Wirtschaft : Sonera reduziert sein UMTS-Engagement

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Berlin (vis/dpa). Der finnische Telekommunikationskonzern Sonera will sein Engagement in die neue Multimedia-Mobilfunktechnik UMTS in Europa drastisch reduzieren. Sonera habe Schritte eingeleitet, die Ausgaben für seine europäischen UMTS-Beteiligungen zu begrenzen und strebe an, laufende Engagements weiter zu reduzieren, teilte das Unternehmen am Montag in Helsinki mit. So habe sich Sonera auch entschieden, keine zusätzlichen Gelder für die Group 3G zur Verfügung zu stellen. Group 3G ist das in Deutschland jetzt unter dem Namen Quam operierende Joint Venture der Finnen mit der spanischen Telefongesellschaft Telefónica Moviles. Auf ein Minimum reduzieren will das stark verschuldete finnische Unternehmen zudem sein geplantes 3G-Engagement in Italien und Spanien.

Sonera hält einen Anteil von 43 Prozent an Quam und hat bereits 3,6 Milliarden Euro in das Joint Venture investiert. Ein Sprecher von Quam sagte, zusätzliche Finanzmittel seien für Deutschland nicht notwendig. Das Geld für den Netzaufbau und den Start der Dienste stehe bereits zur Verfügung. 6,2 Milliarden Euro haben Sonera und Telefónica Quam bis zum Jahr 2010 zur Verfügung gestellt. Quam will bereits Ende November mit Mobilfunkdiensten der heutigen Generation (GSM) an den Start gehen. Durch ein Abkommen mit E-Plus kann Quam das Netz des Wettbewerbers mitnutzen und so früher als geplant bereits Kunden gewinnen. Dies und die durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post genehmigte Kooperation der Netzbetreiber beim Aufbau der UMTS-Infrastuktur habe den Finanzbedarf gegenüber dem ursprünglichen Geschäftsplan bereits deutlich reduziert, sagte der Sprecher von Quam weiter. "Wir fordern gar keine zusätzlichen Mittel."

Immer wieder hatte es allerdings Gerüchte gegeben, Sonera wolle sich aus dem teuren Engagement bei Quam gänzlich zurückziehen. Das dementierte ein Sonera-Sprecher am Montag erneut. "Wir denken nicht daran, unseren Anteil vollständig zu verkaufen", sagte der Sprecher dieser Zeitung. "Langfristig wollen wir unseren Anteil jedoch auf 20 Prozent reduzieren." Der neue Sonera-Konzernchef Harri Koponen begründete die strategische Neuorientierung auf das heimische Kerngeschäft mit der "verspäteten Inbetriebnahme neuer Technologien". Das nordeuropäische Unternehmen galt in den vergangenen Jahren international als führend bei der Entwicklung und Einführung neuer Technologien wie der Nutzung des Handys als Zahlungsmittel anstelle von Kreditkarten. Die dafür zuständige Tochtergesellschaft Smart-Trust soll jetzt wie andere Sonera-Teile entweder verkauft oder still gelegt werden, um den hohen Schuldenstand des Unternehmens zu reduzieren.

Für das dritte Quartal wies Sonera einen Verlust vor Steuern von 352 Millionen Euro (688 Millionen Mark) gegenüber einem Gewinn von 781 Millionen Euro im selben Vorjahreszeitraum aus. Der Umsatz wurde von 501 Millionen auf 549 Millionen Euro gesteigert. Zum Abbau des Schuldenberges hat das Unternehmen auch alle Beteiligungen an der Deutschen Telekom zum Verkauf angeboten und teilweise bereits verkauft.

Unterdessen interessiert sich der japanische Mobilfunkkonzern NTT Docomo offenbar für eine der UMTS-Lizenzen in Frankreich, weil dort die Lizenzen deutlich billiger gemacht worden sind. Vertreter des Unternehmens seien mehrfach bei der Pariser Regulierungsbehörde ART gesichtet worden, sagte der Telekom-Analyst von Credit Suisse First Boston, Mark Berman, in Tokio. "Für einen Zufall ist das zuviel." Der Markt sei für die Japaner interessant, möglicherweise in einer Allianz mit den Betreibern Hutchison oder Bouygues Telecom.

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