Wirtschaft : Sonntags bringt die Post den „Spiegel“

-

Düsseldorf - Für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage in Deutschland geht womöglich ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: die Sonntagszustellung durch die Deutsche Post. Wie der Bonner Konzern zusammen mit dem Hamburger Magazin „Spiegel“ am Mittwoch bestätigte, startet ab 3. Juni in Düsseldorf und ab 19. August in Hamburg die Zustellung am Sonntag. Der Versuch ist zunächst auf drei Monate begrenzt. Dabei handelt es sich um rund 30 000 Exemplare, berichten Insider.

Die Sonntagszustellung ist aber nicht ganz neu. In Berlin erhalten Abonnenten ihren „Spiegel“ bereits seit sechs Jahren am Sonntag.

Die Nachfrage nach einem Zustelldienst am Sonntag ist bei den Printmedien groß. Der Zeitschriftenverlag Burda prüft nach Angaben eines Konzernsprechers eine Zustellung seines Magazins „Focus“ am Sonntag. „Wenn die Post endgültig sonntags zustellt, werden wir auch die „Focus“-Abonnenten sonntags beliefern lassen“, sagte Helmut Markwort dem „Handelsblatt“. Derzeit teste „Focus“, schärfster Konkurrent des „Spiegel“, die Sonntagszustellung bereits in Frankfurt am Main. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ verfolgt das Pilotprojekt mit Sympathie. „Das ist eine interessante Option, die wir uns genau ansehen werden“, sagte ein Sprecher. Die Zeitung plant derzeit ein Sonntagsblatt.

Die Sonntagszustellung ist teuer. Allein beim Pilotversuch in Düsseldorf und Hamburg werden 200 Post-Mitarbeiter beschäftigt sein. Für die Post kann die Sonntagszustellung dennoch zu einem einträglichen Geschäft werden. Beispielsweise verkauft der „Spiegel“ von jeder Ausgabe mehr als eine Millionen Exemplare.

Die Sonntagszustellung ist aber auch ein Angriff auf den privaten Post-Konkurrenten Pin. Günter Thiel, Chef von Pin, sagte: „Wir werden die Entwicklung im Markt der Sonntags-Zustellung genau verfolgen, und wenn sich hier ein interessantes Potenzial zeigt, werden wir als größter Mitbewerber der Deutschen Post den Kundenbedürfnissen selbstverständlich Rechnung tragen.“ An der Pin sind Axel Springer, die Essener WAZ-Gruppe und die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck („Handelsblatt“, „Zeit“, Tagesspiegel) beteiligt. hps (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben