Wirtschaft : Sony BMG sagt Popkomm ab

Musikkonzern führt 2005 neue Dual Disc ein

Henrik Mortsiefer

Berlin - Sony BMG wird als erster Musikkonzern so genannte Dual Discs auf dem deutschen Markt anbieten. Die Kombination aus Musik-CDs und DVD werde „hoffentlich im Sommer“ in Deutschland verkauft und nicht mehr als 20 Euro kosten, sagte der Europa- und Deutschlandchef von Sony BMG, Maarten Steinkamp, in Berlin. Das aus der Bertelsmann-Musiksparte und dem Musikgeschäft des Sony-Konzerns fusionierte Unternehmen ging am Freitag offiziell in Deutschland an den Start.

Dual Discs seien „keine Revolution, aber eine Evolution“ auf dem kriselnden Musikmarkt, sagte Steinkamp. In den USA habe Sony BMG schon 500000 Scheiben verkauft. Bis zur Markteinführung in Deutschland müssen noch Herstellerlizenzen vergeben und die Fehleranfälligkeit gesenkt werden. „Es ist möglich, dass die Dual Disc die klassische CD ablöst“, sagte Steinkamp. Die Musikindustrie sucht händeringend nach neuen Umsatzträgern, weil der CD-Vertrieb massiv eingebrochen ist und unter der Konkurrenz der Online-Plattformen leidet. In diesem Jahr erwartet Steinkamp weltweit noch ein Minus von fünf Prozent. 2006 solle der Negativ-Trend dann gestoppt werden, 2007 werde ein leichtes Wachstum erwartet. In Deutschland peilt Sony BMG für das erste gemeinsame Jahr rund 330 Millionen Euro Umsatz an – etwa so viel wie der kumulierte Umsatz des Vorjahres. Zum Gewinnziel machte Steinkamp keine Angaben. Durch den Zusammenschluss gingen in Deutschland rund 150 Arbeitsplätze verloren.

An der diesjährigen Musikmesse Popkomm will Sony BMG wie schon 2004 nicht teilnehmen. „Das kostet nur viel Geld und bringt uns nichts“ sagte Steinkamp. Auch die Love-Parade wolle man finanziell nicht unterstützen. „Wir treten nicht als Sponsor von Musikveranstaltungen auf“, sagte Steinkamp dem Tagesspiegel. Man sei aber bereit, die Parade anders zu unterstützen. „ Es hat uns aber noch niemand gefragt“, so Steinkamp.

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