Wirtschaft : Sorgen der EZB über den Euro werden größer

Zentralbank: Währung ist ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung

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Frankfurt (Main) (ro/asr/HB). Das Unbehagen der Europäischen Zentralbank (EZB) über die Kursentwicklung des Euro wird immer größer. Die jüngsten Wechselkursschwankungen würden sich voraussichtlich dämpfend auf den Export des Euroraums auswirken, die europäische Währung bleibe auf längere Zeit ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung, schreibt die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht. Die EZB sieht „übermäßige Wechselkursschwankungen mit Besorgnis“.

Erstmals geben die Zentralbanker vorsichtige Hinweise auf eine mögliche Senkung der Leitzinsen. Der aktuelle geldpolitische Kurs sei geeignet, die Preisstabilität auf mittlere Sicht zu gewährleisten. Im Monatsbericht Dezember hatte die EZB noch sehr deutlich betont, dass das Zinsniveau „angemessen“ sei. Den Referenzkurs des Euro setzte die EZB am Donnerstag bei 1,2710 (1,2607) Dollar fest. Devisenhändler rechneten damit, dass der Eurokurs weiter anziehen könnte. Die Auswirkungen der Äußerungen mehrerer EZBRatsmitglieder, die zuletzt einen Euro-Kursrückgang ausgelöst hatten, schienen sich abzuschwächen, hieß es.

Regierung: Zwei Prozent Wachstum

Noch setzt die EZB darauf, dass das „dynamische“ Wachstum der Weltwirtschaft und auch eine Belebung der Nachfrage im Euroraum den Rückgang des Exports durch die Euroaufwertung ausgleicht. Insgesamt werde die Konjunkturerholung in Euroland anhalten und im Laufe des Jahres an Tempo gewinnen. Im Gegenzug sieht die Notenbank weiter einen preisdämpfenden Effekt durch den starken Euro und den schwachen Dollar. Über die Importpreise werde sich der Preisdruck abschwächen. Insgesamt rechnet die EZB nach wie vor damit, dass die Inflationsrate im Euroraum vorerst um die zwei Prozent schwanken wird. Voraussetzung für diese Entwicklung sind allerdings nach Ansicht der Notenbank eine gemäßigte Lohnentwicklung und vor allem auch die Rückkehr zu einer soliden Finanzpolitik in Europa, die sich an den Vorgaben des Stabilitäts- und Wachstumspaktes zu orientieren habe.

Die Bundesregierung rechnet ungeachtet pessimistischerer Erwartungen von Ökonomen mit einem Rückgang der Arbeitslosenzahl in diesem Jahr. In seinem Jahreswirtschaftsbericht, den Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) Ende des Monats vorlegen will, geht er von 4,28 Millionen Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt aus – rund 100 000 weniger als im Vorjahr. Bei seiner Prognose unterstellt Clement ein reales Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent bis 2,0 Prozent und liegt damit weitgehend im Einklang mit den Wirtschaftsforschungsinstituten.

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