Sommer ohne Hoch : Berliner Industrie macht weniger Umsatz

Die Konjunktur kühlt überraschend deutlich ab. Das ZEW-Barometer sinkt - und vor allem in ostdeutschen Betrieben herrscht Verunsicherung vor.

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Die konjunkturellen Aussichten sind nicht überragend.
Die konjunkturellen Aussichten sind nicht überragend.Foto: dpa

Unter Firmen und Börsianern macht sich zunehmend Pessimismus breit. Gleich mehrere Indikatoren zeigen derzeit nach unten und deuten auf ein Abkühlen der Konjunktur hin. So ist das ZEW-Barometer für die Konjunkturentwicklung in den kommenden sechs Monaten im Juli überraschend um 2,2 auf 36,3 Punkte gefallen.

Das teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mit. Volkswirte hatten dagegen mit einem Anstieg auf 40,0 Punkte gerechnet. Allerdings liegt das Barometer auch jetzt noch deutlich über dem bisherigen Mittelwert.

So versuchte ZEW-Präsident Clemens Fuest dann auch, die Zahlen zu relativieren. Die befragten Finanzmarktexperten vertrauten weiterhin „in die Widerstandsfähigkeit der deutschen Konjunktur trotz der zuletzt schwachen Zahlen zu Industrieproduktion und Außenhandel“.

Auch vom Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) kamen am Dienstag gemischte Nachrichten. Wie dessen Industrieumfrage zeigt, kühlt sich im verarbeitenden Gewerbe Ostdeutschlands das Geschäftsklima deutlich ab. Auftrags- und Produktionslage stagnieren, über die weitere Entwicklung ihrer Geschäfte sind die vom IWH befragten Unternehmen skeptisch. „Von einem Sommerhoch ist derzeit nichts zu spüren“, schreiben die Wissenschaftler aus Halle.

Die Erwartungen der weiteren Geschäftsentwicklung sind unter den Herstellern von Investitionsgütern damit so schlecht wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Wissenschaftler sprechen von „Zeichen tiefer Verunsicherung“. Auch unter den Firmen, die Vorleistungen herstellen – also Güter, die weiterverarbeitet werden – haben sich die Aussichten verschlechtert. Einziger Lichtblick: Die ostdeutschen Firmen dieser Branche bekommen derzeit mehr Aufträge.

Schlechte Zahlen kommen auch aus Berlin: Die Umsätze der über 300 hier ansässigen Industrieunternehmen sind im Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5,6 Prozent gesunken auf 1,8 Milliarden Euro. Noch im April waren die Industrieumsätze gestiegen. Besonders stark hat der Abschwung im Mai die Berliner Hersteller elektronischer und optischer Produkte getroffen. Die Umsätze dieser Unternehmen gingen um 21,9 Prozent zurück. (mit rtr)

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