Sorge vor der Deflation : EZB erwägt Strafzins für Banken

Die Europäische Zentralbank fürchtet, dass eine Kreditklemme die gerade anziehende Wirtschaft abwürgen könnte. Deshalb steht wohl nicht nur eine Senkung des Leitzinses bevor.

Die Europäische Zentralbank in Frankfurt hat den Leitzins bereits auf ein historisches Tief gesenkt.
Die Europäische Zentralbank in Frankfurt hat den Leitzins bereits auf ein historisches Tief gesenkt.Foto: dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet offenbar für Juni eine Zinssenkung und weitere Maßnahmen gegen die Euro-Stärke und drohende Deflation vor. Erstmals dürfte auch ein Strafzins für Banken beschlossen werden, wie fünf mit den Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. „Eine Zinssenkung ist mehr oder weniger sicher“, betonte einer der namentlich nicht genannten Insider.

Damit soll mehr Geld in Form von Krediten an Firmen fließen. Laut EZB-Direktor Yves Mersch arbeitet die Zentralbank „mit Hochdruck“ an neuen Werkzeugen. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet sagte der „Zeit“, auch negative Zinsen seien möglich. Sie sind als Strafzinsen für Banken gedacht, wenn diese ihr Geld bei der Notenbank deponieren wollen, statt es etwa an Unternehmen zu verleihen.

Denkbar sei auch eine zielgerichtete Liquiditätsspritze für die Banken. Das frische Geld dürfe dann aber nicht bei den Geldhäusern bleiben oder zum Kauf von Staatsanleihen ihrer Heimatländer verwendet werden, hieß es weiter aus dem Umfeld der Beratungen. Laut EZB-Direktor Mersch befürchtet die Zentralbank Kreditengpässe, wenn die wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone an Fahrt gewinnt. Die EZB habe sich vor ihrer Zinssitzung im Juni aber noch nicht auf einzelne Maßnahmen festgelegt, betonte Mersch auf einer Konferenz der Zeitung „Die Welt“ in Berlin.

Am 5. Juni steht die Entscheidung an

Der Leitzins könnte nach Darstellung eines der Insider beispielsweise von derzeit 0,25 Prozent auf 0,15 oder 0,1 Prozent sinken. Damit würde die EZB den Euro für Anleger unattraktiver machen, weil sich Investments in der Euro-Zone niedriger verzinsen. Die vor allem durch Kapitalzuflüsse ausgelöste Verteuerung der Gemeinschaftswährung auf fast 1,40 Dollar kommt den Zentralbankern ungelegen, weil sich so Importe verbilligen und das Preisniveau in der Euro-Zone weiter sinkt. Die Teuerung liegt mit 0,7 Prozent für den Geschmack der EZB nahe an einer Abwärtsspirale von Preisen, Löhnen und Investitionen.

Die EZB berät das nächste Mal am 5. Juni über ihren Kurs. Präsident Mario Draghi hatte zuletzt deutlich gemacht, dass die Notenbanker unter Umständen zu weiteren Schritten bereit seien. rtr

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