kennt meines Erachtens nur eine Richtung, auch wenn er nicht gleich auf alte Höhen schießen wird. Wir werden 2010 wieder ein prozentual zweistelliges Umsatzwachstum erreichen. Diese Erholung sollte sich über kurz oder lang auch an der Börse widerspiegeln.

2008 hatte Solon eine Milliarde Umsatz in Blick. 2009 waren es dann nur 354 Millionen. Was ist passiert?

Unsere Komponentensparte ist vom Volumen her auch 2009 noch gut gelaufen, allerdings ging das einher mit einem heftigen Preiseinbruch für Solarmodule um 30 Prozent. Daher auch der Umsatzeinbruch. Und das Projektgeschäft ist aufgrund der Finanzkrise weltweit nahezu zum Erliegen gekommen – in Spanien, wo wir einer der führenden Player im Markt waren, kamen noch die regulatorischen Änderungen hinzu. Aber jetzt sind wir wieder durchfinanziert und können den Ausbau des Vertriebs und der Projektentwicklung vorantreiben.

Durchfinanziert, weil der Bund und die Länder Berlin und Mecklenburg-Vorpommern eine Ausfallbürgschaft über 146 Millionen gewährt haben. Wie haben Sie die Politik überzeugt?

Mit Zahlen. Im Zuge der Krise wurde hier ein Restrukturierungsplan ausgearbeitet, der dann von externen Prüfern von vorn bis hinten durchleuchtet wurde. Anhand dieses Plans haben wir uns an die Banken gewandt und haben dann erfolgreich den Antrag beim Bund und den Ländern gestellt.

Wer garantiert uns Steuerzahlern, dass Sie das Geld nicht wirklich abrufen?

Wenn ich das garantieren könnte, hätten wir die Bürgschaft nicht beantragen müssen. Aber ich bin sehr zuversichtlich: Wir werden besser, auf dem US-Markt kommen verstärkt Aufträge rein, was sich ab 2011 in Zahlen niederschlagen wird. In Frankreich bauen wir den Vertrieb massiv aus, auch in Italien läuft es besser, wo es einen recht guten Vergütungstarif für Solarstrom gibt. Und dann wird auch Spaniens Markt dieses Jahr wieder anziehen.

Und das Deutschland-Geschäft?

Der heimische Markt wird nicht im Projekt-, aber im Komponentengeschäft stark bleiben. Natürlich wird eine Senkung, die der Bundestag jetzt wohl beschließen wird, temporär für einen Dämpfer sorgen. Die Renditen für eine Solaranlage werden etwas sinken, aber nach wie vor attraktiv sein.

Selbst Frank Asbeck von ihrem Wettbewerber Solarworld sagt, man könne mit der Kürzung gut leben. Wenn es nicht so schlimm wird, warum gingen dann Mitarbeiter von Solarfirmen erst letzte Woche wieder auf die Straße?

Mit der Ansicht steht Asbeck ziemlich alleine da. Die Regelung zum Einspeisetarif ist ja nicht umsonst so gestaltet worden, wie sie jetzt vorliegt. Man hat erwartet, dass sich der Markt im Wachstum dahingehend entwickelt, dass die Produktionskosten mit den Stückzahlen sinken. Doch dann gab es diesen massiven Preisverfall. Vor dem Hintergrund kann ich nicht verstehen, dass alle sagen, in der Solarbranche wird so prächtig verdient. Der Markt steckt mitten in der Konsolidierung. Ich hab auch kein Problem damit, dass man die Vergütungssätze regelmäßig prüft und gegebenenfalls anpasst, so dass man die Umlagefinanzierung senkt. Aber auf einen Schlag einer Branche 16 Prozent der Einnahmen zu entziehen, führt am Ziel vorbei.

Ganz generell hat das einst hervorragende Image der Solarwirtschaft Kratzer bekommen: Wir lesen Berichte über Traumrenditen, die von der Gemeinschaft aller Stromverbraucher finanziert werden. Das provoziert Neid.

Solche Berichte sind undifferenziert. Gesehen wird nur, dass die Summe der installierten Leistung weiter wächst und damit auch die Fördersumme insgesamt. Die Fördersätze, die jeder Einzelne vereinnahmt, aber sinken weiter. Die Renditen, die ein Hausbesitzer mit einem Solardach erzielen kann, entsprechen denen auf dem normalen Kapitalmarkt.

Von sieben bis über zehn Prozent Rendite war zuletzt die Rede.

Dass es heute noch solche Renditen gibt, bezweifele ich. Wenn die so hoch wären, würde sich ja jeder ein Solardach installieren. Dann hätte zuletzt niemand mehr woanders investiert.

Wann kommen Sie ohne Förderung zurecht?

Wir erwarten, dass wir wegen der langen Laufzeit der Fördersätze über 20 Jahre in drei Jahren Netzparität erreichen werden. Das heißt, dass für Endverbraucher ihr selbst produzierter Solarstrom dann nicht teurer ist als der herkömmlich erzeugte Strom. Das würde bedeuten, dass sich der Markt dann selbst trägt. Auch die Windkraft wäre nie so weit gekommen, wäre sie nicht von Anfang an gefördert worden. Vor dem Hintergrund finde ich es etwas merkwürdig, dass die Regierung jetzt, wo wir das Ziel so klar vor Augen haben, so einen Schnitt macht. Der könnte dazu führen, dass deutsche Unternehmen, die über die Jahre die Technologieführerschaft erlangt haben, geschluckt werden. Der Markt dürfte weiterleben, dann allerdings kontrolliert von Chinesen und Taiwanesen, die sich nie an der Entwicklung beteiligt haben.

Wie wollen Sie sich gegen die Konkurrenz aus Asien behaupten?

Den Kunden klarmachen, dass unsere Produkte besser sind. Zum Beispiel haben wir die Garantiezeit auf 25 Jahre angehoben und uns so klar von asiatischen Produkten abgegrenzt, bei denen sich Teile zuweilen schon nach zehn Jahren auflösen können. Wir müssen deutsche Ingenieurskunst präsentieren und einen Service hier vor Ort bieten, den die Asiaten so nicht bieten. Zudem können wir Finanzierungsdienstleistungen über den deutschen Kapitalmarkt darstellen. Das können die Asiaten schon gar nicht.

Sie wollen aber auch in Asien produzieren.

Wir prüfen eine Produktion in Südostasien, zum Beispiel in Malaysia. Das wird aber nur passieren, wenn wir dort tatsächlich Solon-Qualität fertigen können. Wir werden keine billige Lizenzproduktion in China machen und das hier als Solon- Qualität verkaufen. Und für den europäischen Markt kommt die Ware vor allem aus unserem Werk in Greifswald, das wir weiter ausbauen werden.

Und was ist mit ihrem Berliner Werk?

Berlin hat kleinere Kapazitäten. Das ist für uns der Forschungs- und Entwicklungsstandort, wo wir neue Produkte entwickeln und dann die Fertigungsprozesse dafür zum Laufen bringen. Und wenn die so weit standardisiert sind, findet die Massenfertigung in unseren Werken in Greifswald, Italien oder den USA statt. Den Standort Berlin werden wir in der Verwaltung ausbauen, im Vertrieb, im Produktionsmanagement.

Damit die Bundesländer der Kürzung der Solarförderung zustimmen, gibt es vom Bund einen Forschungszuschuss von 100 Millionen Euro. Was halten Sie davon?

Wir beschäftigen mehr als 60 Leute in der Forschung und Entwicklung. Wenn es dazu einen Zuschuss gibt, kann ich das nur begrüßen. Allerdings kann ein solches Programm niemals den Effekt einer klar planbaren Tarifdegression ersetzen.

Das Gespräch führte Kevin Hoffmann.

ZUR PERSON

DER MANAGER
Stefan Säuberlich, vor 46 Jahren in Berlin geboren, lernte Industriekaufmann bei Schering. Als Diplom-Kaufmann und Finanzierungsexperte arbeitete er für Linde und die Bahn-Tochter DB Cargo. Zuletzt war er Geschäftsführer bei den Wadan Werften in Wismar und Rostock. Im Januar wurde er Vorstandschef bei Solon. Säuberlich ist verheiratet und hat drei Kinder.

DAS UNTERNEHMEN

Der Produzent von Solarmodulen wurde 1996 in Kreuzberg gegründet, 1998 ging Solon an die Börse. 2009 machte das Unternehmen 354 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte im In- und Ausland rund 900 Mitarbeiter.

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