Wirtschaft : Sonne für Berlin

Die Solon AG legt den Grundstein für ihre neue Zentrale. Die Debatte um staatliche Förderung betrachtet das Unternehmen mit Sorge

Bernd Hops

Berlin - Der Solarkonzern Solon will stark in den Standort Berlin investieren. „Wir sind ein Berliner Unternehmen, und wir wollen in Berlin bleiben“, sagte Konzernchef Thomas Krupke dem Tagesspiegel. Am heutigen Donnerstag wird der Grundstein für eine neue Firmenzentrale im Technologiepark Adlershof gelegt. Rund 40 Millionen Euro fließen in den Bau, in dem vor allem die Hauptverwaltung und die drei weiteren Berliner Standorte des stark gewachsenen Unternehmens zusammengefasst werden. Zu den derzeit 250 Berliner Solon-Mitarbeitern, deren Zahl bis Ende 2008 auf 400 steigen soll, kämen 100 des US-Partnerunternehmens Global Solar Energy, sagte Krupke. Die Fläche sei so kalkuliert, dass sie für das in den kommenden fünf Jahren erwartete Wachstum ausreiche.

Allerdings ist Krupke skeptisch, wie sicher die Zukunft von Solon in Deutschland ist. Würden die Überlegungen der Bundesregierung umgesetzt, die Förderung von Sonnenenergie zu beschneiden, „bricht der deutsche Markt zusammen“. Man könne aber nur solche Technologien erfolgreich exportieren, die auch im Inland zum Einsatz kommen. „Als guter Kaufmann muss ich mir dann überlegen, ob ich nicht besser mit meinem Unternehmen dahin gehe, wo die Märkte sind“, warnte Krupke. Schon heute liege die Exportquote bei 60 Prozent. Gerade erst wurde im US-Bundesstaat Arizona eine neue Produktionsstätte eingeweiht, in der Nähe zum Solarzellenlieferanten und Partnerunternehmen Global Solar Energy, an dem Solon 19 Prozent hält.

Solon wurde 1996 gegründet und nahm 1999 die Produktion auf. Hergestellt werden vor allem Solarmodule für Photovoltaik-Anlagen, die aus Sonnenlicht Strom erzeugen. Die Module werden sowohl in Anlagen für private Verbraucher als auch für große Freilandsonnenkraftwerke verwendet. Hauptstandort ist zurzeit noch die ehemalige Wäscherei des Krankenhauses Neukölln in der Nähe der Sonnenallee. „Ich fühle mich hier wohl, aber es wird langsam eng. Und in dem neuen Gebäude wollen wir zeigen, was wir energietechnisch können“, erklärte Krupke den Umzug.

Denn aus dem Gründerstadium ist Solon, das als erstes Unternehmen der Branche 1998 an die Börse gegangen war, schon lange heraus. Der Konzern, der mittlerweile Töchter in Österreich, der Schweiz, Italien und den USA hat, beschäftigt 550 Menschen. Bis Ende des Jahres werde die Belegschaft auf 600 wachsen, schätzt Krupke. Zurzeit gebe es in Deutschland 40 offene Stellen. Das Wachstum hemmen zurzeit die hohen Preise für Silizium, den Grundstoff der meisten Solarzellen. Die Produzenten hatten mit dem starken Wachstum der Solarbranche nicht gerechnet und kommen jetzt kaum mit der Herstellung nach. Vor fünf Jahren habe ein Kilo Silizium noch acht Dollar gekostet, heute würden bis zu 250 Dollar fällig, sagte Krupke. Bei langfristigen Verträgen liege der Betrag im zweistelligen Bereich. Ab 2008 werde sich die Lage weltweit entspannen, die Siliziumproduktion werde bis dahin im Vergleich zu heute mehr als verdreifacht, schätzt Krupke. Doch auch andere wichtige Bauteile für die Solarmodule sind knapp – das nötige Spezialglas, Folien oder auch bleifreie Lötbändchen.

Für Solon bedeutet das in diesem Jahr eine kleine Wachstumsdelle. Der Umsatz werde zwar noch um 30 Prozent auf etwa 450 Millionen Euro steigen. Zwischen 1999 und 2005 lag der Zuwachs aber im Schnitt bei 100 Prozent und 2006 noch bei 70 Prozent. 2008 erwarte er ein Plus von 50 Prozent auf 650 bis 700 Millionen Euro, sagte Krupke.

Der Solon-Chef wehrte sich gegen Vorwürfe, die Solarbranche sei zu teuer und im Vergleich zu anderen alternativen Energien wie Wind kaum wettbewerbsfähig. Seit 2002 habe die Solarindustrie die Kosten im Jahresschnitt um 4,2 Prozent gesenkt – dabei berücksichtigt seien auch die höheren Rohstoffpreise. In diesem Jahr gehe es um fünf bis sechs Prozent runter, und für die kommenden Jahre erwartet er durchschnittlich fünf Prozent niedrigere Preise. „Mehr geht nicht. Wir sollen Kosten senken, die Technologie weiterentwickeln, wachsen, investieren und internationalisieren – es ist schwierig, das alles gleichzeitig zu tun“, sagte Krupke. Gewinne seien nötig, um Investitionen finanzieren zu können. Solon komme auf eine Umsatzrendite von vier Prozent.

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