Wirtschaft : Sonne, Meer und Müll

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung setzt sich für Autofahrer ein

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die hohen Benzinpreise ärgern den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken. Weil die Mineralölkonzerne wieder pünktlich zu Ferienbeginn die Preise angehoben haben, will sich Hinsken jetzt mit einem Brief an die Unternehmen wenden. „Autofahren darf nicht zu einem Luxusgut werden“, sagte der CSU-Politiker am Mittwoch in Berlin. „Auch der Normalverbraucher muss es sich leisten können.“ Dafür müssten die Konzerne sorgen.

Ob das Anliegen des Tourismusbeauftragten Gehör findet, ist zweifelhaft. Auch Hinsken weiß, dass die Regierung den Ölkonzernen nicht die Preise diktieren kann und vor allem die Krise im Nahen Osten den Rohstoff teuer gemacht hat. Man suche aber den Dialog und bitte um Klärung: „Steter Tropfen höhlt den Stein“, sagte Hinsken.

Überhaupt will sich der Tourismusbeauftragte stärker um die Belange deutscher Autofahrer kümmern. So kündigte Hinsken an, sich mit den Bundesländern über eine Staffelung der Sommerferienzeiten verständigen zu wollen. Damit könnten Staus vermieden und dem Gastgewerbe durch zusätzliche Übernachtungen Einnahmen von bis zu einer Milliarde Euro verschafft werden. Vernünftig sei es, den Ferienkorridor zwischen dem 15. Juni und dem 15. September von heute 82 auf etwa 90 Tage auszudehnen.

Persönlich, sagt der Tourismusbeauftragte, habe er sich unlängst auf deutschen Autobahnen umgesehen („ein Markenzeichen des Tourismusstandortes“) und festgestellt, dass viele Rastplätze („die Visitenkarten“) verschmutzt seien. „Ich fordere, dass die Reinigungsintervalle hier verstärkt werden“, sagte Hinsken. Sein Vorschlag: Die Kommunen sollten gegen Kostenerstattung des Bundes Hartz-IV-Empfänger bei der Säuberung einsetzen. 430 bewirtschaftete Rastanlagen mit insgesamt 377 Tankstellen, 388 Raststätten und 53 Motels gibt es in Deutschland. Der Großteil wird vom ehemals bundeseigenen Unternehmen Tank & Rast bewirtschaftet, das seit 2004 dem britischen Finanzinvestor Terra Firma gehört. Der hat einem Zeitungsbericht zufolge dem Unternehmen unlängst weitere Schulden aufgebürdet und sich so eine Sonderausschüttung von 400 Millionen Euro genehmigt. Die privaten Pächter stehen nun unter erhöhtem Renditedruck. Zwar wollen sich weder Tank & Rast noch Terra Firma dazu äußern. Ernst Hinsken kündigte dennoch an, sich mit dem Management des ehemaligen Staatsbetriebs zu treffen, um den Vorgang zu klären.

Optimistisch blickt der Tourismusbeauftragte in die Zukunft der Branche. Sie sei ein Wachstumsmarkt, der in den nächsten Jahren 250 000 bis 300 000 Arbeitsplätze schaffen könne. Die Fußball-WM habe das Image Deutschlands aufgewertet; statt der erwarteten eine Million ausländischer Gäste seien doppelt so viele gekommen. „Kurzfristig rechnen wir mit zehn Prozent Übernachtungszuwachs aus dem Ausland.“ Doch der Politiker schaut voraus: „Wer nicht wirbt, stirbt.“ Das Budget der Deutschen Zentrale für Tourismus von 25 Millionen Euro müsse aufgestockt werden, um angemessen auf „unser schönes Vaterland“ aufmerksam machen zu können – auch in weniger sommerlichen Zeiten. „Sonne und Meer“, warnte Hinsken, „stehen uns nicht jeden Tag ins Haus.“

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