Wirtschaft : Sorry, Europa kann nicht alles haben!

Aus dem Wall Street Journal. Der Text wurde ü

Europäer schimpfen gern über den amerikanischen Unilateralismus bei der Terrorbekämpfung. Derartige Klagen wurden jüngst beim New Yorker Weltwirtschaftsforum und auf der Münchener Sicherheitskonferenz laut. Dabei sollten die amerikanischen Verbündeten aber folgende Tatsache bedenken: Allein die Anhebung des US-Verteidigungsetats um 48 Milliarden Dollar, die Bush vergangene Woche in seinem Haushaltsentwurf vorgelegt hat, ist doppelt so hoch wie der gesamte deutsche Wehretat.

Besonders groß war die Kritik am amerikanischen Unilateralismus bei der Sicherheitskonferenz. Viele europäische Teilnehmer nahmen Anstoß an der Äußerung des US-Vize-Verteidigungsministers Paul Wolfowitz, dass es bei künftigen Kriegen "nicht eine Koalition, sondern verschiedene Koalitionen für verschiedene Aufgaben geben wird". Viele fragten sich, was mit der Nato sei. Spielt das Bündnis keine Rolle mehr? Die Antwort: Die Bedeutung der Nato geht immer mehr zurück, wie der letzte Krieg in Afghanistan gezeigt hat. Dort waren Usbekistan, Kasachstan und Pakistan für die USA wichtiger als Europa - sieht man von Großbritannien und der Türkei einmal ab. Einer der Hauptgründe dafür ist, dass Europa nicht die Ausgaben leisten will, die erforderlich wären, um eine wichtige Rolle zu spielen. Stattdessen delegieren die Europäer ihre Sicherheit an US-Flugzeuge, wie es in Bosnien der Fall war - während sie sich gleichzeitig beklagen, dass die Yankees sie nicht genügend konsultieren. Sorry, Freunde, ihr könnt nicht beides haben. Fast jedes europäische Land gibt weniger als zwei Prozent des Sozialprodukts für Verteidigung aus: Deutschland 1,5 Prozent, Italien 1,9 Prozent, Belgien 1,3 Prozent. Dagegen sieht der Haushaltsentwurf von Bush für 2003 3,5 Prozent vor. Seit mehr als zehn Jahren verspricht Europa, sein Militär zu modernisieren. Doch nichts passiert. Bush wird die Erhöhung des Verteidigungsbudgets politisch durchsetzen können, weil er bereit ist zu führen. Sein Haushaltsentwurf sieht Abstriche bei inländischen Ausgaben zu Gunsten des Wehretats vor. Das ist etwas, worüber europäische Politiker nicht sprechen, geschweige denn es vorschlagen. Bevor sie das nicht tun, haben sie aber nicht das Recht, über das "unilaterale Amerika" zu klagen.

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