SONNENSCHUTZMITTEL IM TEST : Bloß nicht rot werden

Billig ist gut genug: Alle Mittel halten den angegebenen Lichtschutzfaktor ein, aber nicht alle pflegen die Haut gleich gut.

Yasmin El-Sharif

Es gibt Hautärzte, die wünschen sich in Sachen Modetrends die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zurück. Damals war es nämlich chic, gar ein Zeichen des Wohlstands, blass zu sein. Denn das bewies, dass man kein einfacher Arbeiter war, der im Freien schuften musste. Heute dagegen gilt: Je gebräunter die Haut, desto schöner. Wohl daher werden die regelmäßig zu Sommerbeginn wiederholten Warnungen von Dermatologen, Röte oder leichte Bräune seien bereits Zeichen von eingetretenen Hautschäden, von der Masse der Sonnenhungrigen überhört. Die Bräune stellt nämlich einen natürlichen Schutzmechanismus der Haut dar, um sich vor weiterem Schaden zu schützen. Die Folge: Jahr für Jahr erkranken rund 140 000 Menschen neu an Hautkrebs.

Immerhin können Sonnencremes einen eingeschränkten Schutz vor so schweren Hauterkrankungen bieten – vorausgesetzt sie weisen die schädigenden ultravioletten Strahlen der Sonne ab. Die Stiftung Warentest hat nun neun Produkte dahingehend geprüft. Die Tester wählten Mittel mit Lichtschutzfaktoren von 15 und 20, alles was darunter liegt, ist für hellhäutige Nord- oder Mitteleuropäer in der Regel nicht ausreichend.

Das Testergebnis fiel überraschend gut aus. Denn anders als in früheren Tests schnitten gleich sechs der neun Sonnenschutzmittel „gut“ ab. Kein Produkt fiel ganz durch. Für Preisbewusste besonders erfreulich: „Sun Dream Feuchtigkeits-Sonnenmilch“ vom Discounter Penny war Spitzenreiter. Mit 1,20 bis 1,45 Euro pro 100 Milliliter gehört sie zu den günstigsten im Test. Dicht dahinter in der Bewertung folgt die teurere „Solar Expertise Sonnenmilch“ der Marke L’Oréal (3,90 Euro pro 100 Milliliter). Daneben sind insgesamt ebenfalls empfehlenswert die „Cien Sun Sonnen Milch classic“ von Lidl, „Ombia Sun Sonnen Spray“ von Aldi Süd, „Sun Dance Sonnen Spray“ von dm und „Capital Soleil Sonnenschutz-Gel-Milch“ der Marke Vichy.

Die Sonnenmilch Cadeavera der Drogerie Müller hingegen kam über ein „befriedigend“ nicht hinaus. Noch schlechter schnitten die nur „ausreichenden“ Naturkosmetikprodukte „Sun sensitiv Family“ von Lavera und die Creme von Dr. Hauschka ab, die außerdem die teuerste im Test war (13,90 pro 100 Milliliter).

Eins haben immerhin alle Mittel im Test gemeinsam: Sie halten den angegebenen Lichtschutzfaktor ein und schützen vor den kurzwelligen Ultraviolett-B-Strahlen (UVB). Eben diese fördern Sonnenbrand und Hautkrebs. Aber nicht nur die UVB-, sondern auch die langwelligen UVA-Strahlen sind mit Vorsicht zu genießen. Sie dringen tief in die Haut ein, lassen sie vorzeitig altern und sind oft schuld an unliebsamen Hautreaktionen. Ein Zusammenhang mit der Entstehung von Hautkrebs wird von Wissenschaftlern ebenfalls diskutiert. Deshalb sollten heutige Sonnencremes auch einen Schutz vor diesen Strahlen bieten. Aber die Produkte von Müller, Dr. Hauschka und Lavera schwächelten hier. Außerdem versorgten sie die Haut bestenfalls „befriedigend“ mit Feuchtigkeit, Dr. Hauschka sogar nur „ausreichend“.

Erfreulich war laut Testergebnis, dass alle Cremes gut vertragen werden. Die Probanden zeigten keinerlei Auffälligkeiten. Trotzdem warnen die Tester: Auf das Sonnenschutzmittel allein sollte man sich nicht verlassen. Insbesondere für Hellhäutige gilt, häufiger im Schatten zu bleiben und sich mit Textilien vor der Sonne zu schützen. Allgemein empfehlen die Tester, die Mittagssonne zu meiden. Babys und Kinder sollten ohnehin nicht der direkten Sonne ausgesetzt sein.

Sonnenmilch aus dem vergangenen Jahr kann man übrigens prinzipiell noch benutzen, sagt die Stiftung Warentest. Doch sollte man die Finger davon lassen, wenn die Milch seltsam riecht oder sich in dick und dünn getrennt hat.

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